Famulatur in Polynesien

„Hu’u!" Post aus Tonga - Teil 2

Nach 45-stündiger Anreise erreichten die beiden Greifswalder Zahnmedizinstudentinnen endlich ihr Ziel: das Königreich Tonga. Von den Erlebnissen ihrer Famulatur berichten sie hier.

Das Vaiola Hospital in Nuku'alofa - der Behandlungsraum mit neun Behandlungseinheiten. privat

Unsere Famulatur begannen wir an der Zahnklinik des Vaiola Hospital auf der Hauptinsel Tongatapu. Hier verbrachten wir unsere ersten zwei Wochen. Das Vaiola Hospital befindet sich in der Hauptstadt Tongas, Nuku'alofa und zwar nicht zentral, eher südlich am Stadtrand, aber das ist kein Problem! Denn die öffentlichen Verkehrsmittel sind hier gut strukturiert, es gibt einen extra Bus der zwischen Zentrum und dem Krankenhaus pendelt. Den nahmen wir jeden Morgen und haben hier schon die Gastfreundschaft der Tongaer immer wieder zu spüren bekommen. Vor allem die uniformierten Schulkinder sind im Bus und an den Haltestellen für uns aufgestanden und haben uns Platz gemacht. Das war uns schon fast unangenehm! Andere waren an unserer Herkunft interessiert und haben sich erkundigt, ob alles O.K. sei und ob es uns gut geht - nicht nur im Bus, auch in Restaurants, Bars, auf Märkten. Wir fühlten uns also in den ersten Tagen schon sehr willkommen und waren gespannt auf das Klinikteam!

 

Die Frequenz an helfenden Zahnmedizinstudenten ist so hoch, dass während der semesterfreien Zeit, zwei Einheiten davon fast immer für ausländische Famulanten reserviert sind. | privat

Angekommen in der Zahnklinik begrüßte uns herzlich Dr. Amanaki Fakakovikaetau, Chefarzt der Zahnklinik. Von ihm bekamen wir eine Einführung in die zahnmedizinische Versorgung im Königreich. Er erklärte uns, dass es in den staatlichen Zahnkliniken auf den großen Inseln drei Hauptarbeitsgruppen gibt. Die Erste behandelt die Patienten in den Räumlichkeiten der Klinik, die zweite Gruppe führt das Mali-Mali Programm mit den Kindern durch (zm-online berichtete) und die dritte Gruppe ist für die zahnmedizinische Versorgung in den Health-Care-Zentren in abgelegeneren Orten und kleineren Inseln verantwortlich.

 

Für oralchirurgische Fälle müssen alle Tongaer aus den 36 Inseln auf diese Hauptinsel kommen. Hier verbrachten wir zwei Wochen. | privat

 

Der Wartebereich, außerhalb des Gebäudes. Manchmal sehen wir Patienten, die ein Tuch oder einen Schal um die dicke Wange und den Kopf tragen - wie im Trickfilm, wenn jemand Zahnschmerzen hat! | privat

Unser Tagesablauf in der Klinik soll in den nächsten Tagen so aussehen: Start ist morgens um 8.30 Uhr. Die Schicht geht bis 12.30 Uhr, dann ist Mittagspause und um 13.30 Uhr geht es weiter, um 16.00 Uhr endet der Arbeitstag. Am ersten Tag kamen wir natürlich früher an und waren total überrascht, denn aus dem Wartebereich hörten wir lauten Gesang?! – Wir schauten nach, und ja, tatsächlich Gesang, alle gemeinsam, sowohl die Ärzte, als auch die Helfer und Patienten. Über 90 Prozent der Bevölkerung gehört zu der Freien Christlichen Kirche und die Religion hat für die Tongaer einen hohen Stellenwert. So sprachen unsere Kollegen jeden Morgen gemeinsam mit ihren Patienten im Wartebereich ein Gebet, und sangen. Jeden Sonntag besuchten die Tongaer traditionell und schick gekleidet die Kirche. Der Sonntag ist hier so heilig, jeglicher Betrieb strafbar! Also keine Bars, keine Busse oder Flugzeuge, nicht einmal Taxen und die Hotelrezeption ist quasi unbesetzt.

 

Steril verpackte Extraktionszangen und Hebel aller Art. | privat

 

Wir mit dem Dental Therapist John, unserem Betreuer. Ihn konnten wir nie überreden, einen Patienten zur Füllung oder Wurzelkanalbehandlung zu überweisen - "Just pull it out!"| privat

Zurück zur Klinik! – Wir kamen vom Staunen nicht mehr heraus, denn der erste Eindruck der Klinik war sehr positiv, sie war ziemlich gut ausgestattet! In unserer Vorstellung sah die Klinik eben wie eine „typische“ Dritte-Weltland-Klinik aus. Stattdessen: alles wirkte sauber und strukturiert, jeder kannte seine Aufgaben, es gab richtige Behandlungseinheiten, steril verpackte Instrumente, sogar Digitales Röntgen. Die neun Behandlungseinheiten befinden sich in einem großen Raum, aber eigentlich hat die Klinik eine Behandlungseinheit mehr. Die zehnte Einheit steht in einem privaten Raum, reserviert für die Behandlungen des Königs Tupou VI.! Von den neun Einheiten werden zwei den ausländischen Studenten überlassen, die restlichen besetzen die einheimischen Zahnärzte, sowie die „Dental Therapists“.

 

Wir durften nicht nur Behandeln, sondern waren sogar an der Ausbildung der Helfer beteiligt: zweimal die Woche assistierte uns ein Azubi. Das ist Akita, mit ihr hatten wir besonders viel Freude! | privat

Das Ärzte-Team in Tongatapus Zahnklinik besteht aus einer Prothetikerin, einem Kieferorthopäden, dem Chef als Kieferchirurgen, drei Zahnärztinnen, die hauptsächlich Füllungstherapien machen, einem Zahnarzt, der sich auf Wurzelbehandlungen konzentriert, einige "Dental Therapists" die für den Schmerzdienst zuständig sind und hauptsächlich extrahieren. "Dental Therapist" gibt es bei uns in Deutschland so nicht. Man studiert es, drei Jahre lang, und danach ist man befähigt, fast allen zahnärztlichen Tätigkeiten nachzugehen. Der einzige Unterschied zum Zahnarzt, dessen Ausbildung fünf Jahre dauert ist, dass "Dental Therapists" keine Endotologie machen dürfen. Beide Studiengänge werden nur auf den Fidschis und auf Englisch angeboten, sodass Tongaische Zahnmediziner sehr gutes Englisch sprechen. Das erleichterte unseren Einsatz extrem! Ebenfalls die Tatsache, dass die Amtssprache hier Tongaisch, aber auch Englisch ist. Nur bei den älteren Generationen hatten wir ab und an Verständigungsprobleme gehabt.

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