Trump nominiert Alex Azar

Ein Pharma-Manager als Gesundheitsminister?

Trump macht den Drehtüreffekt zur Tugend: Am Montag nominierte der US-Präsident den Pharma-Manager Alex Azar als neuen Gesundheitsminister mit den euphorischen Worten "Er wird ein Star sein." Wirklich?

Für Alex Azar ist der Job kein Neuland, er war bereits unter Präsident George W. Bush stellvertretender US-Gesundheitsminister - und sprach sich seinerzeit für mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen und gegen staatliche Reglementierung aus. Bei einer Stippvisite 2006 in der Redaktion des Deutschen Ärzteblatts kritisierte er, dass im deutschen Gesundheitswesen Institutionen im Auftrag des Staates Leistungseinschränkungen beschließen oder Kosten-Nutzen-Bewertungen vornehmen: „Ich glaube einfach nicht, dass staatliche Expertengremien in ihren Entscheidungsprozessen sehr effektiv sind. Einheitsentscheidungen sind nie allen angemessen.“ picture alliance / AP Photo

Wie verschiedene Medien übereinstimmend berichten, scheint der Nachfolger von Tom Price festzustehen: Nachdem der US-Präsident Donald Trump Azar für das Amt vorgeschlagen hat, muss jetzt nur noch der Senat zustimmen. Der 50-jährige Azar war zuletzt Manager bei dem auf Diabetespräparate und Psychopharmaka spezialisierten Unternehmen Eli Lilly und gilt als entschiedener Gegner von "Obamacare", heißt es.

In den USA sind Arzneimittel exorbitant teuer. Ein Grund, weshalb Trump während seines Wahlkampfs die Pharmabranche immer wieder heftig attackiert hatte. Noch kurz vor seinem Amtsantritt im Januar kritisierte er die politische Macht der Pharmabranche und die überzogenen Medikamentenpreise.

 


Die Macht der Pharmabranche in den USA

Rund 150 Menschen sterben in den USA täglich an einer Opioid-Überdosis, allein 2015 töteten vor allem Schmerzmittel 59.000 Amerikaner. Viele Menschen können nicht mehr arbeiten, weil sie abhängig sind. Studien schätzen den volkswirtschaftlichen Schaden auf fast 80 Milliarden US-Dollar. Dabei ist das Phänomen nicht neu: Schon um die Jahrtausendwende spielten Pharma-Unternehmen für Schmerzmittel wie Oxycodon, Hydrocodon und das Betäubungsmittel Fentanyl die Risiken herunter und beschönigten die Angaben zur Wirksamkeit.

Als Ergebnis eines in den 1990er Jahren angestoßenen, medizinischen wie soziokulturellen Paradigmenwechsels galt Schmerz plötzlich als etwas Vermeidbares, das nicht ertragen werden musste. Der Haken: das Suchtpotenzial von Fentanyl etwa ist 50 bis 100 Mal höher als von Heroin. Anfällig für Missbrauch und Abhängigkeit gilt auch das Schmerzmittel Oxycodon, das geschluckt seinen Wirkstoff langsam ins Blut abgibt - aber zerstoßen und geschnupft einen Kick auslöst, der dem von gespritztem Heroin gleicht. Studien zeigen, dass drei von vier Heroinabhängigen, die nach 2000 süchtig geworden sind, mit verschriebenen Opioiden angefangen haben.

Mittlerweile formiert sich Widerstand gegen die Pharmaindustrie: In mehr als 40 Bundesstaaten haben Staatsanwälte einem Medienbericht zufolge inzwischen Klagen gegen Schmerzmittelhersteller eingereicht. Die Begründung: Die Unternehmen hätten ihre Medikamente mit irreführenden Informationen beworben. Zur Bekämpfung der "Opioid-Krise" rief Trump im Sommer den nationalen Notstand aus - eine Maßnahme die vor allem zur kurzfristigen Freigabe von Geldern genutzt wird. Wie dieses Geld eingesetzt werden soll, ist bislang unklar.

Quellen: jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/1874575
insights.ovid.com/pubmed

Der 1952 von der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (APA) eingeführte Diagnoseleitfaden für psychische Störungen (DSM) spielt eine zentrale Rolle in den USA bei der Definition und Diagnostik psychischer Erkrankungen. Seine Überarbeitung 2013 löste zum Teil heftige Kritik aus und ist Gegenstand verschiedener Publikationen. Der Grund: Die Anzahl der im DSM aufgeführten Krankheiten und Störungen stieg ein weiteres Mal auf heute 374. Gleichzeitig wurden die Schwellwerte für ältere, bereits enthaltene Diagnosen wie zum Beispiel Depression gesenkt.

Weiterer Kritikpunkt: Ein großer Anteil (69 Prozent) der an der Überarbeitung involvierten Mitarbeiter hatten einer Studie der University of Massachusetts Boston zufolge Verbindungen zur Pharmaindustrie. In einzelnen Arbeitsgruppen, etwa der zu affektiven Störungen (83 Prozent) oder Schlafstörungen (100 Prozent) lag der Wert sogar noch viel höher. 

Quellen: www.psychiatry.org/psychiatrists/practice/dsm/history-of-the-dsm
journals.plos.org/plosmedicine/article

Gerade korrigierte die Vereinigung amerikanischer Herzexperten AHA (American Heart Association) die Schwelle zum Bluthochdruck nach unten. Statt 140/90 - dem 1993 definierten Wert - soll künftig 130/80 mmHg als Grenze für einen unbedenklichen Blutdruck gelten. Mit einem Schlag gilt damit nicht mehr knapp jeder dritte (32 Prozent), sondern beinahe jeder zweite (46 Prozent) US-Amerikaner als behandlungswürdiger Patient, dem unter Umständen auch entsprechende Medikamente verschrieben werden.

Zum Vergleich: In Deutschland hat laut der "Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland" des Robert Koch-Instituts bei einem Grenzwert von 140/90 ebenfalls jeder dritte Erwachsene Bluthochdruck, wovon mehr als 70 Prozent auch behandelt werden. Weiter heißt es: Bereits unter dem Grenzwert kann der Blutdruck das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen erhöhen. Daher gelte es als optimal, wenn der Blutdruck unter 120/80 mmHg liegt. Ein Wert zwischen optimal (unter 120/80) und hypertensiv (über 140/90) sei zwar nicht harmlos, müsse aber auch nicht medikamentös gesenkt werden.

Quellen: news.heart.org/half-african-americans-high-blood-pressure-new-diagnostic-guidelines/
www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Chronische_Erkrankungen/Hypertonie/Hypertonie_node.html


„Eli Lilly and Company“ beliefert die USA mit einigen der meist verkauften und teuersten Medikamente, zum Sortiment gehören Psychopharmaka wie Zyprexa, die Heroin-Ersatzdroge Methadon, die Erektionshilfe Cialis sowie zahlreiche Medikamente für Diabetes. Unter Azars Führung konnte das Unternehmen seine Preise für Insulin mehr als verdoppeln. Weil im selben Zeitraum die Insulin-Preise des Hauptkonkurrenten Novo Nordisk ebenso stiegen, laufen jetzt Ermittlungen wegen möglicher illegaler Preisabsprachen.

Azar folgt bei einer Bestätigung durch den Senat auf Tom Price, der im September zurücktrat, nachdem Unregelmäßigkeiten in Zusammenhang mit Flügen in Regierungsmaschinen bekannt geworden waren.

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