Medizin

Simulanten helfen Medizinstudenten mit Patienten

Wie spreche ich mit meinen Patienten? Welchen Ton muss ich anschlagen? Und überhaupt: Wie gehe ich am besten mit ihnen um? Ein Simulationsprogramm soll Medizinstudenten auf ihren Arztalltag vorbereiten.

Empathie können angehende Ärzte lernen - zum Beispiel von Simulanten. Ein Schauspieler hat die Krankheitsbilder so echt dargestellt, dass er in den OP gebracht wurde. picture_alliance

"Wo haben Sie Schmerzen? Seit wann haben Sie diese Schmerzen?", wird eine Patientin mit starken Atembeschwerden in der Notaufnahme gefragt. Dies ist eine typische Situation bei den Simulationskursen an der Uniklinik Essen. Wichtig ist, dass der Arzt die Patientin versteht und die richtige Diagnose stellt.

Das Ziel: interkulturelle Kompetenzen zu verbessern

Um dies im späteren Berufsleben zu gewährleisten, wird in den Kursen nun ein neuer Schwerpunkt gesetzt. Es geht darum, die Sprachkompetenz, vor allem bei ausländischen Studenten, zu verbessern. Ziel ist ein besseres Verständnis zwischen Ärzten und Patienten aus verschiedenen Kulturen.  

An der Medizinfakultät der Universität Duisburg-Essen werden schon seit einem Jahr angehende Ärzte auf ihren Beruf vorbereitet. Neben einem sehr großen Hörsaal, Seminarräumen und Büros gibt es eine sogenannte Simulationsarena. Bei den Kursen sind die Simulationspatienten die Hauptpersonen: Sie imitieren Krankheitsbilder, ahmen Symptome nach und haben täuschend echt geschminkte Wunden.

Ziel der Simulationskurse ist, die möglichen Situationen aus dem Arztalltag möglichst realistisch darzustellen. Dazu zählt auch ein Notfalleinsatz auf der Straße. "Wir projizieren Filme an die Wand und erzeugen Nebengeräusche", sagt Sprecherin Christine Harrell. 

Überzeugende Simulanten

Die Simulationspatienten sind Schauspieler von der Folkwang Schule in Essen. Zum Teil sind auch Laienschauspieler dabei. Es sei aber wichtig, dass sie längerfristig an dem Projekt mitmachen, sagt Harrell. "Die Schauspieler simulieren die Krankheitsbilder so echt", betont sie. Das sei sogar in einer echten Notaufnahme getestet worden. Ein Darsteller habe die Symptome dort so überzeugend simuliert, dass er in den OP gebracht wurde. 

"Der Hintergrund des Simulationsprogramms ist die empathische Kommunikation mit Patienten", erklärt Harrell. Die Studenten sollen lernen, sich in die Situation ihrer Patienten einzufühlen. Außerdem geben die Schauspieler den Studierenden ein Feedback. Wie die ärztliche Leiterin des Programms, Stefanie Merse, erklärt, ist das eine sehr wichtige Erfahrung für die angehenden Ärzte, da sie eine solche Rückmeldung im wahren Berufsleben nur noch sehr selten erhalten.  

Empathie für die Patienten

Wie überbringe ich Patienten und Angehörigen die Nachricht von einer schlechten Diagnose? Auch das lernen die Studenten in der Simulationsarena. Oder auch, wie sie mit übergewichtigen Menschen umgehen. Denn immer mehr Männer und Frauen sind zu dick. Für diese Simulation schlüpft der Schauspieler in einen speziellen Adipositasanzug und hat damit 20 Kilogramm mehr auf den Rippen.   Sprecherin Harrell hat selbst einen solchen Anzug anprobiert - und hatte plötzlich Probleme etwa beim Anziehen von Schuhen und beim Laufen. "Für Leute, die normalgewichtig sind, ist das sehr beeindruckend", lautet ihr Fazit.  

Die Studenten profitieren von dem Programm. Viele Ehemalige erkennen die Vorteile dieser Kurse im Beruf. Bahar Nokay aus der Türkei ist Assistenzärztin am Uniklinikum und hat während des Studiums viel Empathie und Verständnis erlernt, sagt sie. "Man muss Sensibilität und Bewusstsein für den Patienten entwickeln", nur so werde man als Ärztin angenommen.

von Laura Micus, dpa

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