Politik

Patientenorientierung - auch gut für Ärzte?

Die Patientenorientierung nimmt in der Gesundheitsversorgung inzwischen viel Platz ein. Das ist gut für die Patienten - sicher. Aber auch gut für die Ärzte und Zahnärzte? Diese Frage diskutierten Experten auf dem Gesundheitskongress des Westens in Köln. Mit dabei: der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann und KZBV-Chef Dr. Wolfgang Eßer.

"Freiberuflichkeit bedeutet immer auch Patientenorientierung - im Sinne von Unabhängigkeit im System", verdeutlichte Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung in Köln. WISO/Schmidt-Dominé

Der Gesundheitskongress des Westens fand im Kölner Gürzenich statt. Namensgeber ist die Patrizierfamilie von Gürzenich, auf deren Grundstück das Profanbauwerk im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Heute wird der Gebäudekomplex für Konzerte, Kongresse, Gesellschafts- und Kulturveranstaltungen genutzt. WISO/Schmidt-Dominé

"Schon 1990 wurden die ersten politischen Rahmenbedingungen errichtet, um mehr Patientenorientierung in unserem Gesundheitssystem zu implementieren", führte Moderatorin Jessica Beyer von der apo-Bank in das Thema ein. "Mit dem GKV-Modernisierungsgesetz 2003 wurde dann das Amt des Patientenbeauftragten geschaffen und nun das Patientenrechtegesetz. Doch was bringt das überhaupt?"

Kommunikation auf Augenhöhe

"Ein wesentlicher Punkt ist, dass mit dem Patientenrechtegesetz die Patienten auf Augenhöhe wahrgenommen werden", erklärte Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Patientenbeauftragter der Bundesregierung. "Das heißt, Arzt und Patient sprechen über den Erfolg und die Prozedur einer Behandlung, so dass der Patient am Ende weiß, worauf er sich einlässt. Diese Transparenz schafft Vertrauen!"

Transparente Strukturen - "damit tun wir uns im Gesundheitswesen noch schwer", konstatierte Laumann. "Doch als Patientenvertreter muss ich ein großes Interesse daran haben, dass Ärzte auch schwierige Fälle übernehmen und operieren. Deshalb müssen wir gute Behandlungsstrukturen finden." Eine "dicke Lanze" brach Laumann für das System der Freiberuflichkeit, "weil sie immer auch Patientenorientierung - im Sinne von Unabhängigkeit im System - bedeutet".

Zahnmedizin: Der Patient steht im Zentrum

Was Patientenorientierung für die Zahnärzteschaft bedeutet, machte der KZBV-Vorsitzende Dr. Wolfgang Eßer klar: "Bei uns steht der Patient im Zentrum des Versorgungsgeschehens. In keinem Bereich ist die Eigenverantwortung so stark mit dem Behandlungserfolg verquickt wie bei uns. Der Patient muss das Recht und die Freiheit haben, sich frei zwischen den unterschiedlichen wissenschaftlich anerkannten Therapien zu entscheiden. Dadurch sind soziale Härten vermeiden - jeder kann wählen."

Der Patient sei dadurch nicht mehr passiver Empfänger einer Leitung, sondern Partner auf Augenhöhe. Eßer: "Gerade weil wir Wahltherapien anbieten, hat jeder Zahnarzt die Pflicht, die Patienten über die Kosten einer Behandlung aufzuklären und über ihre Chancen, Risiken zu informieren und dazu Alternativen aufzuzeigen - das bedingt die offene Kommunikation zwischen Arzt und Patient."

"Unser bester Patient ist der aufgeklärte Patient" erläuterte Eßer weiter, "denn gute Qualität können wir im Ergebnis nur erzielen, wenn ein vertrauensvoller Dialog stattfindet. Das geschieht bei uns mithilfe der Gutachter und in Zusammenarbeit mit Patientenorganisationen wie der UPD, mit der wir seit 2013 eine Kooperation haben."

Mithilfe des zahnärztlichen Zweitmeinungsmodell schaffe man eine klare transparente Kommunikation mit dem Patienten und Möglichkeiten, sich über die Praxis hinaus beraten zu lassen. Eßer: "Das ist kostenlos und unbürokratisch."

"Die Zahnärzte haben es uns vorgemacht!"

Kannapinn: Dass nur ein zufriedener Arzt - "das heißt ein freiberuflich tätiger Arzt" - Patienten gut behandeln kann, erörterte Dr. Ulrich Kannapinn, Vorsitzender des Verbandes der Ruhr-Knappschaftsärzte: "Wir fragen uns jeden Tag, wie wir unsere Praxis so ausrichten können, dass die Versicherten zufrieden sind und wiederkommen", sagte er. "Die Zahnärzte haben es uns vorgemacht: Ihre Patienten haben seit Jahren ihr Bonusheft und damit ein Interesse an der Prophylaxe, um die Kosten zu senken. Aber wie kriegen wir das hin?" Der Schlüssel ist für ihn die Selbstbeteiligung des Patienten an der Behandlung: "Diese Selbstbeteiligung muss ins System!"

Daniel Friebe, Geschäftsführer der Saale-Klinik Halle und IVM plus GmbH beantwortete die Frage, inwieweit die Fast-Track Chirurgie die Patientenorientierung verschlechtert. Ziel dieser "Schnellspur"-Chirurgie ist, durch die Anwendung evidenzbasierter Behandlungsmaßnahmen allgemeine Komplikationen nach operativen Eingriffen zu vermeiden, die Rekonvaleszenz der Patienten zu beschleunigen die Liegedauer im Krankenhaus zu verkürzen. Friebe: "Die Rahmenbedingungen müssen für ärztliche Praxen und Krankenhäuser gleich sein. Dann haben wir einen Qualitätswettbewerb und da ist der Patient immer der Gewinner."

"Die Pflege ist schlecht organisiert!"

Einen Blick auf die Pflege warf Kerstin Paradies, Vorstandssprecherin der Konferenz Onkologischer Kranken- und Kinderkrankenpflege (KOK) Deutsche Krebsgesellschaft e.V. "Es wird die Pflege, wies sie vor 20 Jahren gab, nicht mehr geben," konstatierte sie. Die Pflege sei immer Mittler zwischen Patient, Familie und Arzt. Paradies: "Hier braucht es mehr Kompetenzen." Man wolle den Ärzten nicht ihre Kompetenzen streitig machen, aber: "Delegation und Substitution werden sich mehr durchsetzen." Zum Beispiel in der Beratung onkologischer Fälle: "Hier gibt es 6.800 Präparate!" Laumann stimmte zu: "Keine Frage: Die Pflege ist schlecht organisiert. Hier braucht es schlagkräftige Berufsverbände, die sich emanzipieren und neu aufstellen."




16650611648021164801516480161663782 1663783 1648019
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen