Studie zum "Immun-Escape"

Antikörper wirken nicht bei jeder Virusvariante

LL
Gesellschaft
Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) hat auch 200.000 Dosen zweier Medikamente auf Antikörper-Basis gekauft. Doch Forscher haben jetzt entdeckt: Bei bestimmten SARS-CoV-2-Mutationen sind Antikörper wirkungslos.

Welche Mutationen für Antikörper unwirksam sind, können US-Forscher aus Seattle anhand einer kürzlich entwickelten Methode erkennen. Insgesamt wurden über 2.000 Mutationen untersucht, die zur Bindung an den ACE-Rezeptor fähig sind. Einige wie die in Südafrika entdeckte B.1.351-Mutation haben auch die Fähigkeit zum "Immun-Escape". Sie wurden mit den bislang bekannten sequenzierten SARS-CoV-2-Genomen einer Datenbank verglichen.

Bei meheren Virusvarianten schlug das Antikörper-Mittel nicht an

Für die Untersuchung wurde die Wirksamkeit des Präparats "Casirivimab/Imdevima", das in den USA seit November zugelassen wird, bei den Mutationen bestimmt. Dabei stellten die Wissenschaftler mehrere Virusvarianten fest, bei denen das Antikörper-Mittel nicht anschlug. Einige davon blieben auch bei dem zweiten Präparat von Lilly ohne Wirkung. 

Hervorgehoben wurde im Untersuchungsteil der Fall eines chronisch erkrankten Mannes, der über einen langen Zeitraum mit SARS-CoV-2 infiziert war. Die beiden Antikörper-Medikamante erwiesen sich gegenüber den festgestellten Varianten als unwirksam: Während der langen Erkrankungszeit hatten sich bereits vier Escape-Mutationen ausgebildet. Der Mann verstarb an seiner COVID-19-Infektion.

Starr, T. N. et al: "Prospective mapping of viral mutations that escape antibodies used to treat COVID-19" published in Science on 25 Jan. 2021DOI: 10.1126/science.abf9302Hintergrund

Bamlanivimab" des US-Herstellers Eli Lilly und "Casirivimab/Imdevimab" des US-Pharmaunternehmens Regeneron sollen ab der kommenden Woche in Deutschland zur Behandlung von Risikopatienten eingesetzt werden, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) gegenüber der Bild am Sonntag (BamS). Deutschland ist damit das erste Land der EU, in dem diese Therapeutika zum Einsatz kommen. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) als zuständige Bundesbehörde stimmte einer Anwendung nach individueller Risiko-Nutzen-Bewertung und dem vorliegenden Sicherheitsprofil zu.

Die Gesamtsumme für die monoklonalen antikörperhaltigen Arzneimittel beläuft sich dabei auf 4 Millionen Euro. Umgerechnet kostet eine Dosis also 2.000 Euro. Dabei wirkt eine Antikörper-Therapie nicht bei jeder Variante von SARS-CoV-2. Manche Mutationen haben die Fähigkeit sich den Antikörpern an der Rezeptorbindungsstelle der Spike-Proteine zu entziehen. Es kommt zum sogenannten "Immun-Escape". 

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