Große Studie zum Internationalen Tag der seelischen Gesundheit

Jeder vierte Student ist stark gestresst

Jeder vierte Student klagt über großen Stress (25,3 Prozent) und starke Erschöpfung (24,4 Prozent) - mögliche Vorboten eines Burn-outs. Besonders Studentinnen fühlen sich psychisch belastet. Mental mit am besten geht es Medizinstudenten.

Das Studentenleben ist nicht (mehr) so spaßig, wie es hier den Anschein hat: Viele Studierende sind gestresst und leiden unter Angststörungen. Voyagerix_Adobe Stock

Dies sind Ergebnisse einer Studie zur Gesundheit Studierender, die in Kooperation des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) mit der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse (TK) entstand. So gibt jede fünfte Studentin (21,2 Prozent) an, unter den Symptomen einer generalisierten Angststörung zu leiden und jede sechste Studentin hat Anzeichen eines depressiven Syndroms (16,9 Prozent). Die Studie wurde anlässlich des Internationalen Tags der seelischen Gesundheit durchgeführt. Der Tag der seelischen Gesundheit wird immer am 10. Oktober eines jeden Jahres begangen.

Alles ist neu, hinzu kommen Prüfungsdruck, Zweifel und Zukunftsangst

"Die Gründe, warum so viele Studierende psychische Probleme haben, sind vielfältig. Zum einen beginnt mit dem Studium ein neuer Lebensabschnitt: Studienplanung, Prüfungsordnung, eventuell eine neue Stadt - alles ist neu. Häufig fühlen sich die jungen Studierenden dadurch orientierungslos und überfordert", so PD Dr. Dr. Burkhard Gusy, einer der beiden Studienleiter, und Leiter des Arbeitsbereichs Public Health, Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung an der Freien Universität Berlin.

"Hinzu kommen Prüfungsdruck, Zweifel und Zukunftsangst. Viele Studierende stehen nach dem Studium auch mit hohen BAföG-Schulden da. Da lastet ein enormer Druck auf den jungen Hochschulabsolventen - teilweise auch durch die hohen Ansprüche an sich selbst. Das kann Ängste und schlimmstenfalls auch eine Depression hervorrufen", betont der Wissenschaftler.

Kummer cum laude

Dabei sind das Stresserleben und die psychische Belastung in den einzelnen Fächergruppen sehr unterschiedlich. Vor allem die Studierenden in den Sprach- und Kulturwissenschaften geben an, von Angststörungen (22,5 Prozent) und Depressionen (18,3 Prozent) betroffen zu sein. Dicht gefolgt von denen in der Fächergruppe Sozialwissenschaften/Psychologie/Pädagogik (18,4 Prozent Angststörungen und 18,0 Prozent Depressionen).

Die Fächergruppen Medizin/Gesundheitswissenschaften sowie Ingenieurwissenschaften weisen die geringsten Anteile an Studierenden mit depressivem Syndrom (10,6 Prozent und 13,4 Prozent) und generalisierter Angststörung (14,8 Prozent und 13,8 Prozent) auf. Der Anteil lebenszufriedener Studierender ist in der Medizin und den Gesundheitswissenschaften zudem signifikant höher als in allen anderen befragten Fächergruppen.

Angehende Mediziner sind am engagiertesten

Einen hohen Bedeutungsverlust des Studiums weisen insbesondere Studierende der Fächergruppe Sprach- und Kulturwissenschaften auf (26,7 Prozent), wohingegen dieser Anteil in der Fächergruppe Medizin/Gesundheitswissenschaften am niedrigsten ist (11,9 Prozent). Der größte Anteil hoch engagierter Studierender findet sich in den Fächergruppen Medizin/Gesundheitswissenschaften (53,5 Prozent). Den geringsten Anteil hoch engagierter Studierender weist die Fächergruppe Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (40,8 Prozent) auf.

Studierende der Fächergruppe Medizin/Gesundheitswissenschaften engagieren sich im Mittel am meisten darin, die strukturellen Ressourcen ihres Studiums aktiv auszubauen. Sie erleben im Mittel auch das mit Abstand höchste Maß an wahrgenommener Unterstützung durch ihre Mitstudierenden.

Insbesondere Studierende der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften (45,4 Prozent) sowie der Medizin/Gesundheitswissenschaften (42,5 Prozent) achten stark auf ihre körperliche Aktivität.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie

  • Insgesamt geht es den Studierenden in Deutschland gut. Knapp 82 Prozent der Befragten beurteilen ihre Gesundheit als "gut" oder "sehr" gut. Allerdings: Ein Viertel (24,4 Prozent) der Studierenden stehen unter starkem Stress und fühlen sich erschöpft.
  • Vor allen Dingen fühlen sich die weiblichen Studierenden psychisch belastet. So gibt jede fünfte Studentin (21,2 Prozent) an, unter den Symptomen einer sogenannten generalisierten Angststörung zu leiden. Und jede sechste sagt, dass sie unter den Symptomen eines depressiven Symptoms leidet(16,9 Prozent).
  • Viele Studierende zeigen bereits Symptome eines Burnouts: 24,4 Prozent gaben an, unter Erschöpfung zu leiden, fast ebenso viele (22,9 Prozent) gaben an, Zweifel an ihrem Studium zu hegen. Allerdings: Nur drei Prozent fühlten sich überfordert.

Mental am besten geht es den Studierenden aus den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaften (14,8 Prozent Angststörungen und 10,6 Prozent Depressionen).

"Inwiefern die Ursachen für diese Ergebnisse tatsächlich in den Fächern selbst begründet liegen, muss in künftigen Studien näher erforscht werden", erläutert Prof. Dr. Sandra Buchholz, Leiterin der Abteilung Bildungsverläufe und Beschäftigung am DZHW. "Möglicherweise bestehen die Unterschiede im Stresserleben und in den psychischen Belastungen von Studierenden bereits vor Studienbeginn. Fächerunterschiede könnten auch darauf zurückzuführen sein, dass sich die Zusammensetzung von Studierenden, beispielsweise mit Blick auf die Anteile von Frauen und Männern, zwischen den Fächern unterscheidet", so Buchholz weiter.

Für die Studie "Gesundheit Studierender in Deutschland" wurden im Befragungszeitraum vom Juni bis August 2017 insgesamt 6.198 Studierende online über das HISBUS-Studierendenpanel des DZHW zu ihrer Gesundheit und ihrem Gesundheitsverhalten befragt. Die Auswertung differenzierte in den einzelnen Themenbereichen nach Geschlecht, Fächergruppen, Hochschultyp sowie Studienjahren.

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