Studie zeigt Zusammenhang zwischen Calciumaufnahme und Kariesrisiko
Frühkindliche Karies (Early Childhood Caries, ECC) entsteht in einem dynamischen Prozess, an dem die genetische Veranlagung, die mikrobielle Besiedelung und umweltbedingte Einflüsse wie die Ernährung beteiligt sind. Die Forschenden analysierten darum Daten von Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren aus dem US-amerikanischen National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES). Der NHANES ist eine repräsentative, fortlaufende Untersuchung des Gesundheits- und Ernährungszustandes der US-Bevölkerung. Daten daraus zeigen, dass die Prävalenz von ECC mit zunehmendem Alter ansteigt und bei 6-Jährigen bis zu 29 Prozent beträgt. Ziel der Studie war, aus den NHANES-Daten die Aufnahme von Nährstoffen wie Calcium, Fett und Vitamin D zu erfassen und ihre Effekte auf die Entstehung von ECC zu analysieren.
Es wurden Daten aus drei NHANES-Zyklen der Jahre 2009–2010, 2011–2012 und 2013–2014 verwendet. In die finale Analyse gingen Daten von 2.564 Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren ein. Mithilfe multivariabler logistischer Regressionen wurden die unabhängigen Effekte von Faktoren wie Alter, Calcium-, Fett- und Vitamin-D-Aufnahme auf das Kariesrisiko ermittelt. Außerdem wurde eine innovative Methode namens Restricted Cubic Spline (RCS) Regression eingesetzt, um gezielt den nichtlinearen Zusammenhang zwischen der Calciumaufnahme und ECC zu untersuchen und Schwellenwerte zu identifizieren.
Das ECC-Risiko steigt mit der Ernährungsautonomie
347 der 2.564 Kinder hatten Karies, Mädchen und Jungen etwa gleich häufig. Der Anteil der Kinder mit Karies stieg mit dem Alter und betrug in den Altersgruppen der 2-, 3-, 4-, 5- und 6-Jährigen 6, 15, 24, 23 und 29 Prozent (p < 0,01). Die Altersverteilung zeigt, dass Kinder verstärkt ab vier Jahren an Karies erkranken, was nach Ansicht der Autoren eng mit der oralen Dysbiose zusammenhängt, die durch ihre erhöhte Ernährungsautonomie verursacht wird. Es zeigte sich zudem ein signifikanter Zusammenhang zwischen Stillen und dem Auftreten von Karies: 61 Prozent der Kinder, die gestillt worden waren, wiesen Karies auf, während dies nur bei 39 Prozent der nicht-gestillten Kinder der Fall war (p = 0,002). Die Autorinnen und Autoren halten häufiges nächtliches Stillen für eine mögliche Erklärung.
In Bezug auf die Nährstoffaufnahme zeigten sich zwischen den Gruppen der Kinder mit und ohne Karies signifikante Unterschiede bei der Zufuhr von Energie (p = 0,039), Fett (p = 0,022), Vitamin D (p = 0,029) und Calcium (p = 0,021). Die durchschnittliche Energie- und Fettaufnahme war in der Karies-Gruppe etwas höher als in der kariesfreien Gruppe, während die Zufuhr an Vitamin D und Calcium niedriger war. Die Aufnahme anderer wichtiger Nährstoffe wie Gesamtzucker, Ballaststoffe, Protein sowie weiterer Vitamine und Mineralstoffe zeigte keine signifikanten Unterschiede. In beiden Gruppen lag der mittlere Body-Mass-Index bei 16,1.
Wendepunkt liegt bei einer Aufnahme von 1.000 Milligramm Calcium pro Tag
Kinder mit Karies nahmen mit 838 Milligramm im Durchschnitt weniger Calcium zu sich als Kinder ohne Karies, die eine Zufuhr von durchschnittlich 893 Milligramm pro Tag hatten. Es fand sich eine signifikante nichtlineare Beziehung zwischen der täglichen Calciumaufnahme und dem Kariesrisiko. Ein Wendepunkt schien bei einer Aufnahme von 1.000 Milligramm pro Tag zu liegen: Das Kariesrisiko von Kindern, die weniger aufnahmen, sank bei einer Steigerung der Zufuhr deutlich. Bei einer Zufuhr über 1.000 Milligramm täglich gab es jedoch keinen nennenswerten weiteren Rückgang mehr.
„Diese Studie zeigt eine enge Verbindung zwischen ECC und Ernährung, Ernährungsmustern und dem oralen Mikrobiom“, schreiben die Forschenden in ihrem Fazit. „Es wurde festgestellt, dass eine Calciumaufnahme von 1.000 mg/Tag das Risiko von ECC erheblich senken kann, indem sie das orale mikrobielle Gleichgewicht reguliert“, zum Beispiel die Bildung von S. mutans-Biofilmen hemmt. Fettreiche Diäten förderten hingegen die Vermehrung kariogener Mikroorganismen wie Bacteroidota und erhöhten so das Krankheitsrisiko.
Diese Ergebnisse bilden nach Ansicht der Autoren die Grundlage für die Entwicklung von Präventionsstrategien auf Basis der Mikrobiomregulation. „Es wird empfohlen, auf das orale mikroökologische Gleichgewicht zu achten und die Ernährungsgewohnheiten zu optimieren, während eine ausreichende Calciumzufuhr gewährleistet ist.“ Zukünftige Studien müssten die Wechselwirkungsmechanismen zwischen Ernährung, Mikroorganismen und Karies weiter untersuchen.
Ren, L.-S. et al. (2026). The relationship between nutrition, diet, and early childhood caries: A cross-sectional study using 2009 to 2014 NHANES data. Medicine, 105(23), e49124. https://doi.org/10.1097/MD.0000000000049124



