Zwei neue Modellprojekte in Baden-Württemberg

Ausschließliche ärztliche Fernbehandlung

Die Ärztekammer Baden-Württemberg hat zwei weitere neue Modellprojekte zur Fernbehandlung genehmigt. Jetzt ist auch die deutsche Niederlassung der britischen Online-Praxis DrEd mit im Boot.

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In Baden-Württemberg gibt es zwei weitere neue Modellprojekte zur ausschließlichen ärztlichen Fernbehandlung. Die Ärztekammer hat dafür jetzt - im Rahmen ihrer Berufsordnung - den Weg freigemacht.

Fernbehandlung durch DrEd

Die deutsche Niederlassung der britischen online-Arztpraxis DrEd wird im Rahmen eines Modellprojekts baden-württembergischen Bürgern die ausschließliche Fernbehandlung durch baden-württembergische Ärzte zunächst für eine Dauer von zwei Jahren anbieten.

DrEd

Die Internetärzte DrEd sind europaweit tätig und haben ihren Sitz in Großbritannien, weil dort eine virtuelle Behandlung erlaubt ist. DrEd bezeichnet sich als der führende Anbieter telemedizinischer Leistungen für Patienten in Deutschland und Europa. Das Unternehmen wurde 2010 von David Meinertz (CEO) und Amit Khutti in London (UK) gegründet. Es gehört zur Health Bridge Ltd.

Seit dem Start wurden knapp zwei Millionen Behandlungen für Patienten aus Deutschland, Österreich, Schweiz, England, Irland und Frankreich durchgeführt. Die bei DrEd angestellten Ärzte beraten und behandeln Patienten zeit- und ortsunabhängig per Internet, Telefon oder Video.

DrEd ist bei der englischen Aufsichtsbehörde für Arztpraxen, der "Care Quality Commission" (CQC), registriert und richtet sich unter anderem nach den Vorgaben und Empfehlungen deutscher wissenschaftlicher Institute, wie dem Robert Koch-Institut und der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) sowie nach den Vorgaben des National Institute for Health and Care Excellence (NICE).

Das deutschsprachige Angebot von DrEd ist 2011 an den Start gegangen. Nach Angaben des Geschäftsführers Meinertz hat DrEd bereits über 400.000 Beratungen und Behandlungen für Patienten aus Deutschland durchgeführt. 2017 ist DrEd europaweit um 40 Prozent gewachsen.

Die Kosten für eine Sprechstunde unterscheiden sich je nach Art der Behandlung und reichen von 9 bis 29 Euro. Bei aufwendigeren Diagnosen und bei Tests liegen die Kosten zwischen 29 und 49 Euro. Der Patient kann sich per Computer beraten lassen und sich Rezepte für Medikamente ausstellen lassen, die über eine Versandapotheke verschickt werden. Vor allem Menschen, die Hemmungen haben, zum Arzt zu gehen, nutzen den Service. Dabei handelt es sich oft um für den Patienten peinliche Krankheitsbilder wie Hämorrhoiden, Erektionsstörungen oder Chlamydien. Vor allem in den Anfangsjahren seiner Gründung stand der Service in Deutschland unter harter Kritik. Das Risiko, bei der Online-Behandlung eine Falschbehandlung zu bekommen, sei groß, hieß es zum Beispiel bei Ärzteverbänden und der Stiftung Warentest.

Bei Kontaktaufnahme beantwortet der Patient zunächst einen medizinischen Fragebogen, anhanddessen die Ärzte beurteilen, ob eine telemedizinische Beratung und gegebenenfalls Behandlung sinnvoll ist. Falls ja, erfolgt die Behandlung mit Diagnosestellung und gegebenenfalls Verordnung. Andernfalls wird der Patient an niedergelassene Ärzte verwiesen.

Fernbehandlung durch Minxli

In dem zunächst auf ein Jahr angelegten Modellprojekt des Münchener Unternehmens Minxli können Studierende der Universitäten Heidelberg und Karlsruhe in ihrer neuen Lebensumgebung bei gesundheitlichen Problemen mittels einer Smartphone-App den Kontakt zu baden-württembergischen Ärzten aufnehmen. Diese treten dann in einer Videosprechstunde mit dem Patienten in Dialog, um nach entsprechender Anamnese eine Diagnose zu stellen und gegebenenfalls die Behandlung einzuleiten. Das Technologie Start-up Minxli ermöglicht Gesundheits- und Arztberatung via Video und Chat.

Eine ärztliche Behandlung darf auch per Telemedizin erfolgen - vorausgesetzt, der Arzt versorgt den Patienten unmittelbar. Das stellt die Bundesärztekammer in ihren Hinweisen zur Fernbehandlung klar.

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In jedem einzelnen Modellprojekt prüfen begleitende wissenschaftliche Evaluationen, ob Patienten bei der ausschließlichen Fernbehandlung die gleiche Qualität und Expertise erhalten wie in einer Praxis oder im Krankenhaus. Neben den beiden neuen Modellprojekten existieren in Baden-Württemberg bereits vier weitere:

  1. TeleClinic GmbH: Im Oktober 2017 genehmigte die Landesärztekammer das bundesweit erste Modellprojekt zur ausschließlichen Fernbehandlung von Privatversicherten, das von der Teleclinic GmbH in München getragen wird.
  2. "DocDirekt": Im Dezember 2017 erhielt die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg die Genehmigung, die ausschließliche Fernbehandlung von Kassenpatienten zunächst in den Modellregionen Tuttlingen und Stuttgart zu erproben. Allen baden-württembergischen Vertragsärzten soll ermöglicht werden, als sogenannte "Teleärzte" GKV-Patienten mit akuten Behandlungsanlässen im Rahmen des Modellprojekts ausschließlich über Kommunikationsmedien zu behandeln. In "Patientennah erreichbaren Portalpraxen" (PEPP) werden Termine für Patienten freigehalten, die über die Fernbehandlung nicht abschließend behandelt werden konnten.
  3. Justizministerium Baden-Württemberg: Seit Februar 2018 läuft das zunächst auf sechs Monate angelegten Modellprojekt. Gefangene in Justizvollzugsanstalten werden telemedizinisch betreut und behandelt. Um die medizinische Versorgung auch künftig rund um die Uhr sicherstellen zu können, erprobt das Justizministerium Videosprechstunden mit einem dezentralen Ärztepool verschiedener Fachrichtungen. Unter anderem sollen damit logistisch aufwendige Verlegungen von Gefängnisinsassen vermieden werden.
  4. KRY: Im Februar 2018 wurde das Modellprojekt des deutschen Ablegers des schwedischen Gesundheitsversorgers KRY genehmigt. Dafür arbeitet KRY mit Ärzten aus Baden-Württemberg zusammen, die insbesondere eine hausärztliche/allgemeinmedizinische Qualifikation haben. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient erfolgt live über Video in einer Smartphone- oder Tablet-App. KRY arbeitet in Skandinavien und Spanien bereits mit einem Team von mehr als 200 behandelnden Ärzten und hat mit über 250.000 Behandlungen umfassende Expertise in der Durchführung von Videosprechstunden.

Änderung der ärztlichen Berufsordnung

Im Sommer 2016 hatte die Landesärztekammer Baden-Württemberg - bundesweit als Vorreiter - ihre Berufsordnung geändert, um die ausschließliche ärztliche Fernbehandlung im Rahmen von Modellprojekten zu ermöglichen. Erstmalig wurden Modellprojekte zugelassen, bei denen ärztliche Behandlungen ausschließlich über Kommunikationsnetze durchgeführt werden. Voraussetzung für derartige Erprobungen ist, dass sie evaluiert und von der Landesärztekammer Baden-Württemberg genehmigt werden. Auf dem 121. Deutschen Ärztetag Anfang Mai in Erfurt haben die Delegierten einer Änderung der ärztlichen Musterberufsordnung zugestimmt und das bisher geltende berufsrechtliche Verbot der ausschließlichen Fernbehandlung gelockert. Eine ausschließliche Fernbehandlung liegt dann vor, wenn eine ärztliche Beratung oder Behandlung stattfindet, ohne dass zumindest ein persönlicher physischer Kontakt zwischen Arzt und Patient stattgefunden hat. Der geänderte § 7 Absatz 4 der (Muster-)Berufsordnung lautet: "Ärztinnen und Ärzte beraten und behandeln Patientinnen und Patienten im persönlichen Kontakt. Sie können dabei Kommunikationsmedien unterstützend einsetzen. Eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien ist im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt insbesondere durch die Art und Weise der Befunderhebung, Beratung, Behandlung sowie Dokumentation gewahrt wird und die Patientin oder der Patient auch über die Besonderheiten der ausschließlichen Beratung und Behandlung über Kommunikationsmedien aufgeklärt wird. Der nächste Schritt ist die Übernahme dieser Regelung in die rechtsverbindlichen Berufsordnungen der Landesärztekammern. In Schleswig-Holstein ist die von der Kammerversammlung der Landesärztekammer beschlossene Änderung der Berufsordnung zur ausschließlichen Fernbehandlung jetzt vom Gesundheitsministerium genehmigt worden.

Kommt die Lockerung des Fernbehandlungsverbots?

Ärztekontakte über Skype? In Zukunft könnte das möglich werden. Das Fernbehandlungsverbot bei Ärzten ist auf dem Prüfstand. Auf dem Deutschen Ärztetag im Mai soll über eine Lockerung entschieden werden.

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