Gesellschaft

Kinder im Zufriedenheitstest

Vier Fünftel der Kinder in Deutschland sind zufrieden mit ihrem Leben. Ein Fünftel fühlt sich hingegen ausgegrenzt und in der Schule ungerecht behandelt. Das geht aus der dritten World Vision Kinderstudie hervor, für die 2.500 Sechs- bis Elfjährige befragt wurden.

 

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Die World Vision Kinderstudie untersucht alle drei Jahre, wie deutsche Kinder ihre Lebenssituation in den Bereichen Familie, Schule, Freunde und Freizeit einschätzen. Zusätzlich können die 2.500 befragten Kinder ihre Meinung zu einem Schwerpunktthema äußern. In diesem Jahr ging es um die Frage: „Wie gerecht ist unsere Welt?“

Nehmen und geben

"Kinder wollen, dass Güter und Zugangschancen miteinander geteilt werden", lautet der Schluss der mehr als 350-seitigen Studie, die am 14. November in Berlin vorgestellt wurde. Kinder favorisierten im Alltag in den meisten Situationen das Prinzip der Gleichverteilung - vorausgesetzt, das Prinzip der Gegenseitigkeit bleibt gewahrt. „Ist dies nicht gegeben, etwa dann, wenn einige sich nicht an die Regeln halten oder aber keine eigene Leistung einbringen, dann wird dies ebenfalls als ungerecht und nicht tolerabel bewertet“, heißt es in dem Papier. 

Die lieben Eltern

Die Kids wurden auch dieses Mal nach ihrer Zufriedenheit mit der Zuwendung ihrer Eltern befragt. Am häufigsten beklagten diejenigen Defizite, deren Eltern alleinerziehend und berufstätig (32 Prozent) oder arbeitslos oder aus sonstigen Gründen nicht erwerbstätig sind (29 Prozent). Nach Angaben von World Vision ist der Anteil der Kinder mit Zuwendungsdefiziten am geringsten, wenn beide Elternteile arbeiten gehen (8 Prozent). 

Das wirkt sich auch auf die Armutserfahrungen der Kinder aus. Hier stellt die Studie fest: Je ausgeglichener beide Elternteile im Job verortet sind, desto geringer das Armutsrisiko. Insgesamt gaben 18 Prozent der befragten Kinder an, Erfahrungen mit Armut gesammelt zu haben.

Ein gerechter Ort

Überwiegend positives Feedback gaben die 2.500 Befragten in puncto Schule: 22 Prozent beurteilten die Schule als „sehr gerecht“, 56 Prozent als „eher gerecht“. „Eher ungerecht“ urteilten 16 Prozent der Teilnehmer, 3 Prozent empfinden die Schule als „sehr ungerecht“. 

Was die Zufriedenheit mit ihrer Freizeitgestaltung angeht, gaben 8 Prozent der Kinder eine negative bis neutrale Bewertung ab, 33 Prozent erlebten sie als positiv und 59 Prozent schätzten sie sehr positiv ein. Nach wie vor zeigt sich hier ein deutlicher Einfluss der sozialen Herkunft. So gaben Kinder aus ärmeren Verhältnissen seltener eine sehr positive Einschätzung ab. 

Glotze aus, PC an

Seit der ersten World Vision Kinderstudie im Jahr 2007 sieht die befragte Altersgruppe etwas weniger fern: Während vor sechs Jahren 56 Prozent angaben, dass sie sehr oft TV gucken, traf das 2010 und 2013 nur noch auf 48 beziehungsweise 49 Prozent der Befragten zu. Die Nutzung von Computer- und Videospielen blieb jedoch konstant und liegt zwischen 25 und 30 Prozent. Im Vergleich zu Mädchen schneiden Jungen ihre Freizeit dreimal so häufig auf Medienkonsum zu.

Treffen versus chatten

Gegenüber den beiden vorangegangenen Untersuchungen stellt die aktuelle Studie fest, dass persönliche Treffen mit Freunden in der Freizeit stark zurückgehen. Die Größe des Freundeskreises blieb jedoch konstant. 

Mehr Politik für Kinder

Bei der Vorstellung der Studie forderte World Vision die neue Bundesregierung auf, mehr Politik für Kinder zu wagen. Kinder sollten in Familie, Schule und anderen sie betreffenden Bereichen besser in Entscheidungen miteinbezogen werden. „Der Abbau von finanziellen, sozialen und kulturellen Ungleichheiten sollte im Vordergrund einer neuen Politik stehen“, sagte Christoph Hilligen, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Kinderhilfsorganisation.

Für die Studie legten Interviewer den Kindern einen Fragebogen mit 60 Fragen vor, den sie in etwa 30 Minuten beantworteten. Außerdem wurden zwölf Kinder intensiv befragt. Daraus entstanden Portraits, die ebenfalls im Rahmen der Studie veröffentlicht wurden. Die Forschungsleitung übernahmen die Kindheitsforscherin Prof. Sabine Andresen von der Universität Frankfurt und der Sozialwissenschaftler Prof. Klaus Hurrelmann von der Hertie School Berlin.