BZÄK-Konferenz der im Inland tätigen Hilfsorganisationen

Corona hat die Situation noch verschärft

Am 18. September lud die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) zur alle zwei Jahre stattfindenden Konferenz der im Inland tätigen Hilfsorganisationen, für die dieses Mal die externen Referenten online zugeschaltet wurden. Dass die Veranstaltung stattfand, wertet die BZÄK als wichtiges Signal.

„Wir sind sehr froh, dass viele Kolleginnen und Kollegen nach wie vor aktiv sind – auch unter diesen schwierigen Bedingungen“, betonte BZÄK-Vizepräsident Prof. Dietmar Oesterreich. Das zeige: „Der Berufstand ist weiterhin da.“ zm_LL

Gerade jetzt kommt es der BZÄK zufolge auf die Hilfe der Zahnärzteschaft an, denn die Coronavirus-Pandemie habe die Situation der hilfsbedürftigen Menschen am Rand der Gesellschaft hierzulande dramatisch verschärft.

Konferenz im Inland tätiger Hilfsorganisationen - Online-Veranstaltung

Freitag, 18. September 2020

11:00 Uhr Eröffnung und Begrüßung: Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, und Dr. Karsten Heegewaldt, Präsident der Zahnärztekammer Berlin,Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Soziale Aufgaben/Hilfsorganisationen

11:10 Uhr Grußwort: Dr. Peter Bartmann, Leiter Zentrum Gesundheit, Rehabilitation und Pflege, Diakonie Deutschland/Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V.

11:20 Uhr Grußwort und Vortrag: Gyde Jensen, MdB, Menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion und Vorsitzende des Ausschusses Menschenrechte und Humanitäre Hilfe im Bundestag

11:40 Uhr Impulsvortrag "Soziale Kohäsion und Gesundheit ‐ Beiträge der Sozialen Arbeit": Prof. Dr. Stephan Dettmers, 1.Vorsitzender Deutsche Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V.

12:10 Uhr Vortrag Interkulturelles Gesundheitsprojekt: Mit Migranten für Migranten (MiMi) Ramazan Salman, Geschäftsführer Ethno-Medizinisches Zentrum e.V., Hannover

12:40 Uhr Resümee und Dank: Dr. Karsten Heegewaldt Präsident der Zahnärztekammer Berlin, Vorstandsreferent der Bundeszahnärztekammer für Soziale Aufgaben/Hilfsorganisationen

"Es geht um Menschen, die in Notlagen sind und die aufgrund verschiedener Lebensumstände nicht ins Raster der Gesellschaft passen - Obdachlose, Geflüchtete ohne Aufenthaltsstatus oder Menschen ohne Krankenversicherung", sagte Dr. Karsten Heegewaldt, Präsident der Berliner Zahnärztekammer und Vorstandsreferent der BZÄK für soziale Aufgaben und Hilfsorganisationen, der die Konferenz eröffnete. 

Den Menschen zur Seite zu stehen, die keine Stimme haben

"Viele trauen sich auf normalem Weg nicht in die Praxis", führte Heegewaldt aus. "Es braucht daher eine breitere Basis, gerade den Menschen zur Seite zu stehen, die keine Stimme und kein Sprachrohr haben. Sie fallen durchs System und werden übersehen." Ziel der Konferenz war daher auch, eine Plattform zu schaffen zum Austausch und Netzwerken trotz Corona-Zeiten.

„Die Praxen für Menschen ohne Krankenversicherung waren sechs Wochen lang geschlossen, da es keine Schutzausrüstung gab“, berichtete Heegewaldt. „Das war ein riesiges Problem, insbesondere weil auch noch die niederschwelligen Angebote weggefallen sind.“

Dennoch hätten Zahnmediziner versucht, ehrenamtlich Hilfe zu leisten - und seien in dieser Ausnahmesituation noch einmal über sich hinausgewachsen. Dass soziales Engagement interdisziplinär funktioniert, aus der Mitte kommt und langfristig angelegt sein sollte, wurde Heegewaldt zufolge sehr deutlich. Seine Bitte: „Nutzen Sie die sozialen Netzwerke der BZÄK!“ Heegewaldt verwies in dem Zusammenhang auf die bundesweit zahlreichen - insbesondere zahnärztlichen - Hilfsinitiativen in Deutschland, die Menschen in sehr schwierigen Lagen helfen.

Die Pandemiebedingungen sind wie ein Brennglas

„Die Pandemiebedingungen sind wie ein Brennglas“, schilderte BZÄK-Vizepräsident Prof. Dietmar Oesterreich die Situation. „Wir schauen zwar mit Stolz auf die Mundgesundheit der Gesamtbevölkerung, die deutlich besser geworden ist. Aber hier geht es ja um eine Bevölkerungsgruppe, die in den Untersuchungen überhaupt nicht erfasst wird.“

Mit der Veranstaltung wolle die BZÄK auch unterstreichen, dass die Versorgung weitergehen muss. „Wir sind sehr froh, dass viele Kolleginnen und Kollegen nach wie vor aktiv sind – auch unter diesen schwierigen Bedingungen“, betonte Oesterreich. Das zeige: „Der Berufstand ist weiterhin für diese Menschen da.“

Darüber hinaus müsse das Signal jedoch auch in die Gesellschaft gelangen. Zusätzlich seien gesetzliche Maßnahmen erforderlich, um dieser Bevölkerungsgruppe gesundheitliche Chancengleichheit zumindest auf einem Niveau zu ermöglichen, das für sie erreichbar ist. Oesterreich: „Es kann nicht sein, dass auf Dauer immer nur die akutesten Notfälle behandelt werden.“

Es darf nicht noch einmal zu einer Unterbrechung der Versorgung kommen

Wichtig sei, die Angebote möglichst niedrigschwellig zu gestalten: „Hemmungen und Scham dürfen die Patienten nicht von der Behandlung abhalten“, stellte Oesterreich klar. „Umgekehrt darf es nicht noch einmal wie zu Beginn der Coronavirus-Pandemie aufgrund mangelnder Hilfsmittel zu einer Unterbrechung der Versorgung kommen.“ Die BZÄK wolle daher auch die Zahnärzte bestärken, die bislang noch gezweifelt haben und sich fragen, wie sie sich engagieren können. „Es geht um die ethische Verpflichtung, nicht nur im konkreten Patientenfall in der Praxis - auch bei den Problemen in der Gesellschaft muss sich der Berufsstand platzieren“, verdeutlichte Oesterreich.

Dass sich die gesundheitliche Versorgung aus dem Grundgesetz ableitet, bekräftigte Gyde Jensen, Menschenrechtspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion und und Vorsitzende des Ausschusses Menschenrechte und Humanitäre Hilfe im Bundestag: „Gesundheitliche Versorgung ist ein Menschenrecht!“ Rund 61.000 Menschen ohne Krankenversicherungsschutz lebten in Deutschland, mit einer hohen Dunkelziffer. Es müsse daher mehr dafür getan werden, dass diese Zahl weiter sinkt.

Viele der Projekte stabilisieren sich wieder

Die geforderte soziale Distanzierung hält Dr. Peter Bartmann, Leiter des Zentrums Gesundheit, Rehabilitation und Pflege Diakonie Deutschland, für eine große Herausforderung. Die Helfer müssten sich bei ihrer Arbeit herantasten und viel Ausdauer beweisen. Gleichwohl sieht Bartmann Fortschritte: „Viele Projekte stabilisieren sich wieder. In der Akutlage gab es eine große Hilfsbereitschaft. Jetzt muss die Gesellschaft schauen, wie sie die Post-Corona-Phase überstehen kann.“

Zur Rolle des Kapitals

Die Rolle des ökonomischen und sozialen Kapitals veranschaulichte Prof. Dr. Stephan Dettmers, 1. Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Soziale Arbeit im Gesundheitswesen e.V. (DVSG): „Es gibt nicht nur ökonomisches Kapital – auch Freundschaften, Netzwerke und Nachbarschaft bilden ein Kapital. Arme Menschen haben meistens von beidem zu wenig. Indem man das Netzwerk von Menschen verbessert, verbessert man auch ihr soziales Kapital.“ Sein Vorschlag ist, dass Zahnärzte sich mehr in ihrem Kiez einbringen: „Mischt Euch ein, macht Projekte, auch mit Sozialwissenschaftlern.“

Eine mögliche Brücke: die ZFA

Einen Flickenteppich an Ansätzen und Lösungen für Migration und Integration in Deutschland machte Ramazan Salman, Geschäftsführer des Ethno-Medizinischen Zentrums Hannover, aus. Er plädierte für Evidenz-basierte Lösungen und nannte als Beispiele das Projekt "Muttersprachliche Oralprophylaxe Mentoren" (MOM) und das interkulturelle Gesundheitsprojekt "Mit Migranten für Migranten" (MiMi). Migranten müssten von der Bedeutung der Mundgesundheit überzeugt werden, doch fehle es hier an Anknüpfungspunkten in der Gesellschaft. Eine Brücke sind für ihn die ZFA, da in dem Beruf inzwischen überproportional mehr Personal mit Migrationshintergrund arbeite als in anderen Feldern.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

35311973501202350119935012003531198 3531199 3501201
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare