Kinderärzte warnen vor Tabakverdampfern

Rauchfreie Zigaretten gibt es nicht

Nach E-Zigaretten drängen jetzt auch verstärkt Tabakvaporizer, bei denen Tabak erhitzt und nicht verbrannt wird, auf den Markt. Angeblich eine "rauchfreie" Alternative. Kinderärzte warnen vor den Produkten.

Die gesetzlichen Rauchverbote und viele Präventionsbemühungen in Deutschland haben in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem Rückgang der Zahl jugendlicher Raucher in Deutschland geführt. Die Tabakindustrie reagiert darauf mit neuen Produkten: Aktuell wird verstärkt Werbung für sogenannte "rauchfreie Zigaretten" gemacht. Fotolia - stockfotocz

Im Unterschied zu E-Zigaretten verdampft beim sogenannten Tabakvaporizer keine nikotinhaltige Flüssigkeit, sondern echter Tabak in Form von Tabaksticks wird erhitzt, ohne jedoch zu verbrennen. Hersteller-finanzierten Studien zufolge seien im Dampf dadurch deutlich weniger schädliche Stoffe als im Zigarettenrauch. Auch der typische, oft als unangenehm empfundene Zigarettenrauchgeruch werde deutlich reduziert.

Kinder- und Jugendärzte sowie Umweltmediziner stufen jedoch sowohl E-Zigaretten als auch Tabakverdampfer als gefährlich ein, da die Gefahr eines "harmlosen" Einstiegs in den Konsum konventioneller Tabakprodukte bestehe. "Tabakrauch hat gesundheitsschädliche Folgen sowohl für die Konsumenten als auch für diejenigen, die dem Rauch passiv ausgesetzt sind. Dies gilt insbesondere für Kinder und Jugendliche, die im Vergleich zu Erwachsenen empfindliche und noch im Wachstum befindliche Atemwege und Lungen haben", heißt es in einer aktuellen Stellungnahme der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin.

Elektrische Zigaretten sind zwar weitaus weniger schädlich als herkömmliche, aber nicht ohne Gesundheitsrisiken - so lautet das Fazit von US-Forschern, die im Auftrag des Parlaments 800 Studien auswerteten.

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Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung äußerte sich kritisch zu diesen Produkten. Zwar sei der Schadstoffausstoß bei den Tabakverdampfern tatsächlich niedriger als bei herkömmlichen Zigaretten. Jedoch konnte im Körper von Probanden weiterhin ein erhöhter Anteil von Kohlenmonoxid sowie das Erbgut verändernde und krebserzeugende Biomarker wie Acrolein, 1,3-Butandien, Nitrosamine und Benzol nachgewiesen werden. Teilweise traten diese in höherer Konzentration auf als es dem im Vergleich zu konventionellen Zigaretten niedrigeren Gehalt im Dampf entsprach. Das Suchtpotenzial bleibe zudem dasselbe und das Risiko, dass Tabakvaporizer der "Einstieg" in den konventionellen Tabakkonsum - insbesondere bei Jugendlichen - sein können, gebe Anlass zur Sorge, urteilt das Bundesinstitut für Risikobewertung.

"Cherry Crush" und "Vanilla Dreams" sollen gezielt Jugendliche locken

Mit Aromen wie „Cherry Crush“ oder „Vanilla Dreams“ sprächen auch die E-Shishas beziehungsweise die zugehörigen Liquids gezielt eine jugendliche Zielgruppe an. In einigen dieser aromatisierten Produkte wurde unter anderem Diacetyl teils in erhöhter Konzentration nachgewiesen. Diese Substanz, welche im Lebensmittelbereich zur Erzeugung einer buttrig-süßen Geschmacksnote verwendet wird, kann laut Bundesinstitut für Risikobewertung bei Aufnahme über die Atemwege dort schwere, teils irreversible Schädigungen verursachen und steht – ähnlich wie das ebenfalls in Liquids entdeckte Acrolein - im Verdacht, krebserregend zu sein. Ebenso ungeklärt sei die Rolle der eingesetzten Verneblersubstanzen, für die Daten zur Risikobewertung und über deren Wirkung auf die wachsende Lungenstruktur von Kindern und Jugendlichen bisher weitestgehend fehlen.

Liquids - lebensgefährliche Gefahr für Kleinkinder

Laut einer Untersuchung des Nationwide Children's Hospital in Columbus/Ohio ("E-Cigarette and Liquid Nicotine Exposures Among Young Children", April 2018) gingen in den USA in den letzten fünf Jahren bei den Giftnotrufzentralen mehr als 8.000 Anrufe zu einer versehent­lichen Exposition von Kindern mit nikotinhaltigen Liquids ein.

Zwischen Januar 2012 und April 2017 erhielten die US-Giftnotrufzentralen 8.269 Anrufe wegen einer Exposition von Kindern im Alter unter 6 Jahren. Die meisten waren unter 3 Jahren alt (84 Prozent) und hatten in der Regel das Liquid oral (93 Prozent) aufgenommen.

Etwa ein Drittel der Kinder wurde medizinisch behandelt, nur 1,4 Prozent wurden stationär aufgenommen. Wie die Autoren recherchierten, waren schwere Vergiftungs­erschei­nun­gen relativ selten, aber möglich: 4 Kinder fielen in ein Koma, 4 erlitten Krampf­anfälle, 3 einen Atemstillstand und 1 einen Herzstillstand. Ein Kind im Alter von einem Jahr starb an den Folgen der Vergiftung.

Eine erste wissenschaftliche Studie deutet daraufhin, dass elektronische Zigaretten ebenso schädlich für Zähne und Zahnfleisch sind wie konventionelle Zigaretten.

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Das Fazit der Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin: "E-Zigaretten und neuere Tabakverdampfer sind keineswegs frei von gesundheitlichen Risiken, sondern stellen eine ernst zu nehmende Gefahr gerade für Kinder und Jugendliche dar. Sie können ein vermeintlich 'harmloser' Einstieg in Konsum konventioneller Tabakprodukte sein. Belastbare (Langzeit-)Studien zu Krebsrisiken und zu einer möglichen Entwicklung bzw. Verschlimmerung eines Asthma bronchiale und anderer Lungenerkrankungen fehlen bislang völlig."

Die Fachgesellschaft fordert neben der entsprechenden Aufklärung der Zielgruppen, dass auch die zuständigen Aufsichtsbehörden durch Kontrollen sicherstellen, dass die vom Gesetzgeber geforderte jugendschützende Altersgrenze von 18 Jahren für die Abgabe von Tabakprodukten bzw. deren Gebrauch in der Öffentlichkeit auch eingehalten wird.

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