Stiftung Warentest

Arzneimittel aus dem Netz: Beratung Mangelware

7 von 18 Versandapotheken sind bei einem Test der Stiftung Warentest als mangelhaft eingestuft worden, zwei weitere als ausreichend. Schwach sei vor allem die fehlende Beratung.

Wie gut sind Versandapotheken? Stiftung Warentest hat 18 Anbieter, davon drei aus dem EU-Ausland, im Zeitraum von Mai bis August 2017 von Stiftung Warentest geprüft. Das Ergebnis: ernüchternd. Fotolia - shock

Das Verbrauchermagazin Stiftung Warentest stellt den Versandapotheken kein gutes Zeugnis aus: Sogar die, die im Test am besten abschnitten, wurden nur als befriedigend eingestuft.


Die Testergebnisse

9 von 18 getesteten Versandapotheken wurden als befriedigend eingestuft:

Testsieger mit der Gesamtnote 2,7 ist "Europa-Apotheek.com". In der Kategorie "Fachliche Qualität" schafft es die Versandapotheke auf die Note 2,7 - für Service gibt es eine 2,5 und für die Website eine 3,1.

Mit der Gesamtnote 3,0 wurde jeweils die "Shopapotheke.com" (Fachliche Qualität: 3,1; Service 2,6; Website: 3,3) sowie "Versandapo.de" (Fachliche Qualität: 3,3; Service 2,7; Website: 2,5) bewertet.

Ebenfalls als befriedigen gilt "Deutscheinternetapotheke.de" mit einer Gesamtnote von 3,1 (Fachliche Qualität 3,5; Service 2,3; Website 3,1).

"Docmorris.de" schafft es mit einer Gesamtnote von 3,2 im Ranking auf Platz 5: Die Versandapotheke hat einen guten Service (2,2) und eine befriedigende Website (3,1), ist bei der fachlichen Qualität jedoch nur ausreichend (3,8).

Ganz ähnlich präsentiert sich "Medpex.de" mit der Gesamtnote 3,2: Der Service des Anbieters ist mit einer 1,5 sogar als sehr gut bewertet, in der Kategorie "Fachliche Qualität" gibt es jedoch nur ein ausreichend (3,9) und bei der Website eine 2,8.

"Sanicare.de" hat eine Gesamtnote von 3,2 (Fachliche Qualität: 3,5; Service: 2,3; Website: 3,1)."Aponeo.de" recht ähnlich mit einer Gesamtnote von 3,3 (Fachliche Qualität: 3,6; Service: 2,5; Website: 3,3) sowie "Medikamente-per-klick.de" mit einer Gesamtnote von 3,4 (Fachliche Qualität: 3,6; Service: 3,2; Website: 2,9).

Als ausreichend bewertet wurde die Versandapotheke "Apo-rot.de" mit einer Gesamtnote von 3,7 (Fachliche Qualität: 3,8; Service: 3,2; Website: 3,9) sowie "Juvalis.de" mit einer Gesamtnote von 3,7 (Fachliche Qualität: 4,1; Service 2,9; Website: 3,3).

Sieben Versandapotheken wurden als mangelhaft eingestuft. Dazu gehören: "Apodiscounter,de", "Apotal.de, "Mycare.de", "Eurapon.de", "Berlindaversandapotheke.de"; "Besamex.de" sowie "Delmed.de".

Alle genannten Versandapotheken zeichneten sich im Test durch eine mangelhafte fachliche Qualität aus.


Als größte Schwachstelle erwies sich insbesondere die mangelnde fachliche Beratung. Damit verhalten sich viele Versender klar pflichtwidrig, schreibt Stiftung Warentest. Sowohl von Apotheken vor Ort als auch von Versandapotheken verlangt die Apothekenbetriebsordnung bei der Abgabe von Medikamenten nämlich ausdrücklich „Information und Beratung“ - auch zu Neben- und Wechselwirkungen. Genau dies konnten die Testkunden jedoch nicht bestätigen.

Beispiel 1: zu hohe Kaliumkonzentration
Stiftung Warentest berichtet von einem eingesandten Rezept über ein Arzneimittel, das als Nebenwirkung den Kaliumspiegel im Blut erhöhen kann. Zugleich wurde von der Testkundin das Nahrungsergänzungsmittel Magium K forte bestellt, das bereits Kalium erhält. Nimmt man beides zusammen ein, besteht die Gefahr eines stark steigenden Kaliumspiegels im Körper. Schlimmstenfalls folgen daraus bedrohliche Herzrhythmusstörungen. Für die Tester wäre hier ein Hinweis darauf angezeigt gewesen. „Doch es kam nichts. Keine geprüfte Versandapotheke warnte die Testkundin“, so das Ergebnis.

Beispiel 2: Rezepte von verschieden Ärzten
Ein Tester schickte zwei Rezepte von verschiedenen Ärzten ein. Auf dem einen stand laut Stiftung Warentest der Cholesterinsenker Atorvastatin, auf dem anderen ein Wirkstoff gegen Herzrhythmusstörungen namens Amiodaron, der die Effekte der ersten Substanz verstärken, so dass es zum Abbau von Herzmuskelgewebe kommen kann. Ergebnis: Nur jeder zweite Versender wies auf die Wechselwirkung hin.

Beispiel 3: Ibuprofen und Diclofenac
Ein Arzt hatte ein Rezept über Ibuprofen ausgestellt, ein anderer eines mit Diclofenac. Beide Medikamente zählen zur gleichen Gruppe von Schmerzmitteln, mit ähnlichen Nebenwirkungen. Nimmt man sie zusammen ein, droht die Gefahr einer Überdosierung. Im Ergebnis wies allerdings nur ein einziger Versender, Medikamente-per-click, darauf hin: Ein Apothekenmitarbeiter rief den Probanden an und riet, nur eines der Mittel einzunehmen.

 


Die Methode

 

Um den pharmazeutischen Fachverstand der Apotheken zu prüfen, stellten die Tester den Versendern verdeckt sieben Aufgaben. Dabei ging es um Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, Selbstmedikationswünsche und die Aktualisierung des Medikationsplans.

Drei Tester sandten dazu jeweils Rezepte ein und bestellten teilweise noch zusätzlich rezeptfreie Mittel. Drei Tester ließen sich telefonisch zu rezeptfreien Mitteln beraten. Einer schickte eine Anfrage per Kontaktformular bzw. per E-Mail.

Aufgabe 1: Apothekenmitarbeiter sollten Wechselwirkungen zwischen dem Nahrungsergänzungsmittel Magium K forte und den rezeptpflichtigenMitteln Candesartan und Spironolacton erkennen.

Aufgabe 2: Hinzuweisen war auf eine Wechselwirkung zwischen den Wirkstoffen Atorvastatin und Amiodaron auf zwei verschiedenen Rezepten.

Aufgabe 3: Die Versender sollten eine doppelte Verordnung ähnlich wirkender Medikamente erkennen, da sonst Überdosierungen drohen.

Aufgabe 4: Die Mitarbeiter sollten zu rezeptfreien Schmerztabletten mit dem Wirkstoff Diclofenac beraten.

Aufgabe 5: Gefragt war Beratung zu einem rezeptfreien Ginkgo-Präparat bei zunehmender Vergesslichkeit. Dabei war eine Wechselwirkung mit dem Blutverdünner Marcumar zu beachten.

Aufgabe 6: Die Mitarbeiter sollten zu rezeptfreien "Augenvitaminien" bei nachlassender Sehkraft beraten.

Aufgabe 7: Versender sollten den Medikationsplan eines Patienten aktualisieren und dabei auf Wechselwirkungen achten.

Für diesen Prüfpunkt bestellten die Tester jeweils drei rezeptfreie und rezeptpflichtige Medikamente. 

Erreichbarkeit und Beratungsangebote: Es wurde überprüft, ob Versandapotheken eine deutlich erkennbare Telefonnummer zu pharmazeutischen Beratung anbieten und zu welchen Zeiten sie telefonisch erreichbar sind. Ferner wurde bewertet, ob Versender sicherstellen, dass Kunden bei Bestellungen ihre eigene Telefonnummer für Rückfragen und Beratungsbedarf übermitteln.

Lieferzeiten: Bewertet wurde die Anzahl der Werktage von der Bestellung bis zur Zustellung.

Vollständigkeit und Richtigkeit der Lieferung: Geprüft wurde, ob alle sechs Bestellungen korrekt ausgeführt wurden und ob der Kunde im Paket eine Rechnung erhielt.

Päckchenaufschriften und Aushändigung: Bewertet wurde unter anderem, mit welchen Maßnahmen der Anbieter sicherstellt, dass das Paket nur an den Besteller oder von ihm benannte Personen und außerdem nicht an Minderjährige geliefert wird.

Bestell- und Zahlungsservice: Geprüft wurde unter anderem die Auswahl an Bestell- und Zahlungsmöglichkeiten sowie die Rechnungs- und Zahlungsabwicklung.

Information und Aufbau: Zwei Experten sichteten unter anderem die Bündelung der Inhalte, die Navigation und Suchfunktionen, die Warenkorbnutzung und ob die Schritte beim Bestellvorgang transparent angezeigt werden und ob Werbung die Wahrnehmung relevanter Informationen beeinträchtigt.

Umgang mit Nutzerdaten: Geprüft wurde die Verschlüsselung der gesendeten Daten beim Registrieren, Bestellen sowie beim Nutzen von Kontaktformularen. Zudem wurden die Datenschutzerklärungen begutachtet.


Besser schnitten die Versandapotheken dagegen beim Service ab, zwei Anbieter, "Medpex.de" (Gesamtnote 3,2) und "Mycare.de" (Gesamtnote 4,7) erhielten die Note sehr gut, die übrigen gut bis befriedigend. „Die Päckchen“, schreibt Stiftung Warentest, „enthielten stets den korrekten Inhalt und die meisten kamen nach wenigen Tagen an.“

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