KBV- und ZI-Trendreport

COVID-19: "Der ambulante Schutzwall hat funktioniert!"

Die niedergelassene Ärzteschaft habe in der Corona-Krise ihre Leistungsbereitschaft und -fähigkeit unter Beweist gestellt, bilanzierte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen.

Ergebnis des Reports: Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten waren in der Phase maximaler Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektionen für die Patienten zur Stelle. Adobe Stock_ เลิศลักษณ์ ทิพชัย

"Insgesamt kamen im März 2020 rund 350.000 Tests auf eine COVID-19-Infektion sowie rund 850.000 Behandlungsanlässe zur Versorgung einer Infektion oder eines Infektionsverdachts zusammen“, sagte er.  anlässlich der Veröffentlichung eines ersten Trendreports des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) zur Entwicklung der ärztlichen Leistungen im ersten Quartal 2020.

Die Zahlen entkräften die Vorwürfe

Der Report basiert auf den ärztlichen Abrechnungsdaten aus 14 der 17 Kassenärztlichen Vereinigungen und nimmt die ärztliche Versorgung in der Expansionsphase der COVID-Krise im März 2020 unter die Lupe. Ein ausführlicher Bericht für das erste Halbjahr 2020 soll bald folgen.

Die Zahlen des Reports widersprechen auch Aussagen der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft . Dort wurden Vorwürfe geäußert, der ambulante Sektor sei angesichts der Belastungen in der Corona-Krise seinen Aufgaben nicht nachgekommen.

Großer Versichertenansturm in der ersten Märzhälfte

„Die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten waren in der Phase maximaler Ausbreitung der SARS-CoV-2-Infektionen für die Versicherten zur Stelle,“ betonte Dr. Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zi. Die Auswertung der Abrechnungsdaten zeige einen großen Ansturm der Versicherten auf alle Vertragsarztpraxen in der ersten Märzhälfte 2020.

Zweistellige Fallzahlzuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum

„Wir sehen in dieser Zeit durchweg zweistellige Fallzahlzuwächse gegenüber dem Vorjahreszeitraum“, berichtete von Stillfried. „Diese gehen auch mit Vorzieheffekten bei den Arzneiverordnungen für die von COVID-19 besonders gefährdeten Patientengruppen einher, über die wir bereits an anderer Stelle berichteten. Ab dem Zeitpunkt der Schulschließung Mitte März blieben die Menschen dann zunehmend konsequent zuhause und in den Praxen brachen die Fallzahlen ein. Je nach Fachrichtung lag der Fallzahlrückgang mit persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt in der letzten Märzwoche zwischen 37 und 64 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.“

Dabei könne der beobachtete Rückgang in der Leistungsinanspruchnahme nicht darauf zurückgeführt werden, dass die niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in ausreichendem Maße für ihre Patienten zur Verfügung standen. An den Abrechnungsdaten ist laut Report abzulesen, dass die Anzahl abrechnender Ärzte sich nur gering im Vergleich zum Vorjahreszeitraum unterscheidet. So rechneten etwa Hausärzte zwar in der dritten Märzwoche 12 Prozent und in der vierten Märzwoche 39 Prozent weniger Fälle als im Vorjahreszeitraum ab. Die Anzahl abrechnender Hausärzte lag in der dritten Woche aber um zwei Prozent über dem Vorjahreszeitraum und hat sich in der letzten Märzwoche nur um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verringert.

"Kurz: Die Ärzte waren präsent"

Konkret bedeute das, dass in den 14 KV-Regionen in der dritten Märzwoche rund 37.900 Hausärzte tätig waren; rund 760 Hausärzte mehr als im Vorjahreszeitraum rechneten dabei einen Fall mit Patientenkontakt ab. Vergleichbare Effekte zeigten sich in der fachärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung. Obwohl die Augenärzte beispielsweise einen Fallzahlrückgang von 64 Prozent in der letzten Märzwoche hinnehmen mussten, hat sich die Anzahl abrechnender Augenärzte um nur etwa 6 Prozent reduziert. „Kurz: Die Ärzte waren präsent“, erläuterte von Stillfried.

Videosprechstunden nehmen zu, Früherkennungen ab

„Der Bericht zeigt eindrucksvoll, dass die Sicherstellung der haus- und fachärztlichen Versorgung während der kritischen Pandemiephase trotz zunächst mangelnder Schutzausrüstung gewährleistet wurde. Er belegt auch die Flexibilität der ärztlichen Versorgung“, kommentierte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, und verwies auf einen Anstieg der Hausbesuche im organisierten Notdienst in der zweiten Märzhälfte sowie die erhebliche Zunahme der Fälle mit Videosprechstunde und solche mit ausschließlich telefonischer Beratung, die einen beträchtlichen Teil des beobachteten Fallzahlrückgangs insbesondere in der hausärztlichen Versorgung ausgleichen konnte. Hofmeister zeigte sich aber auch besorgt über massive Leistungseinbrüche bei Früherkennungsmaßnahmen und Versorgungsleistungen für chronisch Kranke. „Der aktuelle Pandemieverlauf erlaubt es, versäumte Kontrollen jetzt nachzuholen. Sollte dies ausbleiben, wäre das durchaus mit erheblichen gesundheitlichen Risiken für die Versicherten verbunden“, betonte Hofmeister.

Im März 2020 breitete sich die COVID-19-Pandemie in Deutschland aus; der Scheitelpunkt (höchste Zahl der Neuinfektionen) wurde Anfang April überschritten. Die Schulschließung am 16. März 2020 und weitere Beschränkungen am 22. März 2020 markierten den Zeitraum größter Betroffenheit in der Bevölkerung.

Über 330.000 Fälle mit telefonischer Beratung mehr als 2019

Kernergebnisse des Reports

  • Vom 4. bis 31. März 2020 gab es insgesamt rund 850.000 Behandlungsanlässe aufgrund des Verdachts oder des Nachweises einer SARS-CoV-2-Infektion, mehr als 355.000 Tests auf SARS-CoV-2 wurden in dieser Zeit von Vertragsärzten durchgeführt.
  • Entsprechend der Vorgaben der Kontaktbeschränkungen sank vor allem die Anzahl verschiebbarer Leistungen. So sanken die Behandlungsfälle beim Mammografie-Screening in der letzten Märzwoche 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 82 Prozent, beim Hautkrebsscreening um 71 Prozent, bei der Kindervorsorgeuntersuchung J1 um 55 Prozent und bei DMP-Schulungen um 52 Prozent.
  • In vielen Bereichen der vertragsärztlichen Versorgung waren zwischen Jahresbeginn und der ersten Märzwoche bereits deutliche Leistungszunahmen im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten. Dies gilt zum Beispiel für Früherkennungsleistungen oder ambulante Operationen, so dass die Rückgänge bei quartalsweiser Betrachtung teils moderat ausfallen.
  • Uneinheitlich stellt sich die Versorgung auch bezogen auf den Notfall- und Bereitschaftsdienst dar. Während die Fallzahlen im Notfall- und Bereitschaftsdienst im Laufe des Märzes insgesamt zunehmend geringer sind als im Vorjahr (-12 Prozent in der ersten und -29 Prozent in der letzten Märzwoche), nahm die Anzahl an Behandlungsfällen aufgrund von Besuchen im organisierten Notfalldienst in den letzten beiden Märzwochen zu (+10 Prozent in der vorletzten und +9 Prozent in der letzten Märzwoche).
  • Bezüglich der Anzahl abrechnender Praxen gab es keinen relevanten Unterschied zum Vorjahreszeitraum. So rechneten Hausärzte zwar in der dritten Märzwoche 12 Prozent und in der vierten Märzwoche 39 Prozent weniger Fälle als im Vorjahreszeitraum ab. Die Anzahl abrechnender Hausärzte lag in der dritten Woche aber um 2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum und hat sich in der letzten Märzwoche nur um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum verringert. Vergleichbare Effekte zeigten sich in der fachärztlichen und psychotherapeutischen Versorgung. Obwohl die Augenärzte beispielsweise einen Fallzahlrückgang von 64 Prozent in der letzten Märzwoche hinnehmen mussten, hat sich die Anzahl abrechnender Augenärzte um nur etwa 6 Prozent reduziert.
  • Fälle mit telefonischer Beratung und Kontakte per Videosprechstunde sind im Verlauf des März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich gestiegen. So wurden in den letzten beiden Märzwochen 2020 über 330.000 Behandlungsfälle mit telefonischer Beratung mehr abgerechnet als im Vorjahr. Bei den Videosprechstunden waren es entsprechend rund 127.000 mehr als im Vorjahreszeitraum.
  • Auch der im März 2020 zu beobachtende deutliche Anstieg an Behandlungsfällen mit Impfungen gegen Influenza und Pneumokokken zeigt, dass die Vertragsärzteschaft schnell auf die Situation reagiert hat und die Empfehlungen zum Schutz der Patienten ad hoc umsetzen konnte. So wurden im Laufe des März ca. 400.000 Pneumokokken-Impfungen mehr durchgeführt als im Vorjahreszeitraum. Bezogen auf die Influenza waren es im selben Zeitraum rund 87.000 Impfungen mehr als im Vorjahr.

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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