Künstliche Intelligenz in der Kinder- und Jugendmedizin

Ist der Arzt bald ersetzbar?

Laut einer Studie chinesischer Wissenschaftler kann Künstliche Intelligenz (KI) genauere Diagnosen stellen als unerfahrene Ärzte. Sie haben eine Software entwickelt, die Kinderärzten helfen soll, besonders behandlungsbedürftige junge Patienten schneller zu erkennen. Ist der Arzt also bald ersetzbar?

Für deutsche Eyperten kein realistisches Szenario: Die KI ersetzt den Arzt. Adobe Stock_Alexander Limbach

Die Studie eines chinesisch-amerikanischen Forscherteams von der Guangzhou Medical University in China (veröffentlicht im Fachjournal Nature Medicine, 11. Februar 2019) hat ergeben: Methoden der Künstlichen Intelligenz (KI) können dazu beitragen, die medizinische Versorgung zu verbessern.

Treffsicherer als die Diagnose unerfahrene Kinderärzte

Sie haben eine Software entwickelt, die - nach einer maschinellen Lernphase - zuverlässig Diagnosen bei Krankheiten von Kindern und Jugendlichen stellen kann. In einem Vergleichstest mit Daten aus elektronischen Gesundheitsakten war das Programm teilweise treffsicherer als die Diagnose unerfahrene Kinderärzte in den ersten Berufsjahren.

Das Programm ist darauf ausgerichtet, große Datenmengen zu bewältigen und soll Ärzte dabei unterstützen, besser zu unterscheiden, welche Patienten am dringendsten behandelt werden müssen.

Das Forscherteam hat im ersten Teil der Studie insgesamt 101,6 Millionen Datenpunkte aus elektronischen Krankenakten von rund 1,362 Millionen Patientenbesuchen untersucht. Im zweiten Teil der Studie untersuchten die Wissenschaftler die Treffsicherheit der KI mit der von Ärzten, darunter zwei Gruppen mit weniger als acht Jahren Berufserfahrung und drei Gruppen von Medizinern mit mehr Berufserfahrung.

Wie die Forscher schreiben, ist das von ihnen entwickelte Modell in der Lage, bei vielen Krankheitsbildern eine hohe diagnostische Genauigkeit abzubilden - vergleichbar der diagnostischen Fähigkeit von erfahrenen Kinder- und Jugendärzten bei gängigen Kinderkrankheiten.

Deutschland: Experten zweifeln an dem Nutzen von KI für die Diagnostik

Laut Studie könnte die KI Ärzte bei ihrer Entscheidung unterstützen, ob Patient wegen einer bedrohlichen Erkrankung sofort behandelt werden muss oder nicht- etwa in Notfällen.

Presseberichten zufolge zeigen sich Experten in Deutschland der Studie gegenüber skeptisch. So sei beispielsweise fraglich, ob ein solches System auf Deutschland übertragbar sein kann - denn es gebe noch nicht genügend einheitliche elektronische Patientenakten, viele Ärzte arbeiteten noch mit handschriftlichen Dokumentationen.

BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Christoph Benz

"Nicht die hellste Kerze auf der Wissenschafts-Torte"

Sehr skeptisch zeigt sich auch Prof. Dr. Christoph Benz, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, in seiner Einschätzung der Studie gegenüber den zm:

"Die Möglichkeiten künstlicher Intelligenz (KI) regen aktuell unsere Fantasie an, nicht selten über die Grenzen der Science Fiction hinaus. Natürlich ist es wichtig, die Chancen und Risiken in der Medizin mit guten wissenschaftlichen Studien auszuloten.

Folgt man der Einschätzung des Biostatistikers Prof. Frank Klawonn, dann ist die vorliegende Untersuchung aber nicht die hellste Kerze auf der Wissenschafts-Torte. Es wird noch viele weitere Studien brauchen, weil wir tatsächlich erst am Anfang stehen.

Das besondere Problem der selbstlernenden KI-Systeme ist, dass sie Muster lernen, und keiner weiß, was sie da eigentlich gelernt haben. Das zu prüfen, erfordert einen besonders großen Aufwand und wird keine letzte Sicherheit bieten. Da kann dann immer eine Radfahrerin für eine Mülltüte gehalten werden, wie bei dem tödlichen Unfall des selbstfahrenden Uber-Autos.

In der Zahnmedizin helfen uns klassische Datensysteme - zum Beispiel zu seltenen Erkrankungen. KI wackelt hier leider auch, weil es zu wenige Datensätze für eine Mustererkennung gibt. Wir Ärzte und Zahnärzte mögen uns geehrt füllen, wenn KI vorrangig in unserem Bereich verortet wird, aber wichtig scheinen mir Studien auch in der Politik und Verwaltung. Warum sollte KI nicht zum Beispiel Vertrauensmuster identifizieren können, die uns vor Misstrauensbürokratie bewahren?"

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