Zahntechnikermeister

Mit Inklusion gegen Fachkräftemangel

Fast die Hälfte des Teams von Zahntechnikermeister Christoph Kazmierczak hat ein körperliches Handicap. Weil er überdurchschnittlich viele Menschen mit Behinderung beschäftigt, erhielt der Jungunternehmer Anfang Dezember den Berliner Inklusionspreis.

CK Dental wurde in der Sparte „Kleinunternehmen“ ausgezeichnet. Seit dem Jahr 2003 wird der Berliner Inklusionspreis von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales vergeben. Zahntechniker-Innung Berlin-Brandenburg, Michael Paul

Insgesamt arbeiten neun Menschen in dem auf Umweltzahntechnik spezialisierten Betrieb in Berlin-Pankow. „Zeitweise hatte ich vier Mitarbeiter mit Handicap“, erklärt Inhaber Christoph Kazmierczak. „Aktuell sind es noch drei.“

Sensibilisiert durch eigene Erfahrungen

Zu den Angestellten des 38-Jährigen, die eine Behinderung haben, gehört seit langem auch Kazmierczaks Vater, der früher gemeinsam mit seiner Frau ein eigenes Geschäft führte. Nach einem Schlaganfall musste er sich beruflich neu orientieren – eine schwere Zeit für die Eltern des Zahntechnikermeisters.

Jetzt arbeiten beide im Betrieb ihres Sohns mit. Der Vater kümmert sich um die Auslieferung der Prothesen und wartet die Geräte, die Mutter hilft in der Verwaltung. „Die Situation meines Vaters hat mich auf jeden Fall für das Thema Beruf und Behinderung sensibilisiert“, sagt der 38-Jährige. „Es war ein gutes Gefühl, eine neue Perspektive für meine Eltern zu finden.“

 

Zahntechnikermeister Christoph Kazmierczak  gemeinsam mit seinem Team. | Zahntechniker-Innung Berlin-Brandenburg, Michael Paul

In neue Richtungen denken

Auf die Idee, Menschen mit Behinderung einzustellen, brachte Kazmierczak aber nicht in erster Linie die persönliche Familiengeschichte. Grund war vielmehr der Fachkräftemangel in seiner Branche, der Kazmierczak in neue Richtungen denken und das Potenzial von Menschen mit Behinderung erkennen ließ.

Über diesen Weg stieß im Jahr 2013, sechs Monate nach der Gründung von CK Dental, die Zahntechnikermeisterin Cordula Walter zum Team. Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls im Halswirbelsäulenbereich konnte sie damals nur sechs Stunden täglich tätig sein.

Vor zwei Jahren verschlechterte sich der gesundheitliche Zustand von Cordula Walter noch einmal und sie fiel einige Monate aus. „Die Krankheitsphase von Frau Walter war sehr schwierig für alle Beteiligten, weil wir die Arbeit neu aufteilen mussten“, erinnert sich Christoph Kazmierczak.

Offen sein für Plan B

Um im Betrieb bleiben zu können, machte Cordula Walter – finanziert von ihrem Rententräger – eine Fortbildung zum Zahntechnischen Verwaltungsmanager und übernimmt seit September 2016 vermehrt Bürotätigkeiten, wie Rechnungen und Kostenvoranschläge erstellen. Außerdem wurde ein zweiter Keramiker eingestellt, der sie unterstützt.

Zahntechnische Arbeiten kann die „Vollblutkeramikerin“, wie ihr Chef sie nennt, noch zwei bis drei Stunden täglich ausführen. In den übrigen Stunden übernimmt sie zum Teil die Kundenbetreuung, Lehrlingsausbildung und Weiterbildung der Mitarbeiter im Bereich Keramik. „Ihr Wissen und Können bleibt so dem Betrieb erhalten“, freut sich der Zahntechnikermeister.

Eigenbrödler sind fehl am Platz

„In einem Team, in dem Menschen mit und ohne Behinderung arbeiten, müssen alle auf besondere Art und Weise aufeinander zugehen können“, bringt Christoph Kazmierczak seine Erfahrungen auf den Punkt. Das heißt: Kollegen mit Handicap müssen sagen, wenn sie Hilfe brauchen, und die ohne müssen bereit sein, diese Unterstützung auch zu leisten.

Im Fall von Cordula Walter gehört dazu beispielsweise, Lasten für sie zu heben. Bei CK Dental arbeitet außerdem eine gehörlose Kollegin, mit der die Kommunikation anders läuft. „Ein Austausch auf Zuruf etwa ist nicht möglich. Man muss aufstehen und rübergehen“, erzählt der Zahntechnikermeister. „Aufgrund der Gehörlosigkeit stört sie andererseits die alltägliche Laborlautstärke nicht und sie kann viel länger konzentriert arbeiten.“ Wenn neue Mitarbeiter eingestellt werden, achtet Kazmierczak darauf, dass die Bereitschaft sich gegenseitig zu unterstützen da ist. „Eigenbrödler“ passten nicht ins Team.

Freude über öffentliche Anerkennung

„Handicaps können den Teamgeist fördern“, lautet Christoph Kazmierczaks Fazit. Dafür müsse – genau wie in anderen Teams – offen kommuniziert werden. Aus diesem Grund gibt es bei CK Dental monatliche Teamsitzungen, bei denen auch ein Gebärdensprach-Dolmetscher anwesend ist, den das Integrationsamt stellt.

Über den regelmäßigen Austausch mit den Beamten bekam der Zahntechnikermeister den Impuls, sich mit CK Dental für den Berliner Inklusionspreis zu bewerben, der seit dem Jahr 2003 von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales sowie dem Landesamt für Gesundheit und Soziales vergeben wird.

CK Dental wurde in der Sparte „Kleinunternehmen“ ausgezeichnet. Christoph Kazmierczak und sein Team freuen sich über den Preis: „Es ist schön, dass die besondere Zusammensetzung in unserem Betrieb Anerkennung findet – auch wenn sie für uns schon längst Alltag im positiven Sinn geworden ist."

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