Praxis

10 Gebote der Praxisgründung

Natürlich gibt es keinen Stein der Weisen für künftige Zahnarztchefs oder eine Schablone, die auf jede Praxisgründung passt. Doch auch wenn jeder Inhaber in spe seinen eigenen Weg finden muss - diese 10 Gebote sollte er auf jeden Fall beherzigen, findet Praxisberater Kjell Kröger aus Hamburg.

"Die klassische Hinterhofpraxis bestehend aus zwei zusammengelegten Wohnungen funktioniert in Zukunft nicht mehr", erläuterte Praxisberater Kjell Kröger am zm-Counter auf der IDS und verwies auf die Bedeutung der Standortfrage. XS_shockfactor-Fotolia

zm-Redakteur Markus Brunner interviewt Praxisberater Kjell Kröger zu den "10 Geboten der Praxisgründung" am zm-Counter auf der IDS in Köln. zm-mg

1. Erkenne Deine Stärken

"Jeder Existenzgründer sollte sich dahin orientieren, was er gut kann, was er umsetzen will und wo er mit seiner Praxis hin möchte", erläutert Kröger. Wichtig sei dabei, sich zu fragen: Welcher Unternehmertyp bin ich überhaupt? Kröger ist hier strikt: "Beantworte ich gewisse Fragen mit Nein, muss ich das Thema Existenzgründung  aufschieben oder im Zweifelsfall darüber nachdenken, es zu lassen, denn der Konkurrenzdruck ist heutzutage zu stark, als dass man diese Schwächen ignorieren kann." Was man sich in jedem Fall nehmen sollte: Zeit.

Grundsätzlich gebe es natürlich für jedes Problem eine Lösung - auch Schwächen könnten demnach stärken umgebaut werden. Laut Kröger kennen auch sehr viele junge Zahnärzte ihre Stärken, sind aber zu wenig fokussiert auf die Frage, welches unternehmerische Ziel sie persönlich verfolgen.

2. Erstelle Dein persönliches Konzept

"Das ist sehr wichtig", betont Kröger, "um zu sehen, was man eigentlich mit dem Portfolio anbieten möchte. Fragen wie: Wo kriege ich meine Patienten her, auf welches Klientel passe ich überhaupt und welche regionalen Gegebenheiten sind dafür erforderlich, sollten im Praxiskonzept beantwortet werden.

3. Finde den richtigen Standort

Für Kröger das größte Thema! "Die Standortanalyse zeigt, welche Angebote tragen und was für ein Konzept ich fahren kann", führt er aus. "Der Trend geht ganz klar zu mehr Infrastruktur und zu mehr Sichtbarkeit. Die klassische Hinterhofpraxis bestehend aus zwei zusammengelegten Wohnungen funktioniert in Zukunft nicht mehr." Im Idealfall könne beispielsweise die junge Mutter mit ihrer gesamten Family im Mini-Van direkt vorfahren, auf der Praxis-Stellfläche parken, einkaufen, zum Bäcker gehen und in einem Rutsch auch den Kinderarzt besuchen und zum Zahnarzt gehen."

Jede Praxis müsse sich heute als eigenes Unternehmen betrachten: "In Großstädten ist der Konkurrenzdruck besonders groß, so dass ich mir von vornherein überlegen muss: Was mache ich anders als meine Kollegen?"

4. Bau Dir Dein Netzwerk

Existenzgründer sollten sich von kompetenten Partnern helfen lassen - alleine sei das Risiko zu groß, in einen der vielen Fallstricke zu geraten. Auf die Frage, in wieweit es auch falsche Partner gebe und wie man sie erkennt, sagt er: "Ein falscher Partner ist jemand, der seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt oder an der Person vorbei berät."

5. Nutze die Vorteile des Marketings

Modernes Marketing - für Kröger heute gang und gäbe, nicht mehr wegzudenken - und eine große Hilfe. "Denn das Internet und Social Media geben uns die Möglichkeit, gezielt unsere Klientel anzusprechen, egal, wo sich die Praxis befindet, und unabhängig davon, wo der Patient wohnt."

6. Suche Dir Ertragsbringer

"Grundsätzlich kann eine Praxis ohne Zuzahlungen heute nicht mehr überleben", stellt Kröger fest. "Dafür sind die Kosten einfach zu stark gestiegen." Beispiele für gute Ertragsbringer sind seiner Meinung ein ausgefallenes Prophylaxekonzept, ein eigenes Labor oder CAD/CAM. Als Faustregel gilt: "Ich sollte mindestens zwei Ertragsbringer in der Praxis untergebracht haben mit der Option auf einen dritten, um die Praxis am Laufen zu halten."

7. Finde Dein Praxisteam

Ganz klar: "Die Praxis steht und fällt mit den Mitarbeitern, denn sie sind das Aushängeschild der Praxis - das Team ist das, was der  Patient wahrnimmt." Dabei sollte man sich bei der Suche nach guten Mitarbeitern nicht so sehr von deren Weiterbildungen und anderen formalen Qualifikationen leiten lassen, sondern auf den menschlichen Faktor setzen, macht Kröger deutlich. Die Frage ist: Passt die Person zu mir? "Existenzgründer rutschen plötzlich in die Chef-Position und müssen damit auch Führungsaufgaben wahrnehmen." Wichtig sei dabei, das Team ständig fortzubilden. Was die Motivation und den Zusammenhalt betrifft: "Teambuilding-Maßnahmen bringen unglaublich viel - eine Mannschaft findet  in der Regel nicht von alleine zusammen."

8. Achte die Liquidität

Viele junge Praxisinhaber vergessen laut Kröger, dass sie ohne ausreichend flüssige Mittel sehr nahe und sehr schnell vor der Insolvenz stehen. "Es gibt einen Leitspruch: Liquidität geht vor Umsatz geht vor Rentabilität." Man sollte also immer finanzielle Puffer einplanen - auch um Zahlungen wie den KZV-Abschlag vorhalten zu können - und regelmäßig auf die Einnahmen- und Kostenseite schauen.

9. Bleibe flexibel

Dieser Ratschlag bezieht sich sowohl auf das Konzept als auch auf die Finanzen. Kröger: "Geht das Konzept nicht auf, muss ich es vielleicht besser vermarkten oder dahingehend überdenken, dass ich die Zielgruppe - die Patienten - und ihre Wünsche besser analysiere und meine Pläne dann danach inhaltlich neu ausrichte. Meine Finanzen sollte ich ständig beleuchten und etwa nach einem Jahr insgesamt auf den Prüfstein stellen."

10. Sichere Deine Existenz

Ein ernster Ratschlag zum Schluss: "Praxisgründer vermeiden dieses Thema gerne, aber es ist existenziell, dass man die hohe Verschuldung gegen Krankheit absichert. Das wird häufig vergessen."


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