Magdeburger Zahnärzte starten selbstentwickelte Notdienst-Webseite
Bis vor wenigen Jahren noch galt die sachsen-anhaltinische Landeshauptstadt noch als vergleichsweise gut versorgt – in einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Doctolib aus dem Jahr 2021 war Magdeburg die Stadt mit der bezogen auf die Einwohnerzahl höchsten Zahnarztdichte in Ostdeutschland.
Heute ist die Versorgungssituation durch die demografische Situation sehr angespannt: Ein großer Teil der aktiven Magdeburger Zahnmediziner steht vor dem Ruhestand. Da nicht genügend junge Zahnärzte nachrücken oder Praxen übernehmen, wächst die Versorgungslücke immer weiter. Die Konsequenz: Viele etablierte Praxen können keine neuen Patienten mehr aufnehmen.
Patienten weichen in den Notdienst aus
„Wer in Magdeburg seinen Hauszahnarzt verliert oder neu zuzieht, findet oft keinen neuen mehr. Was als Ausnahme begann, ist zum strukturellen Muster geworden: Patientinnen und Patienten ohne Hauszahnarzt weichen in den Notdienst aus. Und weil der Notdienst nur erstversorgt, weil die definitive Behandlung systembedingt dem Hauszahnarzt zugedacht ist, beginnt ein Kreislauf aus Provisorium und Wiedervorstellung im nächsten Dienst. Der Patient bleibt zwangsläufig im Notdienstpool.“, sagt Dr. Lisa Hezel, niedergelassene Zahnärztin in Magdeburg.
Sie ergriff dehalb gemeinsam mit den Kolleginnen Andrea Duckstein und Astrid Raedler aus der Magdeburger Kreisstelle der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt die Initiative und entwickelte das Konzept für einen flexibel organisierten Notdienst, der die vorhandenen Ressourcen in den Praxen besser ausschöpft und Praxisinhabern Freiraum für Notdienstangebote bietet.
Die App bringt Bedarf und Angebot zusammen
Die neue Notdienstorganisation basiert auf der selbstentwickelten Webseite „zahnschmerzportal.de“, auf die von der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt verlinkt wird. Patienten können hier die aktuellen Notdienst-Praxen sehen und zusätzlich auch Termine buchen, die Praxen infolge kurzfristig erfolgter Terminabsagen anderer Patienten einstellen können. Dabei vergibt das Portal selbst keine Termine und verarbeitet auch keine Patientendaten.
Möchte der Patient einen Termin wahrnehmen, ruft er bei der Praxis an und vereinbart ihn entsprechend. Die Praxis kann den Termin über ihren Teamzugang dann mit wenigen Klicks sofort aus dem Portal löschen. So bleibt die Kontrolle bei den Praxen, Datenverwaltung und Einstellungen bleiben dem Zahnarzt vorbehalten.
Das System bietet Vorteile für alle Beteiligten: „Patienten ohne Hauszahnarzt werden definitiv statt provisorisch behandelt, teilweise mit Leistungen, die im Notdienst undenkbar wären. In den Praxen werden kurze Zeitfenster genutzt, statt zu verfallen. Jeder tagsüber vermittelte Patient ist abends einer weniger im Notdienst, und der Notdienst kann wieder Notdienst sein“, sagt Hezel.
Die Dienste werden transparent und gerecht verteilt
Ergänzt wird das Portal durch einen internen Bereich für die rund 170 Magdeburger Zahnärztinnen und Zahnärzte (zahnarztnotdienstportal.de). Hier läuft die gesamte Notdienstverwaltung digital: Die Dienste werden nach einem für alle einsehbaren Punktesystem transparent und gerecht verteilt, Abwesenheiten lassen sich hinterlegen, Tauschanfragen gehen mit automatischer Benachrichtigung an die Kollegenschaft und innerhalb der Kernzeiten können die Praxen den Beginn ihrer Notdienstsprechstunde flexibel festlegen.
Dazu kommen Kollegenprofile, ein direkter Nachrichtenkanal und eine Pinnwand für Aktuelles.


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