Merkel-Nachfolge

Zwölf Bewerber buhlen um CDU-Vorsitz

Medienberichten zufolge bewerben sich doppelt soviel Kandidaten um den Bundesvorsitz der CDU wie bisher bekannt: zwölf statt sechs. Die Namen der sechs "Neuen" sind bislang aber noch nicht bekannt.

Vom 7. bis 8. Dezember fallen beim CDU-Bundesparteitag in Hamburg die Würfel. Dann bestimmen 1.001 Delegierte über den Vorsitz ihrer Partei. Adobe Stock - artefacti

Am Sonntag meldeten "Bild" und "FAZ", dass sich mittlerweile zwölf Männer und Frauen um den Vorsitz der CDU Deutschlands bewerben. Quellen für beide Berichte sind Teilnehmer einer zweitätigen CDU-Vorstandsklausur in Berlin. Die zm hatten die bisherigen Kandidaten bereits vorgestellt.


Kandidaten um den CDU-Vorsitz

Prof. Dr. DDr. h.c. Herdegen (61) wurde 1957 im oberfränkischen Schwarzenbach am Wald geboren. Von 1976 bis 1981 studierte er in Heidelberg und Cambridge. In Heidelberg promovierte er zwei Jahre später zum Dr. jur. utr. (Doktor des Zivil- und des Kirchenrechts). 1989 habilitierte sich Herdegen dort.

Herdegen leitet als Direktor das Institut für Öffentliches Recht und für Völkerrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Universität Bonn. Er ist Mitglied im Human Rights Committee der International Law Association; außerdem seit 2010 im Beirat für Biodiversität und genetische Ressourcen des Bundeslandwirtschaftsministeriums und seit 2012 im Sechsten Beirat der Bundesakademie für Sicherheitspolitik. Herdegen sitzt auch in der Kommission für Parlamentsrechte bei Bundeswehr-Auslandseinsätzen. Er ist Inhaber mehrerer ordentlicher Professuren und einer Honorarprofessur.

Seine Kandidatur um den CDU-Vorsitz gab der Oberfranke bereits am 6. Oktober gegenüber der "Welt" bekannt, also knapp zwei Wochen vor Merkels Ankündigung, sich nicht wieder zur Wahl um den Parteivorsitz stellen zu wollen. 

Mathias Herdegen (hier bei einer Vorlesung über "The International Regulation of Biotechnology") | UN Audiovisual Library / Screenshot zm_mth

Jan-Philipp Knoop (26) wurde 1992 in Berlin geboren. Er studiert Jura an der Freien Universität Berlin und ist seit 2014 Mitglied in der CDU. Im Ortsverband Kleistpark im Berliner Kreisverband Tempelhof-Schöneberg bekleidet er das Amt des Social-Media-Beauftragten.

Ob seine Kandidatur überhaupt satzungsgemäß ist, scheint jedoch fraglich. "In der CDU Deutschlands hat grundsätzlich jedes Mitglied das Recht, an Wahlen teilzunehmen", schrieb ihm zwar Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf seine Anfrage hin, wie die Berliner Morgenpost berichtete. Dies gelte nach Paragraf 6 Absatz l des Parteistatuts aber nur im Rahmen der Gesetze und der satzungsrechtlichen Bestimmungen.

Dazu gehöre, dass die Kandidatur eines Vorschlags bedarf: Im Vorfeld des Parteitags durch die Vorstände der zum Parteitag antragsberechtigten Gliederungen oder Bundesvereinigungen; auf dem Parteitag selbst durch eine stimmberechtigte Delegierte oder einen stimmberechtigten Delegierten des Parteitags. "Ein Eigenvorschlag genügt nicht", schreibt die Generalsekretärin.

Dies aber zweifelt Knoop an. "Im Statut steht das Prozedere nicht beschrieben", sagte der Jurastudent dem Blatt. "Es scheint sich lediglich um ein Gewohnheitsrecht zu handeln."

 

Jan-Philipp Knoop | Twitteraccount @KNOOP_JP / Screenshot zm_mth

Annegret Kramp-Karrenbauer (56) wurde 1962 im saarländischen Völklingen geboren. Von 1982 bis 1990 studierte sie Rechts- und Politikwissenschaften an den Universitäten Trier und Saarbrücken. Bereits 1981 trat sie in die CDU und in die Frauenunion (nach eigener Aussage eine "Lobby für die Anliegen von Frauen in der CDU und in der Politik") ein. Zwischen 2000 und 2004 hatte sie das Amt der Ministerin für Inneres und Sport im kleinsten Flächenbundesland inne und war damit die erste Innenministerin Deutschlands.

Seit 2011 ist Kramp-Karrenbauer Mitglied im Bundesvorstand der CDU. Im selben Jahr wurde sie Ministerpräsidentin des Saarlandes. Dieses Amt übte sie bis Februar 2018 aus. Seitdem ist die Saarländerin als Generalsekretärin ihrer Partei in Berlin tätig.

Annegret Kramp-Karrenbauer | CDU / Laurence Chaperon

Friedrich Merz (62) wurde 1955 im sauerländischen Brilon geboren. 1982 legte er das erste juristische Staatsexamen ab, 1985 das zweite. Gleich im Anschluss war er bis 1986 als Richter am Amtsgericht Saarbrücken beschäftigt. 1986 erhielt Merz seine Zulassung als Rechtsanwalt; bis 1989 arbeitete er beim Verband der Chemischen Industrie. Zwischen 1989 und 1994 war der Sauerländer Mitglied des Europäischen Parlaments und dort unter anderem Teil der Delegation für die Beziehungen zu Malta beziehungsweise der "Delegation im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EG-Malta" sowie Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft, Währung und Industriepolitik.

Danach war Merz bis 2009 Mitglied des Bundestages, dort zudem von Februar 2000 bis September 2002 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion. Im Februar 2007 erklärte er, wegen parteiinterner Differenzen bei der nächsten Bundestagswahl nicht erneut zu kandidieren.

Auch nach seinem Ausscheiden aus Mandat und Amt war Friedrich Merz politisch tätig: seit Juli 2009 als Vorsitzender der Atlantik-Brücke, seit 2012 im Senat der Deutschen Nationalstiftung, zwischen Oktober 2014 und September 2015 in der CDU-Kommission "Zusammenhalt stärken – Zukunft der Bürgergesellschaft gestalten. 

Seit 2005 arbeitet Friedrich Merz im Düsseldorfer Büro der internationalen Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown LLP, seit 2014 als "Senior Counsel". Seine Schwerpunkte sind Gesellschaftsrecht, Mergers & Acquisitions (Fusionen und Übernahmen), Bank- und Finanzrecht, Compliance (Einhaltung von Gesetzen, Richtlinien, Kodizes). Anfang 2016 übernahm Merz den Aufsichtsratsvorsitz der deutschen Tochtergesellschaft von Blackrock, der größten Fondsgesellschaft der Welt. n-tv.de zufolge würde er - anders als zuvor vom "Spiegel" berichtet - im Fall einer Wahlniederlage diese Funktion behalten dürfen. "Wenn er nicht Vorsitzender der CDU wird, würden wir es sehr begrüßen, wenn er weiterhin mit Blackrock zusammenarbeitet", zitiert das Nachrichtenportal Blackrock-Chef Larry Fink.

Dr. Andreas Ritzenhoff (61) studierte nach einem Orientierungspraktikum im Krankenhaus Medizin: Zuerst in Antwerpen und Brüssel (beides Belgien), danach in Heidelberg, wo er auch promovierte. Sein praktisches Jahr verbrachte er in Santiago de Chile. Einem Medienbericht zufolge sei er dabei "der Einladung eines Priesters" gefolgt und habe "zunächst in einer kleinen Kongregation inmitten eines Slums" gelebt.

Von 1984 bis 1986 war Ritzenhoff Assistenzarzt für Innere Medizin am Universitätsklinikum Düsseldorf. Anschließend trat er in die Firma seines Vaters ein, einem mittelständischen Unternehmen im hessischen Marburg. Nach eigenen Angaben ist es "Weltmarktführer im Bereich der Aluminiumdesignprodukte" und stellt "dekorative Komponenten für die Kosmetikbranche, Schreibgeräteindustrie, den Pharmabereich und auch den Automobilsektor her". Ein Werk produziert sogenannte nachhaltige LED-Leuchten. Seit 1991 ist Ritzenhoff geschäftsführender Gesellschafter seines Unternehmens.

Der CDU trat er erst Anfang 2018 bei. Ritzenhoff ist außerdem Mitglied des Kuratoriums Universitätsbund der Philipps-Universität Marburg und Gründungsmitglied der Initiative Bio- und Nanotechnologie Marburg. 2014 wurde ihm vom "Harvard Club of Germany" der Deutsche Unternehmerpreis verliehen.

Jens Spahn ist Bankkaufmann und Politikwissenschaftler (Abschluss Master of Arts). Er wurde 1980 in Ahaus im Münsterland geboren und 2002 zum ersten Mal für den Wahlkreis Steinfurt I / Borken I in den Deutschen Bundestag gewählt. Von 2009 bis 2015 war er gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, von Juli 2015 bis März 2018 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen. Am 14. März 2018 wurde er als Bundesgesundheitsminister vereidigt. 

1995 trat Spahn in die Junge Union und 1997 in die CDU ein. Seit 2012 ist der Münsterländer Mitglied im Bundesvorstand der CDU und wurde 2014 auf dem Bundesparteitag in Köln in das CDU-Präsidium gewählt.

Jens Spahn | BMG


Um wen es sich bei den anderen sechs handelt, ist noch nicht bekannt. "Bild" zitiert einen der Klausurteilnehmer mit "Die kennt hier niemand".

Offiziell bekanntgegeben wurde hingegen, dass neun bis zehn Regionalkonferenzen geplant seien, um die Kandidaten einer möglichst breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Die stellvertretende CDU-Parteivorsitzende Julia Klöckner schrieb dazu auf Twitter: "Regionalkonferenzen bedeutet, Partei kommt zu ihren Mitgliedern vor Ort. Raus aus Berlin, Vorstellung der Kandidaten in den Regionen Deutschlands." Dies sei ein "motivierendes und mobilisierendes Element für die CDU".

Kanzlerin Angela Merkel wird sich im Dezember nicht wieder zur CDU-Vorsitzenden wählen lassen. Einer der Bewerber um die Nachfolge: Gesundheitsminister Jens Spahn. Wir stellen ihn und 5 weitere Kandidaten vor.

mehr

18975921878034187803018780311897593 1897594 1878032
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare