Sie wurden erfolgreich abgemeldet!

In-vitro-Studie zur Genauigkeit digitaler versus konventioneller Abformsysteme

Wie gut erfassen Intraoralscanner Zahnzwischenräume?

[Klaus et al., 2026]
br
Zahnmedizin
  •  
Ein Team aus Gießen verglich die Genauigkeit der Daten von Intraoralscannern mit der analogen Abformung und untersuchte den Einfluss der Abformqualität auf die automatisierte Zahnsegmentierung in CAD-Software.

Die präzise Erfassung der interdentalen Areale durch Abformung mit konventionellen Abformmaterialien kann besonders bei älteren Patienten mit parodontalem Attachmentverlust eine Herausforderung sein. Wenn nach dem Aushärten Abformmaterial in „schwarzen Dreiecken“ verbleibt, es zu Rissen oder Verformungen bei der Entnahme kommt, scheitert die präzise Erfassung dieser Areale.

Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Justus-Liebig-Universität Gießen hat untersucht, ob Intraoralscanner bei der Erfassung der interdentalen Areale bessere Ergebnisse ermöglichen.

Material und Methode

Die jetzt im Fachjournal Clinical Oral Investigations publizierte In-vitro-Studie wurde zwischen März und Oktober 2024 an der Abteilung für Prothetik und der Abteilung für Kieferorthopädie der Justus-Liebig-Universität Gießen durchgeführt. 

Zur Abformung wurde ein standardisiertes Testmodell verwendet, das Ober- und Unterkiefer eines bleibenden Gebisses mit fortgeschrittener Parodontitis darstellte. In diesem Modell fehlten die Zähne 12 und 46 (FDI-Klassifikation), wodurch eine zahnlose Lücke und elf verbleibende Alveolen pro Kiefer verblieben (Abb. 2 ). Beide Kiefer wurden jeweils 12-mal konventionell mit Polyvinylsiloxan abgeformt und ebenfalls jeweils 12-mal mit fünf intraoralen Scannern gescannt:

  • Dexis IS 3800 W wireless ('3800-wl', EH Germany, Herzogenrath, Germany; Version 1.0.9.832)

  • Medit i700w wireless ('i700-wl', Medit, Seoul, Südkorea; Version 3.2.1)

  • Primescan AC verdrahtet ('PRI1-w', Dentsply Sirona, Bensheim, Deutschland; Version 5.2.8).

  • Primescan 2 drahtlos und cloudbasiert ('PRI2-wl', Dentsply Sirona; Version 1.1.1)

  • Trios 5 wireless ('TRI5-wl', 3Shape, Kopenhagen, Dänemark; Version 22.1.1)

Analysiert wurden die Rohscandaten, digital montierte Modelle nach der Scan-Reparatur sowie digitale Modelle nach der Zahnsegmentierung in der Software OnyxCeph. Die Reproduktionsgenauigkeit der IA und die Segmentierungsqualität wurden statistisch mittels Median-Test und Chi-Quadrat-Test verglichen (p < 0,05).

Ergebnisse

In allen Phasen der Datenverarbeitung erfassten die digitalen Abformsysteme die intradentalen Areale signifikant genauer als die konventionellen Abformungen. Unter den Intraoralscannern erreichte der Primescan 2 eine korrekte Reproduktion von > 80 Prozent, während der Dexis IS 3800 W und der Trios 5 bis zu 20 Prozent darunter lagen.

Die Scan-Reparatur verbesserte die Erfassung bei einigen Scannern geringfügig, während die konventionelle Abformung keine Veränderung zeigte. Segmentierungsfehler traten gehäuft bei Zähnen mit ausgeprägtem Zahnfleischrückgang auf; gesundes Zahnfleisch führte zu einer höheren Genauigkeit.

Diskussion

Die Forschenden weisen auf einige Einschränkungen der Studie hin. So lassen sich die Ergebnisse aus dem In-vitro-Modell durch das Fehlen von Speichel, Patientenbewegungen und die durch Zunge, Lippen oder Wangen erzeugten Kräfte nicht ohne weiteres auf die In-vivo-Situation übertragen.

Die Studienergebnisse könnten deshalb die Fähigkeit der Intraoralscanner bei der Darstellung intradentaler Areale „überschätzen“, schreiben die Autoren. Darüber hinaus sollten die „Ergebnisse hinsichtlich der Gesamtgenauigkeit der Abformung in Bezug auf Richtigkeit und Präzision mit Vorsicht interpretiert werden, da kein Referenzdatensatz des A-PB-Frasaco-Modells erhoben wurde“.

Und weiter: „Im Rahmen dieser In-vitro-Studie erwies sich die IOS-Technologie bei der Reproduktion von IA in PCDs als überlegen gegenüber konventionellen Abformungen. Die Genauigkeit variiert je nach IOS-Technologie und hängt von der Qualität der Rohscans ab. Die automatische Segmentierung ist bei Zähnen mit gesundem Zahnfleisch zuverlässig, stößt jedoch bei parodontalen Defekten an ihre Grenzen.“

Mit Blick auf die vorhandene Literatur stellen die Autoren fest, dass „die Daten zur Leistungsfähigkeit digitaler Abformungen (IOS) bei teilbezahnten Kiefern weiterhin begrenzt“ sind. Eine 2025 publizierte Studie von Alaghbari et al. berichtete von überlegenen Ergebnisse für digitale Abformungen, vergleichbar denen in der vorliegenden Studie.

Klaus, K., Hardt, L.V., Wöstmann, B. et al. Capturing of interdental areas with digital and conventional impression systems and their impact on automatic tooth segmentation in CAD software: an in vitro study. Clin Oral Invest 30, 375 (2026). https://doi.org/10.1007/s00784-026-07069-2

Melden Sie sich hier zum zm Online-Newsletter an

Die aktuellen Nachrichten direkt in Ihren Posteingang

zm Online-Newsletter


Sie interessieren sich für einen unserer anderen Newsletter?
Hier geht zu den Anmeldungen zm starter-Newsletter und zm Heft-Newsletter.

Zum Seitenanfang springen