Medizin

70 Jahre Penicillin

Im Ersten Weltkrieg starben mehr Soldaten im Lazarett an Wundbrand als auf dem Schlachtfeld. Erst

mit der Einführung des Penicillins verloren Krankheiten wie Blutvergiftung, Diphterie oder

Lungenentzündung ihren Schrecken. Das Technoseum in Mannheim zeigt in einer Ausstellung die Bedeutung Antibiotika für die moderne Medizin.

TECHNOSEUM/ Klaus Luginsland.

Schimmelpilz mit großer Wirkung: Viele durch Bakterien verursachte Infektionskrankheiten waren noch bis in die 1940er Jahre hinein lebensbedrohlich. Bis heute hat Penicilin - eine von einem Schimmelpilz produzierte Substanz - Millionen Menschen das Leben gerettet. Inzwischen treten jedoch vermehrt Resistenzen von Bakterien gegen Antibiotika auf.

Tot nach einem Schnitt in den Finger

Vor 70 Jahren, am 15. März 1945, wurde Penicillin in Amerika für die Zivilbevölkerung eingeführt. „Zuvor gab es in den Krankenhäusern viele Patienten mit Blutvergiftungen, die sie sich bei einem Schnitt in den Finger oder einer Schramme am Knie zugezogen hatten - und die Ärzte konnten im Grunde wenig für sie tun“, erläutert Dr. Alexander Sigelen, Kurator der „Herzblut“-Ausstellung. „Die breite Verwendung von Penicillin war einer der wichtigsten Fortschritte in der therapeutischen Medizin und markiert den Beginn des Einsatzes der Antibiotika.“

Der schottische Mikrobiologe Alexander Fleming entdeckte das Penicillin 1928 eher zufällig: Eigentlich forschte er an der Londoner Universität zu Eitererregern und ließ eine Petrischale zu lange stehen - es kam zu Schimmelbildung. Doch rings um den Schimmel waren die Mikroben auf einmal verschwunden. Fleming folgerte, dass der Schimmel eine Substanz bildete, welche die Bakterien abtötete.

Mit Chemie gegen Infektionen

Ein Jahr später publizierte Fleming seine Entdeckung, die in der Fachwelt jedoch unbeachtet blieb - zu sehr war man zu dieser Zeit überzeugt, dass man gegen Infektionskrankheiten nur mit synthetischen chemischen Mitteln vorgehen könnte. Seit 1932 forschte man vor allem in Deutschland zu Sulfonamiden, mit denen sich Kindbettfieber, Lepra und Lungenentzündung bekämpfen ließen.

Erst Ernst Boris Chain, der 1933 vor den Nationalsozialisten aus Berlin nach England geflohen war, entdeckte die Studien von Fleming wieder. Chain und der Pathologe Howard Florey nahmen daher an der Universität von Oxford die Forschungen zum Schimmelpilz wieder auf.

Antibiotikum für US-Soldaten

Da eine Penicillin-Produktion in großem Stil auf den kriegsgebeutelten Britischen Inseln nicht möglich war, wurde sie 1941 in die USA verlegt. Vorerst blieb das neuartige Antibiotikum Soldaten vorbehalten. Außerdem gab es ein strenges Publikationsverbot für die Forscher, um zu verhindern, dass das Wissen um das Penicillin dem Feind in die Hände fiel.

Erst kurz vor Kriegsende gab die US-amerikanische Regierung daher den Wirkstoff für die eigene Zivilbevölkerung frei. Und über die Besatzungstruppen gelangte Penicillin schließlich auch nach Deutschland. Noch im selben Jahr wurden Fleming, Chain und Florey gemeinsam für ihre Entdeckung mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Die Ausstellung „Herzblut“ im Technoseum in Mannheim zeigt nicht nur die Rolle der Antibiotika für die moderne Medizin, sondern bietet mit  über 500 Exponaten einen Überblick über die moderne Medizingeschichte ab der Frühen Neuzeit. Sie sehen dort unter anderem eine historische Hausarztpraxis und den Behandlungsraum eines Zahnarztes aus den 1920ern. Die Schau läuft noch bis zum 7. Juni.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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