Investoren-geführte MVZ erneut in der Kritik

I-MVZ: Mehrkosten von bis zu 30 Prozent pro Patient!

Medizinische Versorgungszentren in Investorenbesitz (I-MVZ) verursachen deutlich höhere Kosten im Gesundheitssystem als Praxen in Arzt- und Zahnarztbesitz. Die Rufe nach Gegenmaßnahmen werden lauter.

Haben Mediziner in Investoren-geführten MVZ vor allem das Patientenwohl oder die abrechenbaren Leistungen im Blick? Medienberichten zufolge häufen sich die Indizien, dass monetäre Kriterien bei der Therapieentscheidung oft überwiegen. AdobeStock_Andrey Popov

Als Beispiele für die möglicherweise künstlich aufgeblähten Kosten nennt die "Welt am Sonntag" in ihrem Bericht Zahlen aus den Bereichen Zahnmedizin und Augenheilkunde: Angaben der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zufolge rechneten I-MVZ 2018 rund 30 Prozent mehr pro Patient ab als herkömmliche Zahnarztpraxen. Mit Verweis auf die KV Baden-Württemberg berichtet die Zeitung, die Zahl der Operationen bei Katarakt (Grauem Star) sei in den vergangenen zehn Jahren um mehr als 25 Prozent gestiegen – was ziemlich genau dem Wachstum bei MVZ entspricht.

"(Zahn-)Medizin ist kein Anlage-Investment" – die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) fordert, das Aufkaufen von Zahnarztpraxen durch Fremdkapitalgeber wie Private-Equity-Fonds zu stoppen.

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Letzteres hat nun Folgen: Einem Bericht des Deutschen Ärzteblatts zufolge ermittelt aktuell die Staatsanwaltschaft in 20 Fällen wegen gefährlicher Körperverletzung gegen mehrere Ärzte, weil sie Patienten zu nicht indizierten Kataraktoperationen gedrängt haben sollen.

Was dahinter steckt? Möglicherweise die Provision für jede OP-Verordnung ...

Bei der Suche nach den dahinterstehenden Motiven gibt es ein Indiz: Laut WamS erhalten Behandler zum Teil 40 Prozent Umsatzbeteiligung für jede OP-Verordnung. In einem anders gelagerten Fall in Hamburg gehen Behörden dem Verdacht nach, dass ein Hersteller von Chemotherapiepräparaten Arztsitze von Onkologen erworben haben soll, um in den Praxen die eigenen Arzneimittel einzusetzen.

Mediziner Kassen und Politik stemmen sich gegen die I-MVZ

Jetzt verstärkt sich lagerübergreifend der Widerstand gegen derartige Tendenzen: Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach fordert in der WamS, den Verkauf von Arztsitzen an Finanzinvestoren zu verbieten. "Wenn solche stark profitorientierten Mehrheitseigner die ambulante Versorgung betreiben, entstehen unüberwindbare Interessenkonflikte", sagt er.

Auch die größte gesetzliche Krankenkasse AOK fordert engere gesetzliche Regeln für die Verkäufe. "Auf jeden Fall müssen die Eigentümerstrukturen in diesem Bereich und die wirtschaftlichen Verflechtungen transparenter werden", fordert der Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Martin Litsch.

KZBV-Chef Dr. Wolfgang Eßer kritisiert insbesondere die Verkaufswelle von Ärzten und Zahnärzten, die kurz vor dem Ruhestand stehen, an Investoren als "unumkehrbaren Systemumbau hin zu einem gewerblich orientierten Gesundheitswesen".

Laut apoBank steht die Verkaufswelle an MVZ erst am Anfang

Nach Einschätzung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank steht diese Verkaufswelle erst am Anfang. "Wir gehen davon aus, dass die Zahl der Verkäufe von Arztsitzen in den kommenden Monaten und Jahren deutlich anziehen wird", mutmaßt Daniel Zehnich, Leiter des Bereichs Gesundheitsmärkte und Gesundheitspolitik.

Im Bericht heißt es, das Bundesgesundheitsministerium wolle nun zeitnah ein Gutachten zur Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen für I-MVZ erstellen lassen.

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