Corona-Warn-App in Deutschland

Mangelnde Digitalisierung gefährdet Pseudonymität

Wenn die deutsche Corona-Warn-App kommende Woche startet, wird es vielerorts nicht möglich sein, eine Infektionsmeldung per QR-Code-Scan abzugeben. Stattdessen sollen COVID-19-Patienten eine Hotline anrufen.

Auch wenn es erklärtes Ziel bei der deutschen Corona-App ist, dass alles anonym abläuft, wird es zunächst eine Übergangslösung mit Hilfe einer Infizierten-Hotline geben. AdobeStock_ dmitrimaruta

Bundesgesund­heits­mi­nister Jens Spahn hat gegenüber der Rheinischen Post angekündigt, dass die Corona-Warn-App in der kommenden Woche vorge­stellt werden soll. "Diese Zeit brauchten wir für die Entwick­lung, weil wir hohe Anfor­de­rungen stellen", sagte Spahn im Interview. Einem entscheidenden Teil der selbst auferlegten, hohen Anforderungen wird die App einem anderen Bericht zufolge jedoch nicht gerecht.

Der Grund: Viele Labore werden zum Start der App noch nicht über eine sichere digitale Anbindung verfügen. Einschlägige Hardware-Beschaffungen liefen an, könnten sich aber noch über Wochen und Monate hinziehen, berichtet der Spiegel. Darum wird es zusätzlich zu einer Technik-Hotline eine weitere geben, damit sich App-Nutzer im Fall eines positiven Testergebnisses als infiziert melden können. Beide Hotlines sollen rund um die Uhr erreichbar sein. Das Problem: Das Vorgehen kollidiert mit dem mit der geplanten, vollständig pseudonymen Nutzung der App.

 Guter Start in Frankreich

Allen politischen Querelen im Vorfeld der Veröffentlichung zum Trotz verbreitet sich Frankreichs Coronavirus-Warn-App "Stopcovid" rasch. Innerhalb von vier Tagen sei die App mehr als eine Million Mal aktiviert worden, schrieb der Staatssekretär für Digitales, Cédric O, am 6. Juni 2020 auf Twitter.

Das Verfahren über den QR-Code sollte ursprünglich die Gefahr von Fehlalarmen oder Missbrauch verhindern, da beides der Akzeptanz für die App extrem schaden könnte. In der Übergangszeit, bis alle Labore über die notwendige Technik verfügen, sollen "psychologisch geschulte Mitarbeiter" die Echtheit der telefonischen Infektionsmeldung mit gezielten Fragen etwa zum Ort und Ablauf des durchgeführten Tests überprüfen, um mutwillige Falschmeldungen zu verhindern. Die Mitarbeiter der Hotline sollen bis zu 1.000 Anrufe pro Tag abwickeln und auch bei Problemen mit dem Scannen des QR-Code geben können, schreibt der Spiegel. 

Expertin und Datenschutzbeauftragter haben Vorbehalte

Nach Ansicht von Anke Domscheit-Berg, Netzexpertin in der Linken-Fraktion, ist das Hotline-Verfahren "ein neuralgischer Punkt" und "missbrauchsanfällig". Gegenüber dem Spiegel sagte sie, die App lasse sich "nicht allein mit Testfragen von Callcenter-Mitarbeitern trollsicher machen". Die Anonymität müsse gewahrt bleiben und ein ungewolltes "Outing" etwa durch die eigene Mobilnummer ausgeschlossen werden.

Auch der Bundesbeauftragte für den Datenschutz, Ulrich Kelber, hat Vorbehalte: "Es ist klar, dass der Weg über die Hotline nicht mit einer vollständig pseudonymen Nutzung der App über das automatisierte Verfahren mithalten kann", wird er vom Spiegel zitiert. Die Verantwortlichen müssten nun schnellstmöglich dafür sorgen, "dass das automatisierte Verfahren von möglichst allen App-Anwendenden genutzt werden kann, die diesen Weg wünschen".

In Deutschland soll die App Mitte Juni für iOS und Android zum Download zur Verfügung stehen. Sie soll zunächst auf Deutsch und Englisch verfügbar sein. Weitere Sprachen wie Türkisch sollen folgen, berichtet die ZEIT. Erklärtes Ziel der App ist, dass möglichst alles anonym abläuft: Wer positiv getestet wird, soll sich mit einem QR-Code vom Testergebnis in der App als infiziert melden können. Im Anschluss an diese Meldung werden sämtliche Kontakte der vergangenen 14 Tage vollautomatisch per App darüber informiert, dass sie sich in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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