Corona-Krise

"Statt zu Schließen, Praxen besser zu Servicecentern machen"

Julia Takacs und Lisa Witte, Zahnärztinnen aus Köln und Hannover
In dieser für uns alle außergewöhnlichen Zeit der SARS-CoV-2-Pandemie sollten wir unsere Kräfte bündeln, um diese Krise gemeinsam bewältigen zu können.

Viele selbstständige Zahnärzte und Fachärzte führen Betriebe, welche aufgrund von fehlenden Mitteln (adäquate Schutzkleidung, Mundschutze, Desinfektionsmittel) und Abwesenheit der Patienten zur Eindämmung der Infektion wirtschaftlich kaum noch aufrechterhalten werden können. Zum einen besteht das hohe Infektionsrisiko für die MitarbeiterInnen – die Weitergabe des Virus, solange der Praxisbetrieb normal weiterlaufen soll, aber auch die medizinische und moralische Verpflichtung, den Patienten und Patientinnen zu helfen.

Eine Schließung der Praxen für den Infektionsschutz wäre mit massiven finanziellen Einbußen verbunden, woraus eine Vielzahl von Praxen dauerhaft schließen müsste. Es stellt also keine zufriedenstellende und zukunftsorientierte Lösung in einem Gesundheitssystem dar, welches eh schon weiter ausgebaut und gefördert werden sollte.

Ein Lösungsszenario wäre, wenn die vorhandene Praxisstruktur Deutschlands genutzt wird. Anstatt neue Leute anzulernen und hohe Stundenlöhne zu zahlen, um die Pandemie einzudämmen, und ggf. erkranktes/fehlendes Personal zu ersetzen, wäre dies die Möglichkeit, die Kosten (Fixkosten, Mitarbeiterkosten, Löhne der Zahnärzte/Ärzte selber) weiter zu zahlen und die Praxen selber und auch die Mitarbeiter dort zu schulen, um gebündelt das Gesundheitssystem und die Krankenhäuser zu entlasten. Abstriche sind auch, wenn genügend Schutzanzüge und Güter gestellt werden, in örtlichen Praxen möglich.

Logistisch hätte ein solches System den Vorteil, dass die Terminvergabe wie bisher in den Praxen gewährleistet ist und Menschenansammlungen vermieden werden können. Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben ihre Jobs gesichert, die finanzielle Lage für den einzelnen Zahnarzt/Zahnärztin als Unternehmen wäre gesichert, so dass auch nach der Pandemie die Infrastruktur des Gesundheitswesens sich nicht noch weiter verschlechtert.

Jede/r von uns kann einen wichtigen Beitrag leisten! Sei es nun, dass die einen Kollegen/Kolleginnen (die selber Teil der Risikogruppe sind) den Notdienst übernehmen und die zahnärztliche Versorgung gewährleisten, wohingegen andere Abstriche in den eigenen Praxen vornehmen (unter Bedacht des Infektionsschutzes und mit Terminvergabe) und wieder andere, die sich fähig fühlen ggf. im Krankenhaus den ärztlichen Kollegen und Kolleginnen unter die Arme greifen.

Jetzt ist die Zeit zu handeln, da noch Kapazitäten vorhanden sind, Abläufe anzulernen und die Leute zu schulen. Anstatt dass die Praxen ihr Pensum ‧herunterfahren und auf den Kosten sitzen bleiben, wäre dies eine Alternative, die für das komplette Gesundheitssystem von Vorteil wäre. Denn so ist gewährleistet, dass auch nach der Pandemie, die vorhandene Infrastruktur des Gesundheitssystems nicht aus fehlenden finanziellen Mitteln (Insolvenzen der Privatpersonen) noch weiter dezimiert ist und die schon unterbesetzten Krankenhäuser/Kolleginnen und Kollegen zumindest eine leichte Entlastung in ihrem schweren Alltag in diesen Pandemiezeiten erhalten. 

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