Sepsis: „Unterschätzte Gefahr aus dem Mund“
Sepsis zählt mit schätzungsweise 140.000 Todesfällen jährlich zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland – und entsteht in rund 80 Prozent der Fälle außerhalb des Krankenhauses, warnt die Sepsis-Stiftung. Aufgrund der Nähe zu den Atemwegen, großen Blutgefäßen und dem Gehirn könnten vor allem Infektionen im Mundraum rasch zu Sepsis oder anderen schwerwiegenden Komplikationen führen.
„Der beste Schutz bleibt gute Mundgesundheit und Prävention“
Die Sepsis-Stiftung betont die Wichtigkeit regelmäßiger zahnärztlicher Vorsorgeuntersuchungen, einer konsequenten Mundhygiene sowie der frühzeitigen Behandlung von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen. Diese gehörten zu den wirksamsten Maßnahmen, um schwere Infektionen im Mundraum und Sepsis zu verhindern.
WHO fordert konsequente Verwendung des Begriffs „Sepsis“
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat ihre Mitgliedstaaten bereits 2017 aufgefordert, gegenüber Patientinnen und Patienten, Angehörigen, sowie in der öffentlichen Kommunikation ausdrücklich den Begriff „Sepsis“ zu verwenden. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Erkrankung zu stärken.
„Fast zehn Jahre später wird diese Empfehlung in Deutschland noch immer nur unzureichend umgesetzt“, kritisiert die Sepsis-Stiftung. Häufig werde über Organversagen, Intensivbehandlungen oder Todesfälle berichtet, ohne den Begriff Sepsis zu nennen. So würden Angehörige häufig weder während der Behandlung noch nach einem Todesfall erfahren, dass eine zunächst lokale Infektion in eine lebensbedrohliche Sepsis übergegangen war. Eine in JAMA veröffentlichte Validierungsstudie zeigt, dass explizite Sepsis-Diagnosecodes nur einen Teil der tatsächlich vorliegenden Sepsisfälle erfassen. Dadurch wird die Krankheitslast sowohl in Statistiken als auch im öffentlichen Bewusstsein unterschätzt.
„Die fehlende Benennung von Sepsis ist nicht nur ein Kommunikationsproblem, sondern ein relevantes Hindernis für die Verbesserung der Gesundheitskompetenz und Patientensicherheit in Deutschland“, betont Intensivmediziner Prof. Dr. Konrad Reinhart. „Wenn Gesundheitspolitiker, Gesundheitsbehörden, die Gesundheitsberichterstattung des Bundes und die Medien bei COVID-19, Influenza, Ebola, Lungenentzündungen oder anderen schweren Infektionen nicht deutlich machen, dass Organversagen und Todesfälle häufig die Folge einer Sepsis sind, bleibt das tatsächliche Ausmaß der Krankheitslast weitgehend unsichtbar.“ Sepsis sei nicht nur ein medizinisches Problem, sondern auch ein Wahrnehmungsproblem. „Sichtbarkeit schafft Bewusstsein, Bewusstsein schafft Priorität – und Priorität rettet Leben“, so Reinhardt.
„Es ist für mich immer wieder erschreckend, wie wenig wir als Gesellschaft über Sepsis hören und wissen – obwohl Sepsis zu den häufigsten medizinischen Notfällen und Todesursachen in Deutschland gehört“, sagt Iljana Schmitz, wissenschaftliche Referentin der Sepsis-Stiftung. „Gezielte Prävention und das Kennen der Warnzeichen retten Leben.“
Die Sepsis-Stiftung setzt sich für die Prävention, Früherkennung und Behandlung von Sepsis ein. Ihr Ziel ist es nach eigenen Angaben, die Zahl vermeidbarer Sepsis-Todesfälle und die Häufigkeit schwerer Langzeitfolgen durch Aufklärung, Forschung, Qualitätsverbesserung und gesundheitspolitisches Engagement nachhaltig zu reduzieren.



