Bundesärztekammer fordert

Gesundheitsämter personell und technisch besser ausstatten!

Die Bundesärztekammer (BÄK) fordert Lehren aus der Corona-Krise ein und drängt auf eine Personaloffensive für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD).

Die größte Herausforderung ist laut Bundesärztekammer die dauerhafte Verbesserung der personellen Situation des ÖGD. Die Engpässe zeichnen sich demnach bereits seit Jahren ab, jedoch seien aus den Ausbrüchen anderer Infektionskrankheiten wie SARS, Ebola, EHEC sowie der Vogel- und Schweinegrippe keine ausreichenden Lehren gezogen worden. Adobe Stock_momius

„Eine der zentralen Lehren der Corona-Pandemie ist die wesentliche Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes für den Schutz der Bevölkerung", betonte BÄK-Präsident Dr. Klaus Reinhardt. "Dabei hat sich gezeigt, dass die Gesundheitsämter technisch und personell zwingend besser ausgestattet werden müssen.“

BÄK fordert arztspezifischen Tarifvertrag

Die BÄK hat ihre Forderungen jetzt in einem Positionspapier veröffentlicht. Auch in einem weiteren Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, die Gesundheitsminister der Länder und die Mitglieder des Gesundheitsausschusses des Bundestags untermauerte Reinhardt seine Forderung.

„Dringend erforderlich ist angesichts der erschreckend schlechten personellen Situation des ÖGD insbesondere die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses“, unterstrich Reinhardt. Voraussetzung dafür ist aus Sicht der BÄK ein arztspezifischer Tarifvertrag. „Die Kollegen in den Gesundheitsämtern sind keine Verwaltungsangestellten, sondern Ärzte. Dies ist entsprechend zu vergüten." Nur so könnten Gesundheitsämter mit anderen medizinischen Einrichtungen um hochmotivierte Ärztinnen und Ärzte konkurrieren.

Vier Milliarden Euro für den ÖGD

Gleichzeitig begrüßte Reinhardt den von der Regierung angekündigten Pakt für den ÖGD. Der Pakt wurde im Rahmen des Konjunkturpakets der Bundesregierung beschlossen und mit einem Finanzrahmen von vier Milliarden Euro für die nächsten fünf Jahre veranschlagt.

Mit dem Positionspapier gibt die BÄK Hinweise zur Ausgestaltung und Umsetzung des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst und zu einer weitergehenden Stärkung des ÖGD im Sinne des von der Gesundheitsministerkonferenz im Jahr 2018 verabschiedeten „Leitbildes für einen modernen Öffentlichen Gesundheitsdienst. Zuständigkeiten. Ziele. Zukunft.“

Vor allem folgende Maßnahmen sollten nach Auffassung der BÄK mit Blick auf eine mögliche zweite Pandemiewelle schnell umgesetzt werden:

  • Zügige Bereitstellung der mit dem „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ beschlossenen finanziellen Mittel, um eine erneute Überlastung des ÖGD zu verhindern.
  • Bei der Einrichtung und dem Betrieb von stationären sowie mobilen Diagnostikeinheiten (Abstrichzentren) während akuter Pandemiephasen sind sowohl der ÖGD als auch Kliniken, Arztpraxen und Kassenärztliche Vereinigungen einzubeziehen.
  • Sicherstellung einer kurzfristigen Unterstützung in akuten epidemischen Lagen, bevorzugt durch medizinisch vorgebildetes Personal.
  • Beständige Sicherstellung der Versorgung des medizinischen Personals aller Versorgungsbereiche mit ausreichend persönlicher Schutzausrüstung.
  • Beschleunigung der Meldeverfahren: Grundlegende Verbesserungen der technischen und digitalen Ausstattung durch eine zügige Umsetzung von DEMIS (Deutsches Elektronisches Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz) und eine flächendeckende Anbindung des ÖGD.
  •  Entwicklung einer geeigneten Impfstrategie
  • Nachwuchsförderung und arztspezifischer Tarifvertrag

Als entscheidende Voraussetzung zur Umsetzung dieser Maßnahmen stellt die BÄK in ihrem Papier die entsprechende Nachwuchsförderung heraus. Notwendig ist für sie ein arztspezifischer Tarifvertrag. Die Gewinnung ärztlichen Nachwuchses wird laut BÄK jedoch nur gelingen, wenn der ÖGD wieder dauerhaft zu einem attraktiven Arbeitsplatz wird. Hierzu fordert die Ärzteschaft die zügige Einführung einer eigenen tariflichen Regelung für den ÖGD. Die ärztlichen Gehälter müssten an vergleichbare ärztliche Tätigkeitsfelder (zum Beispiel stationärer Bereich) angepasst werden.

Zusätzlich fordert die BÄK:

  • eine Stärkung des Stellenwerts des ÖGD im Medizinstudium durch eine stärkere Verankerung von Themen des öffentlichen Gesundheitswesens und Public Health in den Ausbildungszielen und -inhalten,
  • eine Änderung der Approbationsordnung, mit dem Ziel, dass Famulatur und Praktisches Jahr auch beim ÖGD absolviert werden können, und
  • eine Verstetigung des Einsatzes von Medizinstudierenden im ÖGD (nicht nur in Ausnahmesituationen oder Pandemie-Zeiten).

Die entscheidende Herausforderung ist die dauerhafte Verbesserung der personellen Situation des ÖGD, heißt es in dem Papier. Die eklatanten personellen Engpässe zeichneten sich nach Angaben der BÄK bereits seit Jahren ab, jedoch seien aus den Ausbrüchen anderer Infektionskrankheiten wie SARS, Ebola, EHEC sowie der Vogel- und Schweinegrippe keine ausreichenden Lehren bezüglich der Sicherstellung der notwendigen Ressourcen gezogen worden.

Die BÄK fordert außerdem die Einführung einer bundesweiten Statistik, aus der die aktuelle personelle Situation des ÖGD differenziert nach beruflicher Qualifikation, Stellenanteil sowie dem sich abzeichnenden Nachbesetzungsbedarf hervorgeht. Zudem regt die BÄK an, dass das Bundesministerium für Gesundheit den Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen mit der Erstellung eines Gutachtens über den Öffentlichen Gesundheitsdienst in der Bundesrepublik Deutschland beauftragt.

Daten und Fakten zum ÖGD

Zurzeit verdienen Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern oft 1.500 Euro pro Monat weniger als ihre Kollegen in Krankenhäusern oder beim Medizinischen Dienst. Die Zahlung von Zulagen führt zu Ungleichbezahlungen in den Gesundheitsämtern, Tarifsicherheit ist nicht gegeben.

In den nächsten zehn bis 15 Jahren werden rund drei von vier Ärztinnen und Ärzten, die derzeit im ÖGD arbeiten, in den Ruhestand gehen. Die personelle Situation hat sich über die Jahre weiter verschlechtert. Durch die Zunahme an Teilzeitstellen reduziert sich die zur Verfügung stehende Arbeitszeit zusätzlich. Derzeit sind bundesweit nur noch rund 400 Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen im ÖGD tätig.

Da eine bundesweite Statistik fehlt, kann die genaue Anzahl an unbesetzten Stellen in den Gesundheitsämtern sowie der Nachwuchsbedarf, der sich aufgrund des altersbedingten Ausscheidens ergibt, jedoch nur geschätzt werden.

Quelle: BÄK-Positionspapier

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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