SARS-CoV-2-Studie

Viren überleben auf Oberflächen gerade bei warmen Temperaturen

LL
Gesellschaft
Wie sich die Halbwertszeit des neuartigen Coronavirus bei unterschiedlichen Temperaturen auf Oberflächen entwickelt, untersuchten Forscher der Ruhr-Universität Bochum. Auf den Proben fanden sich auch nach 180 Stunden noch ansteckende Partikel.

Die Hoffnung, dass das Virus SARS-CoV-2 bei sommerlichen Temperaturen schneller zerfällt, zerschlägt eine Laborstudie der Ruhr-Universität in Bochum (RUB).

Viren zerfallen bei normaler Raumtemperatur am schnellsten

Für die Untersuchung der Infektiösität der Viren auf Raumoberflächen wurden die Proben bei 4 Grad (Durchschnittstemperatur in einem Kühlschrank) sowie bei Raumtemperatur und bei sommerlichen 30 Grad analysiert. Ergebnis: Die Halbwertszeit, also die Zeit, in der die Viruslast in einem Tröpfchen oder Aerosol um 50 Prozent abnimmt, war mit fast 18 Stunden bei 30 Grad am längsten. Bei 4 Grad dauerte es fast 13 Stunden, und bei normaler Raumtemperatur betrug Halbwertszeit 9,1 Stunden - hier zerfiel das Virus also am schnellsten.

„Überraschenderweise ist es dafür unerheblich, ob es sehr kalt oder sehr heiß ist“, erläuterte Studienleiterin Prof. Stephanie Pfänder von der Abteilung für Molekulare und Medizinische Virologie der Ruhr-Universität.

In der ersten stunde sinkt die Viruslast um das 100-Fache

Die Infektiosität der Viren reduzierte sich im Verlauf der Eintrocknung auf Metallplättchen innerhalb der ersten Stunde um das 100-Fache. In den folgenden vier bis acht Stunden sank die Anzahl infektiöser Partikel dann kaum und anschließend langsam weiter ab, allerdings nahezu unabhängig von der Temperatur. Die Forscher fanden noch 180 Stunden, also über eine Woche nach dem Aufbringen der Viren, ansteckende Partikel auf den Proben. Die Experimente fanden allerdings ausschließlich auf trockenen Oberflächen statt.

„Bisher hatte man angenommen, dass die Temperatur dazu beiträgt, dass Sars-Cov-2 sich im Sommer weniger gut überträgt“, sagte Pfänder. „Zumindest auf Oberflächen scheint die Stabilität der Viren durch die verschiedenen Temperaturen aber nicht beeinträchtigt zu sein.“ Eine potenziell geringere Ansteckungsrate im Sommer könne jedoch auf anderen Faktoren wie UV-Strahlung und Luftfeuchtigkeit beruhen.

Diese Ergebnisse sind hinsichtlich der Übertragbarkeit der Infektionskrankheit COVID-19 vor allem für Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser von Bedeutung. Denn gerade bei höheren Temperaturen bleibt das Virus lange auf Oberflächen lebensfähig.

Annika Kratzel, Silvio Steiner, Daniel Todt, Philip V’kovski, Yannick Brüggemann, Joerg Steinmann, Eike Steinmann, Volker Thiel, Stephanie Pfaender: Temperature-dependent surface stability of SARS-CoV-2, in: Journal of Infection 2020,Laborstudie

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