Politik

Telematik: Gassen wettert gegen Kassen

Wenn die Telematik-Infrastruktur erfolgreich eingeführt und vor allem von den Patienten akzeptiert werden soll, dann müssen sich die Krankenkassen bewegen, schimpft Ärztechef Dr. Andreas Gassen.

Ärztechef Dr. Andreas Gassen wählte deutliche Worte für seine Kritik an den Kassen und ihrem Plan, die alte Krankenversicherungskarte zum 30. September ablösen zu wollen. Lopata-axentis.de

"Die Telematik-Infrastruktur muss Patienten und Ärzten dienen. Wir brauchen Nutzanwendungen. Nur so wird die Technik von Niedergelassenen und Versicherten akzeptiert werden“, erklärte der KBV-Vorsitzende Gassen. 

"Machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben"

Dem Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung warf er „Borniertheit“ vor. „Er hat sein Engagement vollkommen fokussiert auf die Einführung der Anwendung Versichertenstammdatenmanagement". Dabei handele es sich um eine reine Verwaltungsanwendung, mit der weder ein positiver Effekt auf die Qualität der Versorgung noch messbare Einsparungen einhergingen, kritisierte der KBV-Chef.

„Machen Sie endlich Ihre Hausaufgaben“, erklärte er in Richtung Krankenkassen-Vorstände. „Die elektronische Gesundheitskarte haben nach unseren Informationen derzeit 91 Prozent der Versicherten erhalten. Das ist mitnichten eine flächendeckende Ausstattung."

Der Gesetzgeber habe die Kassen zwingen müssen, die eGK zu verteilen. Bis heute jedoch hätten es die Krankenkassen nicht geschafft, diesen Gesetzesauftrag zu erfüllen. Vor diesem Hintergrund sei es anmaßend von den Kassenfunktionären, eine endgültige Ablösung der alten Krankenversichertenkarte (KVK) zum 30. September 2014 zu fordern.

Mehr als 6 Millionen ohne eGK

"Dazu müssten sie nur den Gesetzestext einmal lesen", so Gassen. Daraus ergebe sich, dass die Krankenversicherungskarte (KVK) mit der endgültigen und flächendeckenden Einführung der eGK ihre Gültigkeit verliert. Doch immer noch gebe es mehr als sechs Millionen Versicherte, die die neue Karte nicht haben, erklärte Gassen weiter. 

Wenn man, wie die Kassen mit dem Versichertenstammdatenmanagement, in die Online-Welt will, müssten die Datenwege sicher sein, betonte Gassen. „Deshalb haben wir das sichere Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen als Datenautobahn entwickelt. Unsere Lösung ist ein funktionierendes und sicheres System. Das bestätigen auch Datenschützer."

"Ewige Nein-Sager"

Dieses Netz biete die Möglichkeit der Interoperabilität, auch mit der Telematikinfrastruktur. Der GKV-Spitzenverband solle mitarbeiten und zeitnah medizinische Anwendungsprojekte gemeinsam mit den Ärzten entwickeln, forderte er und polterte: "Doch die Kassenfunktionäre gerieren sich lieber als ewige Nein-Sager.“