STADA-Gesundheitsreport 2017

Gesundheitswissen? Viele Teenies haben keine Ahnung!

36 Prozent denken, dass Antibiotika gegen Viren helfen; 25 Prozent glauben, es gäbe die Praxisgebühr noch und 5 Prozent meinen, dass eine Angina durch Sex übertragen wird: Gesundheitskompetenz? Eine neue Studie zeigt: Viele Jugendliche haben keine Ahnung!

Die Mehrheit der jungen Erwachsenen hat keine Gesundheitskompetenz. Zu dem Ergebnis kommt der aktuelle STADA-Gesundheitsreport 2017.

Im Zentrum stand die Frage, wie Gesundheitswissen vermittelt wird und wie gut die junge Generation informiert ist. Dazu wurden in einer repräsentativen Studie junge Frauen und Männer zwischen 18 und 24 Jahren zu ihrer Gesundheitsbildung befragt - auch in Bezug auf ihre Schulzeit.

Die Ergebnisse sind den Experten zufolge alarmierend: Bei insgesamt 49 Prozent ist die Gesundheitskompetenz "problematisch", bei 17 Prozent sogar "inadäquat" und nur bei 34 Prozent "ausreichend". 


"Generation Ahnungslos" in Gesundheitsfragen

Der STADA-Gesundheitsreport 2017 - die Ergebnisse

• Insgesamt 66 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland verfügen über eine problematische oder inadäquate Gesundheitskompetenz.

• Junge Erwachsene in Deutschland verfügen scheinbar tendenziell über eine geringere Gesundheitskompetenz als Gleichaltrige in anderen europäischen Ländern.

• Junge Frauen haben häufiger eine ausreichende Gesundheitskompetenz (37 Prozent) als Männer (32 Prozent).

• Junge Frauen halten sich prinzipiell für besser informiert in Gesundheitsfragen als Männer.

• Junge Frauen informieren sich öfter über Gesundheitsthemen als Männer.

• 76 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren wissen, dass häufiger Sonnenbrand das Hautkrebsrisiko vergrößert.

• Nur vier von zehn jungen Erwachsenen wissen, wie lange sie mit einer Erkältung ansteckend sind.

• Lediglich 62 Prozent der jungen Erwachsenen kennen die Bedeutung des Begriffs "Antibiotikaresistenz". 36 Prozent denken fälschlicherweise, Antibiotika würden gegen Viren helfen.

• 74 Prozent wissen nicht, dass ungeschützter Sex ein Risiko für Gebärmutterhalskrebs ist.

• Schlafmangel als Gesundheitsrisiko wird von 80 Prozent der Befragten unterschätzt.

• Knapp jeder Fünfte glaubt, dass Orthopäden auch für Organschäden die richtige Anlaufstelle sind.

• Die drei wesentlichen Finanzierungsquellen der Krankenkassen kennt nur jeder Siebte.

• Jeder Vierte kennt nicht den Unterschied zwischen stationären und ambulanten Behandlungen.

• 25 Prozent der 18- bis 24-Jährigen glauben, dass sich Hausärzte noch immer über die Praxisgebühr finanzieren.

• Bei 69 Prozent spielte das Thema "Gesundheit" in der Schule keine große Rolle.

• Bei Befragten mit ausreichender Gesundheitskompetenz spielte Gesundheit im Schulunterricht häufiger eine Rolle (36 Prozent) als bei denjenigen mit inadäquater Gesundheitskompetenz (25 Prozent).

• Nur 23 Prozent behaupten, in der Schule am meisten über Gesundheit gelernt zu haben.

• 80 Prozent wünschen sich ein Schulfach "Gesundheit".

• Zwei Drittel möchten in der Schule mehr über Prävention lernen.

• Beim Arztbesuch erwarten junge Erwachsene vor allem Soft-Skills und schnellen Service: 79 Prozent wünschen sich eine zeitlich angemessene Behandlung mit guten Erklärungen.


Die Defizite zeigen sich darin, dass sich die Teenies - zwei Drittel! - mühsamer im Gesundheitssystem zurechtfinden, Anweisungen von Ärzten nicht so gut verstehen und sich in der Folge schlechter um ihre eigene Gesundheit kümmern können. Um herauszufinden, wo die blinden Flecken besonders groß sind, wurde auch die Gesundheitskompetenz im Alltag abgefragt. Aber auch hier zeigten sich bedenkenswerte Irrtümer, wie die Grafiken zeigen.

In den EU-Ländern liegt der Anteil derjenigen mit inadäquater beziehungsweise problematischer Gesundheitskompetenz durchschnittlich bei 46,3 Prozent. Eine aktuelle und vergleichbare Studie in Österreich ergab in der Altersgruppe zwischen 15 und 29 Jahren einen Anteil von 44 Prozent. In der Bundesrepublik liegt er bei 59,5 Prozent - unter Berücksichtigung aller Altersgruppen. Damit schneidet Deutschland schlechter ab als der EU-Durchschnitt.

 


"Die Ergebnisse zur Gesundheitskompetenz decken sich mit den Erkenntnissen anderer Studien und Erhebungen. Vor allem in jungen Jahren setzen sich die Menschen nicht proaktiv mit Gesundheitsthemen auseinander, weil sie nicht krank sind. Umso wichtiger ist es, das Themenfeld durch aktive und spannende Vermittlung an die Generation heranzutragen. Die Studie zeigt, dass die Schule dazu ein geeigneter Ort sein kann. Schließlich hat Gesundheit bei den Befragten mit ausreichender Gesundheitskompetenz häufiger eine große Rolle in der Schule gespielt."

"Acht von zehn jungen Erwachsenen wünschen sich ein Schulfach Gesundheit. Das ist aus meiner Sicht ein gutes Ergebnis. Es bestätigt, dass nicht nur Wissenschaftler ein solches Fach als sinnvoll empfänden, sondern auch diejenigen, die es unmittelbar betrifft. Die Ergebnisse des STADA Gesundheitsreports 2017 zeigen, dass eine stärkere Integration von Gesundheitsthemen in den Schulalltag Früchte tragen kann."

"Viele junge Erwachsene informieren sich im Internet über Gesundheitsthemen. In der Schule muss es also auch darum gehen, den richtigen Umgang mit diesem Medium beizubringen. Die Schüler müssen bewerten können, welchen Informationen sie vertrauen können, und müssen lernen, das Wissen aus dem Internet zu verarbeiten. Das gilt insbesondere für Informationen zur Gesundheit. Man könnte Medienkompetenz wunderbar anhand von Gesundheitsthemen vermitteln."

Prof. Dr. Klaus Hurrelmann ist Sozialwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Jugend-, Bildungs- und Gesund-heitsforschung. Er wurde 1975 zum Professor an der Universität Essen ernannt, wechselte 1979 an die Universität Bielefeld und arbeitet seit 2009 als Senior Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance in Berlin. Hurrelmann leitete mehrere Kinder- und Jugendstudien und gehört dem Leitungsteam der World Vision Kinderstudien sowie der Shell Jugendstudien an. Aus seiner internationalen Arbeit ergaben sich Gastprofessuren an der New York University für Public Health und an der University of California in Los Angeles.

  • "Die Menschen müssen unbedingt mehr über Antibiotika wissen. Das Thema wurde zuletzt zwar häufig öffentlich diskutiert, offensichtlich aber nicht in den Medien, die von jungen Menschen konsumiert werden. Wir benötigen hier andere Formate, um über die Gefahren von sorgloser oder falscher Einnahme von Antibiotika zu informieren. Schließlich sind multiresistente Erreger schon heute eine echte Bedrohung. Und diese Bedrohung wird zunehmen, wenn wir weiterhin so sorglos mit Antibiotika umgehen."
  • "Einige Ärzte werden sich vielleicht denken: 'Je weniger die Patienten über ihre Finanzierung wissen, desto besser.' Ich sehe das aber anders. Ich bin sehr sicher, dass es nur hilfreich wäre, wenn sich die Patienten besser auskennen - in allen Bereichen, die die Gesundheit betreffen. Das gilt natürlich auch für das Gesundheitssystem. Ich kann nur dann richtig im Gesundheitssystem funktionieren, wenn ich es kenne."
  • "Fast jeder junge Erwachsene weiß, dass HIV durch ungeschützten Geschlechtsverkehr über-tragen werden kann. Daran sieht man, dass die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hier wirklich einen super Job gemacht hat. Sie hat mit großen Kampagnen dafür gesorgt, dass das Thema "AIDS" omnipräsent ist. Aber dabei darf man es nicht belassen. Auch die Aufklärung zu anderen Geschlechtskrankheiten muss besser werden, das zeigt die Studie für Syphilis und HPV."

Dr. med. Johannes Wimmer ist als Arzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf tätig. Ihm war schnell klar, dass er an die Öffentlichkeit wollte, um vor allem eines zu erreichen: die Verbesserung der Arzt-Patienten-Kommunikation. Im November 2015 veröffentlichte er sein erstes Buch "Fragen Sie Dr. Johannes", im April 2016 erschien das zweite Buch "Alles über die Haut". Wimmer hat eine eigene Sendung im NDR und hält Vorträge auf gesundheitspolitischen Kongressen und Tagungen


Nicht gut informiert sind besonders häufig die Männer. Von ihnen verfügen nur 32 Prozent über eine ausreichende Gesundheitskompetenz. Sie informieren sich oft nicht regelmäßig oder gar nicht über Gesundheitsthemen - und wenn, dann ist "Dr. Google" die erste Anlaufstelle. Gesundes Selbstbewusstsein findet man dagegen bei jungen Frauen: 50 Prozent von ihnen sagen, ihr Wissensstand sei gut bis sehr gut. Bei Männern trifft das nur auf 45 Prozent zu.

Warum halten Frauen sich fürkompetenter in puncto Gesundheit? Vermutlich, weil sie es sind. Insgesamt 55 Prozent der befragten Frauen informieren sich mindestens einmal pro Woche über das Thema, davon sogar acht Prozent täglich. Frauen wissen bei den meisten Themen demnach tatsächlich besser Bescheid. Aber auch ihnen fehlt häufig elementares Wissen.

Der STADA-Gesundheitsreport hat im Rahmen einer repräsentativen Online-Studie das Gesundheitswissen und die  Gesundheitskompetenz (»Health Literacy«) von deutschen Jugendlichen abgefragt. Befragt wurden 2.000 Deutsche zwischen 18 und 24 Jahren. Die Fragen wurden gemeinsam mit Dr. med. Johannes Wimmer und Prof. Dr. Klaus Hurrelmann entwickelt. Die Basis bildete der standardisierte European Health Literacy Survey (HLS-EU) mit insgesamt 47 Items. Vier Dimensionen allgemeiner Gesundheitskompetenz wurden in den Bereichen Krankheitsbewältigung, Prävention und Gesundheitsförderung erfasst: 1. Informationen finden, 2. Informationen verstehen, 3. Informationen beurteilen und 4. Informationen anwenden.

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