Grading spielt für Verlustprognose größere Rolle als das Stadium
Es ist bereits lange bekannt, dass Patienten, die nach parodontitisbedingtem Zahnverlust Implantate erhalten, ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie unzureichende Osseointegration, periimplantäre Erkrankungen und letztendlich Implantatverlust haben. Mehrere potenzielle Risikofaktoren für den Implantatverlust wie Rauchen und Diabetes mellitus sind ebenfalls als Risikofaktoren für die Parodontitis bekannt und werden in der Parodontitisdiagnostik für die Klassifikation der Erkrankung verwendet. Bislang haben nur wenige Studien die Rolle von Erkrankungsstadium und Schweregrad für das Langzeitüberleben von Implantaten untersucht.
Eine aktuelle Studie aus Münster hat das jetzt retrospektiv für eine Patientenkohorte von 362 Patienten analysiert, denen im Zeitraum von 2005 bis 2022 an der Universitätsklinik Münster insgesamt 1.106 Implantate eingesetzt wurden. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 63,46 ± 9,62 Jahren (Altersspanne: 33–90 Jahre). Innerhalb der Kohorte litten 10,5 Prozent an Diabetes mellitus, und 11,6 Prozent gaben an, aktuell oder ehemals geraucht zu haben.
Bis zu 19 Jahre Nachbeobachtung
Die mediane Beobachtungszeit pro Patient, von der ersten Implantatinsertion bis zum letzten dokumentierten Besuch, betrug 92,0 Monate (Spanne: 3,5 bis 236,4 Monate). Vor der Implantation erhielten alle Patienten eine umfassende Parodontaltherapie, einschließlich einer antiinfektiösen Behandlung und, falls indiziert, chirurgischer Parodontalmaßnahmen. Anschließend erfolgte eine unterstützende Parodontalbehandlung, in deren Rahmen die Implantate eingesetzt wurden. Der endgültige Behandlungsverlauf hing jedoch von der Mitarbeit und Therapietreue der Patienten sowie von äußeren Gegebenheiten ab.
Die Belastung der Implantate erfolgte nach einer Einheilungszeit von drei bis sechs Monaten gemäß einem Standardbelastungsprotokoll. Datum der Erstuntersuchung, Zeitpunkt der Implantatinsertion, Alter der Patienten, Implantatposition und Zeitpunkt des Implantatverlusts wurden den Patientenakten entnommen. Falls kein Implantatverlust auftrat, wurde der Zeitpunkt der letzten Untersuchung dokumentiert.
Grad der Parodontitis korreliert mit Implantatverlust
Insgesamt fielen 85 Implantate (7,69 Prozent) aus, wobei fast die Hälfte dieser Verluste innerhalb der ersten sechs Monate auftrat (fehlende Osseointegration). Die kumulativen Überlebensraten betrugen 95,8 Prozent nach fünf Jahren, 91,1 Prozent nach zehn Jahren und 82,6 Prozent nach 15 Jahren. Der Grad der Parodontitis, nicht jedoch das Stadium, korrelierte signifikant mit dem Implantatverlust. Patienten der Grade C hatten zu jedem Zeitpunkt der Nachbeobachtung ein höheres Risiko für Implantatverlust als Patienten der Grade A oder B.
Zur Erklärung der Ergebnisse verweisen die Studienautoren auf die zweidimensionale Matrix aus Stadium und Grad der aktuellen Klassifikation der Parodontitis: „Die Graduierung spiegelt die Wirtsreaktion und systemische Einflüsse wider und berücksichtigt wichtige Risikofaktoren wie Diabetes und Rauchen, wobei letzteres ein etablierter Risikofaktor für periimplantäre Erkrankungen und Implantatversagen ist […] Die Stadieneinteilung beschreibt das Ausmaß der parodontalen Gewebezerstörung und der bereits durch die Parodontitis entstandenen strukturellen Schäden.“ Im Gegensatz zur Stadieneinteilung blieben die Merkmale der Graduierung auch nach erfolgreicher Parodontaltherapie unverändert. Dies erkläre möglicherweise, „warum die Stadieneinteilung allein die Implantatüberlebensrate nicht zuverlässig vorhersagen kann“.
Kashta A, Baumeister SE, Ehmke B, Reckelkamm SL. Long-Term Implant Survival in Periodontitis. Clin Oral Implants Res. 2026 May;37(5):623-629. doi: 10.1111/clr.70105. Epub 2026 Feb 15. PMID: 41691517; PMCID: PMC13155307.



