WIdO-Studie

Traumatisierte Geflüchtete berichten häufiger über gesundheitliche Probleme

Traumatisierte Geflüchtete schätzen ihren Gesundheitszustand subjektiv schlechter ein, obwohl sie seltener als die vergleichbare deutsche Bevölkerung chronisch erkrankt sind. Das ist das Ergebnis einer Befragung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO).

Geflüchtete weisen vor allem psychische Beschwerden wie Mutlosigkeit, Traurigkeit, Bedrückung (41,0 Prozent) und Nervosität, Unruhe (37,3 Prozent) auf. Erst danach folgen körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen (32,2 Prozent) oder Kopfschmerzen (31,6 Prozent). Adobe Stock_ISO K°-photography

Mehr als drei Viertel aller Geflüchteten aus Syrien, Irak und Afghanistan haben Gewalt erlebt und sind dadurch oft mehrfach traumatisiert. Im Vergleich zu Geflüchteten ohne diese Erfahrungen geben sie mehr als doppelt so häufig physische und psychische Beschwerden an. Aber auch im Vergleich zur deutschen Bevölkerung schätzen Geflüchtete mit traumatisierenden Erfahrungen ihren Gesundheitszustand subjektiv deutlich schlechter ein.

Die WIdO-Befragung

Das WIdO befragte vom 22. Mai 2017 bis zum 7. März 2018 bundesweit 2.021 erwachsene Geflüchtete aus Syrien, dem Irak und Afghanistan. Aus diesen Ländern stammten den Autoren zufolge mehr als die Hälfte aller Erstasylanträge zwischen Januar 2015 und Mai 2018. Alle Befragten waren erst bis zu zwei Jahre in Deutschland und lebten noch in Aufnahmeeinrichtungen.

Sie waren durchschnittlich 32,7 Jahre alt und zu zwei Drittel (67,1 Prozent) männlich. Knapp die Hälfte ist in ihrem Herkunftsland mehr als neun Jahre zur Schule gegangen, etwas mehr als die Hälfte ging dort einer bezahlten Beschäftigung nach, jeder Sechste ging zur Schule oder hat studiert (16,3 Prozent).

Obwohl sich zeigt, dass die Geflüchteten seltener als die vergleichbare deutsche erwachsene Bevölkerung chronisch erkrankt sind, schätzen sie der Studie zufolge ihren eigenen Gesundheitszustand subjektiv deutlich schlechter ein als die Vergleichsgruppen.

Traumatische Erlebnisse fördern psychische Beschwerden

Die meisten Geflüchteten, die Angaben zu traumatischen Ereignissen gemacht haben, geben Kriegserlebnisse (60,4 Prozent) oder Angriffe durch Militär oder Bewaffnete (40,2 Prozent) an. Bei jedem Dritten (34,8 Prozent) sind Angehörige oder nahestehende Personen verschleppt worden, verschwunden oder gewaltsam ums Leben gekommen (15,4 Prozent). Weniger als ein Viertel (22,5 Prozent) hat keine dieser traumatischen Erfahrungen selbst erlebt.

Traumatisierte Geflüchtete leiden vor allem unter psychischen Problemen.  | WIdO_zm

Geflüchtete mit traumatischen Erfahrungen berichten mehr als doppelt so häufig über körperliche und psychische Beschwerden. Dabei treten vor allem vor allem psychische Beschwerden wie Mutlosigkeit, Traurigkeit, Bedrückung (41,0 Prozent) und Nervosität, Unruhe (37,3 Prozent) auf. Erst danach folgen körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen (32,2 Prozent) oder Kopfschmerzen (31,6 Prozent).

Am häufigsten besucht: Allgemeinärzte, Gynäkologen und Zahnärzte

Zwei Drittel suchten in den letzten sechs Monaten einen Arzt auf (68,3 Prozent), überwiegend wegen allgemeiner Gesundheits- und Vorsorgeuntersuchungen sowie akuter leichter Erkrankungen. Am häufigsten besuchten die Befragten Allgemeinmediziner (51,8 Prozent), Gynäkologen (30,5 Prozent) und Zahnärzte (24,5 Prozent); 6,8 Prozent gingen zu weiteren Fachärzten.

Die Sprachbarriere ist ein Problem

In der Arztpraxis oder im Krankenhaus stellen sprachliche Barrieren eine große Herausforderung dar: Mehr als jeder zweite Geflüchtete (56 Prozent) berichtet über große Schwierigkeiten, sich verständlich zu machen (Abbildung 4). Ähnlich hoch (51 Prozent) ist der Anteil derer, die nicht wissen, welche Gesundheitsangebote ihnen überhaupt zur Verfügung stehen.

Neben einem sicheren Aufenthaltsstatus, einer passenden Unterkunft, sinngebender Beschäftigung und Freizeitangeboten könne Geflüchteten ein niedrigschwelliger Zugang zum Gesundheitssystem helfen, ihre gesundheitlichen Probleme besser zu bewältigen, lautet das Fazit von Mitautor Helmut Schröder.

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