Hilfseinsatz in Bolivien

Ciao Karies - was für ein Abenteuer!

Mit einer Woche Verspätung kam ich am Samstag, den 24. Februar, in Sucre, Bolivien, an. Zunächst verbrachte ich das Wochenende in der Stadt, wo mich Ekkehard empfing, in Hinterhof-Restaurants führte, mir alle Sehenswürdigkeiten zeigte und den gemeinsamen Rumgenuss mit mir pflegte. Ein toller Start!

Ciao ciao Karies! Voller Körpereinsatz: Sophie Brössel, ich und Helena Wendisch bei der Präventions-Performance. Sophie Brössel

Nebenbei besprachen wir das Projekt im Einzelnen und trafen Vorbereitungen für die kommenden Tage und Wochen. Ich habe mich sofort sehr wohl gefühlt in Sucre - eine geschichtsreiche und pittoreske Stadt, weiß poliert im Gegensatz zum Rest Boliviens. Lockende Märkte, bestaunenswerte Aussichten und westliche Annehmlichkeiten machen einem das Ankommen leicht, und auch als erster Einsatzort erwies sich als Sucre ausgezeichnet, um sich in dem Land zurechtzufinden.

Ein wahrhaft königliches Erleben von aufbrausend zuckenden Stromschlagduschen und urig knarzendem Holz

Unterbringung war das Corona Real - ein wahrhaft königliches Erleben von aufbrausend zuckenden Stromschlagduschen und urig knarzendem Holz.

Der Berliner Zahnarzt Dr. Sebastian Geiger war mit dem Förderkreis Clinica Santa Maria e.V. in Bolivien (Sucre, Padilla und dem Umland) vom 26. Februar bis 23. März auf einem Hilfseinsatz. Neben Zahnbehandlungen in Schulen und in der fahrbaren Dentaleinheit Dentomovil entwickelte er mit seinem Team auch eine "Präventions-Performance".

Mit meinen beiden Projektpartnerinnen Sophie und Helena behandelten wir in einer Schule des Trägers Fe y Alegría, wo ich unsere Ausrüstung - bestehend aus über 10 Koffern - bereits aufgebaut und vorbereitet vorfand: eine mobile zahnärztliche Einheit mit Turbine, Mikromotor, Multifunktionsspritze und Polymerisationslampe, dazu ein eigentlich verstellbarer (aber in einer Position festgefahrener) Behandlungsklappstuhl, Absaugung und alle Instrumente für Kons, sowie einfache Chirurgie, ein Heißluft-Steri und Ultraschall für Zahnreinigungen.

Unser Dentomovil- alles drin, was man braucht. | Sophie Brössel

Dafür, dass alles ausgelegt ist, transportabel zu sein und man dementsprechend den ein oder anderen Kompromiss mit gelernten Grundsätzen zahnärztlicher Behandlung eingehen muss, war es doch erstaunlich, wie viel und gut ausgesuchtes Instrumentarium zur Verfügung stand. Die Schule stellte uns einen sauberen Raum zur Verfügung und die Schüler suchten uns nach Bedarf auf.

Sie kamen mit den fachlichen Anforderungen ebenso zurecht wie mit den sprachwitzigen Bemerkungen ihres Vorgesetzten

Es gab zwar bei den meisten Behandlungsbedarf, jedoch auch schon einige zu verzeichnende Vorbehandlungen, so dass wir neben (meist Milchzahn-)Extraktionen, Füllungen und Zahnreinigungen auch (erweiterte) Fissurenversiegelungen durchführten.

Helena, Sophie und ich spielten uns schnell ein, hatten viel Spaß bei den Behandlungen, und nach anfänglicher Zurückhaltung wuchs ihr Selbstbewusstsein schnell an, so dass sie kompetent Behandlungsentscheidungen und -durchführungen beherrschten und im gleichen Zuge die unangebrachten, sprachwitzigen Bemerkungen ihres Vorgesetzten bezwangen.

Meist wechselten wir uns bei den Behandlungen ab, die Zahnreinigungen wurden von je einer der beiden ebenfalls im Wechsel durchgeführt. Mittags war der Mercado el Morro unser Favorit um zünftige Mahlzeiten zu genießen, Schwätzchen mit den Marktfrauen über Obstspezialitäten abzuhalten und nebenbei Blumen zu kaufen.

Die nächste Etappe führte uns nach Padilla, eine „Stadt“, etwa 4 Stunden Busfahrt von Sucre. Wir packten unsere Koffer und die 13 Kisten, um in eine von Bolivia movil bisher noch nicht erschlossene Region vorzudringen. Das ist schon echt ein tolles Gefühl, all die notwendigen Utensilien für eine zahnmedizinische Behandlung in einem Reisebus zu verstauen, um sie dann ein paar Hundert Kilometer weiter wieder auszupacken und bereit zu sein für die nächsten Patienten. Dieses Gefühl sollte uns auch die anschließenden Wochen begleiten und macht das Projekt wirklich charmant.

In Padilla übernachteten wir in der Herberge direkt im Markgebäude, eine Unterkunft, die wir schnell lieben lernten, ob der reichhaltigen und nahgelegenen kulinarischen Angebote.

Einige Zeit verloren wir mit der Auseinandersetzung mit dem dortigen Aktensystem

Die ersten Tage in Padilla behandelten wir im Hospital, wo wir auf die dortigen Zahnärzte und Internos trafen, die sehr hilfsbereit und entgegenkommend waren. Wieder wurde uns ein Raum zugewiesen, um unseren Behandlungsplatz aufzubauen.

Wir stellten jedoch schnell fest, dass die Patienten, die uns von der Klinikorganisation zugewiesen wurden, eigentlich auch genauso gut in den zwei dortigen Consultorios hätten behandelt werden können, und dass wir einige Zeit verloren mit dem sich Bekanntmachen des dortigen Aktensystems.

Sie sind neugierig, auf das, was kommt. | Sophie Brössel

Wie immer, wenn etwas zum ersten Mal organisiert beziehungsweise durchgeführt wird, muss man eben noch Verbesserungen vornehmen, und so lag es an uns, diese in Absprache mit der Klinikleitung und den Zahnärzten zu meistern ...

Ein vor der Klinik stehendes Auto erhaschte schon bereits am Ankunftstag unsere Aufmerksamkeit und schwang sich schnell zum auserkorenen Objekt unserer Begierde empor: Es war noch nicht ganz einsatzfähig und schon länger außer Betrieb, doch es wurde erstaunlich schnell fit gemacht für uns, und so stand einem Einsatz in dieser fahrbaren Behandlungseinheit nichts mehr im Wege. Wir entschieden uns je zwei Tage vor die dort befindlichen Schulen zu fahren und unsere Behandlungen den Schülern direkt vor Ort anzubieten.

Wir wurden wirklich toll unterstützt vom Hospital Padilla, dessen Zahnärzte, Internos und sonstige Mitarbeiter tatkräftig bei der Koordination, den Fahrten und der Bewältigung des Papierkrams halfen. Die Schüler in Padilla hatten unsere Behandlungen durchaus etwas mehr nötig, als jene in Sucre. Unser Behandlungsschwerpunkt verschob sich mehr in Richtung Schmerzbehandlung beziehungsweise Zahnextraktionen, da viele stark zerstörte Zähne vorzufinden waren.

Abends entwickelten wir eine Performance zu Mundhygiene und zahnmedizinisch relevanten Ernährungsempfehlungen

Zusätzlich entwickelten wir abends eine Performance zum Thema Mundhygiene und zahnmedizinisch relevanten Ernährungsempfehlungen, mit der wir den Schülern vor allem etwas in kariesprophylaktischer Hinsicht beibringen wollten. Das war ein großer Spaß!

Am Wochenende standen Abendprogramm mit den Internos/Singani an sowie eine zauberhafte Wanderung mit Mireya, einer der Zahnärztinnen und ihren zwei Töchtern und zwei Lieblingshunden.

Die letzte Behandlungswoche war ebenfalls ein Novum dieses Projekts und führte uns an sechs Tagen in vier unterschiedliche Orte. Wir packten erneut unsere Behandlungsausrüstung ein und fuhren mit einem 4x4-Jeep eine abenteuerliche Straße aus Bächen und Schlammlawinen, zunächst bis Tihumayu - klimatisch eher Regenwaldzone und dementsprechend heißer, moskitoreicher und grüner. Wir kamen im dortigen Mini-Hospital unter, wo wir die Krankenbetten für zwei Nächte bezogen.

Helena und ich während einer Behandlung auf engstem Raum. | Sophie Brössel

Erneut bauten wir unseren Behandlungsplatz auf und im Team mit dem dortigen Zahnarzt formten wir zwei Zweieruppen, um noch mehr Patienten behandeln zu können. Es war hier, wie auch an anderen Orten, sehr spannend, zu sehen, wie die dortigen Zahnärzte arbeiten.

Rückwendend haben sich auch circa 40 Moskitos bei mir für das Essen bedankt

Der Austausch auf fachlicher Ebene hat sicherlich beide Seiten weitergebracht und allen Spaß gemacht. Wir wurden sehr nett bekocht und rückwendend haben sich circa 40 Moskitos bedankt, die meine Beine innerhalb einer halben Stunde ebenfalls zum Mittagsmahl nahmen. Das sich in den folgenden Tagen anschließende Ödem mit satter Entzündungsreaktion hatte es in sich, und ich möchte jedem von Herzen empfehlen, genug Repellentien mitzunehmen. Eventuell auch ein Moskitonetz (manchmal nicht leicht anzubringen), denn Malaria, Dengue und Zika machen dort die Runde.

Die letzten Zähne gefüllt, gezogen, gereinigt - und schon war diese wunderbare Zeit zu Ende!

Nächste Station war Rosal für einen Tag. Wieder so ein Mini-Hospital, und wieder viele Menschen, die auf eine Behandlung warteten. Danach zwei Tage in Tabacal, ein verträumtes Dorf am Fluss, wo wir auch mit dem dortigen, sehr netten Zahnarzt kooperierten und nochmals eine Prophylaxe-Performance in der Schule vorführten. Unser letzter Behandlungstag war dann in Lampicillos, 20 Minuten Autofahrt von Padilla, wo wir letztmals im Dentomovil behandelten. Die letzten Zähne gefüllt, gezogen, gereinigt - und schon war diese wunderbare Zeit zu Ende! Wir mussten anschließend nur noch zurück nach Sucre, um alle Ausrüstung zu verstauen.

Gerne will ich mich stark machen für einen erneuten Einsatz in der Region Padilla. Meiner Meinung nach könnte man die Zeit in Tihumayu, Rosal, Tabacal und Lampicillos noch verlängern, da dort wohl eine zahnärztliche Versorgung im Vergleich am nötigsten ist, und auch da es logistisch und organisatorisch einfacher ist, mehr Zeit an einem Ort zu verbringen, anstatt alle ein bis zwei Tage auf- und abzubauen. Dementsprechend wäre eine Behandlungswoche in Padilla, sowie zwei „mobile“ Wochen in den anderen Orten als gutes Szenario vorstellbar.

Es war eine unvergessliche Zeit, und ich möchte hiermit gerne noch einmal Danke sagen an alle, die mitgeholfen haben: Ekkehard, der als Hauptverantwortlicher und nimmermüder Einsatzeigender alles möglich macht, und ohne den es das Projekt ja gar nicht gäbe. Wirklich tausend Dank dir für deine Arbeit!! Die Zahnärzte/Internos in Padilla: Mireya, Sonia, Adalit, Vito und Brayan für die tolle Unterstützung vor Ort. Auch Aiden und Mayer in Tihumayu beziehungsweise Tabacal, die uns ebenfalls sehr geholfen haben. Genauso Don Arturo gilt mein Dank für seine Organisationsarbeit.

Finalmente quiero decir muchisimas gracias a Sophie y Helena!!!!!! Ich bin echt dankbar, euch getroffen zu haben, und dass so eine tolle Freundschaft entstanden ist mit euch. Ihr seid zwei richtig tolle Menschen, und ich bin sehr stolz auf euch und eure Entwicklung während des Projekts! Auf bald!

Dr. Sebastian Geiger, Berlin

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