Was planen die Parteien für Zahnärztinnen und Zahnärzte?
Am 20. September entscheiden die Wählerinnen und Wähler in Mecklenburg-Vorpommern, wer künftig in Schwerin regiert. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), die aktuell eine rot-rote Koalition führt, kämpft um ihr Amt. Anlässlich der Wahl wollten die zm von den sechs bislang im Landtag vertretenen Parteien wissen, welche Positionen sie bei Themen vertreten, die Zahnärztinnen und Zahnärzte betreffen.
Im Folgenden geben wir die Antworten der Parteien auf sechs Fragen wieder. Die Reihenfolge orientiert sich dabei an der bisherigen Fraktionsstärke der Parteien im Landtag. Es antworteten die gesundheitspolitischen Sprecher Christine Klingohr (SPD), Thomas de Jesus Fernandes (AfD), Katy Hoffmeister (CDU), Torsten Koplin (Die Linke) und Dr. Harald Terpe (Bündnis 90/Die Grünen). Gefragt waren kurze Antworten. Keine Rückmeldung erhielten wir von der FDP.
Die Bundesregierung will ab 2027 eine Steuer auf zuckergesüßte Getränke einführen. Was halten Sie davon?
Christine Klingohr (SPD): Bereits 2023 haben wir im Landtag beschlossen, uns auf Bundesebene dafür einzusetzen. Ziel ist kein Verbot, sondern ein Anreiz für Hersteller, Zucker- und Süßstoffgehalte zu reduzieren und Kinder zu schützen.
Thomas de Jesus Fernandes (AfD): Eine zusätzliche Steuer auf zuckergesüßte Getränke sehen wir kritisch. Sinnvoller sind aus unserer Sicht Aufklärung, Ernährungsbildung, Sportförderung und Schulzahnmedizin. Prävention soll Menschen erreichen, ohne den Bürger zu bevormunden und den Mittelstand zusätzlich zu belasten.
Katy Hoffmeister (CDU): Wir respektieren den Beschluss des Bundesparteitags, der eine solche Steuer im Februar mehrheitlich abgelehnt hat. Aus gesundheitspolitischer Sicht begrüßen wir hingegen die Pläne der Bundesregierung. Entscheidend ist die Umsetzung: Der Zuckergehalt muss deutlich sinken, und die Mehreinnahmen sollten vollständig und zweckgebunden für Prävention sowie Ernährungs- und Bewegungsförderung eingesetzt werden.
Torsten Koplin (Die Linke): Den Zuckergehalt von Lebensmitteln zu reduzieren, ist eine gute Sache. Es über eine Steuer bewirken zu wollen, ist jedoch untauglich. Steuern sind bekanntlich nicht an einen Ausgabezweck gebunden und fließen in den „großen Topf“. Abgesehen davon besteht die Gefahr sozialer Ungerechtigkeit. Verbrauchsteuern treffen geringe Einkünfte härter als hohe. Zielführend wäre die Erhebung von Abgaben für diejenigen, die ihre Rezeptur nicht anpassen. Weiterhin sind Werbeeinschränkungen auf ungesunde Lebensmittel vorzunehmen.
Dr. Harald Terpe (Bündnis 90/Die Grünen): Wir begrüßen eine Abgabe auf stark zuckerhaltige Getränke. Eine nach Zuckergehalt gestaffelte Herstellerabgabe schafft Anreize, den Zuckergehalt zu reduzieren. Die Einnahmen sollten gezielt für Prävention, Ernährungsbildung sowie Kinder- und Zahngesundheit eingesetzt werden.
Viele Zahnarztpraxen leiden unter überbordender Bürokratie. Wie wollen Sie die Praxen davon entlasten?
Klingohr (SPD): Wir wollen Doppel- und Mehrfachdokumentationen abbauen, Prüf- und Nachweispflichten risikoorientierter gestalten und digital vorhandene Daten nicht erneut in Papierform verlangen.
de Jesus Fernandes (AfD): Praxen brauchen weniger Dokumentations-, Prüf- und Nachweispflichten, weniger Regressrisiken und Digitalisierung, die Arbeit spart, statt neue Bürokratie schafft. Neue Vorgaben müssen einen Praxis-Check bestehen.
Hoffmeister (CDU): Wir wollen Berichts-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten überprüfen und unnötige Vorgaben abbauen. Verfahren mit dem Land wollen wir konsequent digitalisieren und vereinfachen. Neue Regelungen müssen zudem auf ihre bürokratischen Belastungen für die Praxen geprüft werden.
Koplin (Die Linke): Mit dem ersten Bürokratieentlastungsgesetz in Mecklenburg-Vorpommern haben wir jüngst einen Meilenstein gesetzt. Hinsichtlich der weiteren Entbürokratisierung spreche ich mich für die Einrichtung einer maximal einjährig arbeitenden Enquetekommission aus, an der auch die Zahnmedizin beteiligt ist, um wirklich die Punkte anzugehen, die unter anderem für ihre Profession erforderlich ist.
Terpe (Bündnis 90/Die Grünen): Zahnärztinnen und Zahnärzte sollen mehr Zeit für Patientinnen und Patienten haben. Wir wollen Dokumentations- und Nachweispflichten auf ihre Notwendigkeit prüfen, digitale Verfahren vereinheitlichen und Mehrfachmeldungen vermeiden. Qualitäts- und Patientenschutzstandards bleiben dabei gewahrt.
Wie wollen Sie dem Personalmangel in Zahnarztpraxen entgegenwirken?
Klingohr (SPD): Wir setzen bei Nachwuchs, Fachkräftebindung und Praxisentlastung an. Seit 2026 umfasst die Landarztquote auch Zahnmedizin. Zudem wollen wir die ZFA-Ausbildung attraktiver machen, Berufsschulen sichern, Fortbildung und Umschulung stärken sowie Niederlassungen und Praxisübernahmen im ländlichen Raum fördern.
de Jesus Fernandes (AfD): Wir setzen auf mehr Ausbildung und Bindung von ZFA, bessere Bedingungen für Praxisgründungen und -übernahmen, Entlastung der Teams von Bürokratie und Nachwuchsgewinnung für ländliche Praxen.
Hoffmeister (CDU): Wir wollen prüfen, ob die Zahl der Zahnmedizinstudienplätze erhöht werden kann. Zusätzliche Kapazitäten wollen wir durch ein Stipendienprogramm im EU-Ausland schaffen, verbunden mit einer Rückkehr und Niederlassung in unterversorgten Gebieten. Zugleich wollen wir die Landzahnarztquote perspektivisch erhöhen und uns für ein neugestaltetes Landarztstipendium einsetzen, das auch die Zahnmedizin umfasst. So wollen wir Nachwuchs für Mecklenburg-Vorpommern gewinnen und die Versorgung im ländlichen Raum sichern.
Koplin (Die Linke): Durch zielgerichtete Werbung für den Studien- und Arbeitsort Mecklenburg-Vorpommern und eine Weiterentwicklung der Rahmenbedingungen, hierzulande tätig werden zu wollen.
Terpe (Bündnis 90/Die Grünen): Wir wollen Ausbildung und Bindung von Zahnmedizinischen Fachangestellten stärken durch attraktive Ausbildung, moderne Berufsschulen, Fort- und Weiterbildung sowie bessere berufliche Perspektiven. Weniger Bürokratie, Digitalisierung und familienfreundliche Arbeitsbedingungen sollen zusätzlich entlasten.
Was halten Sie vom Einsatz von Fachkräften aus dem Ausland?
Klingohr (SPD): Zuwanderung ist für die Gesundheitsversorgung notwendig. Wir wollen Anerkennungsverfahren beschleunigen, Integration verbessern und zugleich Ausbildung, Weiterbildung, Digitalisierung und eine bessere Aufgabenverteilung stärken.
de Jesus Fernandes (AfD): Fachkräfte aus dem Ausland können helfen, wenn Qualifikation, Gleichwertigkeit, Fachsprache und Patientensicherheit zweifelsfrei gesichert sind. Sie sind aber kein Ersatz für eigene Ausbildung, bessere Arbeitsbedingungen und Nachwuchsbindung.
Hoffmeister (CDU): Fachkräfte aus dem Ausland sind ein wichtiger Baustein, um bestehende Lücken zu schließen. Deshalb wollen wir die Anerkennung ausländischer Abschlüsse beschleunigen und vereinfachen. Sprachkenntnisse und fachliche Qualifikation müssen den Anforderungen entsprechen. Unser Ziel ist, qualifizierte Fachkräfte für Mecklenburg-Vorpommern zu gewinnen und dauerhaft zu halten.
Koplin (Die Linke): Viel. Ohne sie kann allein aus demographischen Gründen die Versorgung langfristig nicht sichergestellt werden.
Terpe (Bündnis 90/Die Grünen): Internationale Fachkräfte sind ein wichtiger Baustein für die Versorgung und in Mecklenburg-Vorpommern willkommen. Anerkennungsverfahren müssen schneller, transparenter und digitaler werden und durch Sprach- und Integrationsangebote ergänzt werden. Faire Arbeitsbedingungen und einheitliche fachliche Standards sind dabei unverzichtbar.
Ist eine stärkere Regulierung investorengetragener Medizinischer Versorgungszentren (iMVZ) geplant?
Klingohr (SPD): Wir wollen gemeinwohlorientierte und kommunale Medizinische Versorgungszentren stärken, im ländlichen Raum. Gesundheit darf nicht zum Renditeobjekt werden. Wo privatwirtschaftliche Interessen zulasten von Versicherten, Patienten oder Beschäftigten gehen, braucht es klare Grenzen.
de Jesus Fernandes (AfD): Medizinische Entscheidungen dürfen nicht Renditezielen fachfremder Investoren untergeordnet werden. Wir wollen Transparenz über Eigentümerstrukturen, Schutz freiberuflicher Praxen und Regeln gegen Verdrängung bestehender Versorgung.
Hoffmeister (CDU): Wir verweisen auf den Koalitionsvertrag auf Bundesebene. Dort ist ein iMVZ-Regulierungsgesetz vereinbart, das Transparenz über die Eigentümerstrukturen und die systemgerechte Verwendung der Beitragsmittel sicherstellen soll. Im Übrigen bekennen wir uns zur Trägervielfalt.
Koplin (Die Linke): Sie ist zumindest dringend geboten. Medizinische Versorgung soll den Menschen dienen und nicht dem Profitbegehren von Geldrittern.
Terpe (Bündnis 90/Die Grünen): Wir wollen investorengetragene MVZ stärker regulieren, wenn Renditeinteressen medizinische Entscheidungen beeinflussen können. Notwendig sind Transparenz bei Eigentums- und Beteiligungsstrukturen, die Sicherung medizinischer Unabhängigkeit und Regeln gegen übermäßige Konzentration. Kommunale und ärztlich getragene MVZ wollen wir zugleich stärken.
Wie wollen Sie die zahnärztliche Versorgung in ländlichen Gebieten stärken? Was halten Sie insbesondere von der Landzahnarztquote?
Klingohr (SPD): Die ausgeweitete Landarztquote einschließlich Zahnmedizin ist ein wichtiger Baustein, um Nachwuchs für unterversorgte Regionen zu gewinnen. Entscheidend bleibt aber weiterhin, junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern zu halten und Niederlassungen auf dem Land attraktiver zu machen.
de Jesus Fernandes (AfD): Wir befürworten die Landzahnarztquote ausdrücklich. Sie war bereits Gegenstand unserer Initiativen. Zusätzlich braucht es Landeskinderbindung, Stipendien/Darlehen mit Erlass bei Tätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern, frühe Praxiskontakte, Praxisübernahmeförderung und bessere Infrastruktur.
Hoffmeister (CDU): Die CDU hat die Ausweitung des Landarztgesetzes auf die Zahnmedizin einschließlich höherer Quoten seit Beginn der Wahlperiode mehrfach im Landtag gefordert. Für uns ist die Landzahnarztquote eine zentrale Maßnahme zur Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum. Darüber hinaus wollen wir uns auf Bundesebene für eine Entbudgetierung von Zahnärzten in unterversorgten ländlichen Gebieten einsetzen. Wer dort zusätzliche Leistungen anbietet, soll dafür Anreize erhalten.
Koplin (Die Linke): Durch gezielte Versorgungsplanung. Die Erweiterung der vormaligen Landarztquote auf die Zahnärzte haben wir als Linke mit initiiert und im Landtag Mecklenburg-Vorpommern beschlossen.
Terpe (Bündnis 90/Die Grünen): Die Landzahnarztquote in Mecklenburg-Vorpommern begrüßen wir als einen Baustein zur Sicherung der Versorgung im ländlichen Raum. Eine Quote allein reicht aber nicht. Zusätzlich brauchen wir bessere Bedingungen für Niederlassungen und Praxisübernahmen, weniger Bürokratie und gezielte Anreize, um auch Rückkehrerinnen und Rückkehrer für Mecklenburg-Vorpommern zu gewinnen.
Die Fragen stellte Anne Orth.








