Praxis

Chirurg mit Fernsteuerung

Vorbei die Zeiten, in denen Chirurgen am OP-Tisch standen. An der Berliner Charité gibt es für für komplexe operative Eingriffe in Bauch und Becken sowie im Brustkorb einen OP-Roboter der neuesten Generation.

A horizontal action shot of an operating room featuring the da Vinci Si Surgical System. Intuitive Surgical, Inc.

1 surgeon console, male facing out; 1 patient cart, 1 female nurse attending vision cart Intuitive Surgical, Inc.
1 nurse attending patient cart Intuitive Surgical, Inc.
Docking cannula Obturator Intuitive Surgical, Inc.
Hand Intuitive Motion Intuitive Surgical, Inc.
Image showing hands on the master controls of the surgeon console and the operative screen. Intuitive Surgical, Inc.
Top down Surgeon Console and Intuitive Surgical Intuitive Surgical, Inc.
Surgeon console, surgeon looking into console viewer, patient cart with Single-Site instruments Intuitive Surgical, Inc.
Single Site camera and instruments triangulating Intuitive Surgical, Inc.
Single-Site Setup, graphic representation Intuitive Surgical, Inc.

Kleine Schnitte, wenig Blut: Dafür sitzt der Chirurg wie an einer Spielkonsole einige Meter vom OP-Tisch entfernt und steuert Zangen, Messer, Scheren oder Nadeln mit Händen und Füßen fern.

Mix aus Spielkonsole und Flugsimulator

Der neue Platz für den Chirurgen im OP erinnert an eine Mischung aus Spielkonsole und Flugsimulator. Daumen und Zeigefinger stecken in schmalen Ringen aus Plastik, die Hände steuern das OP-Besteck fern. Die Füße ruhen auf Pedalen. Auf die Berührung reagiert eine winzige Kamera, die das Geschehen im Körper filmt oder ein "dritter Arm". Früher hätte dafür ein Kollege am OP-Tisch assistieren müssen. 

"Da Vinci" heißt der neue Roboter-Kollege, nach dem Universalgenie aus dem 16. Jahrhundert. Sehr viel präziser als früher könne ein Chirurg damit in engen Körperregionen agieren, sagt Jens Rückert, Leiter des Charité-Bereichs Thoraxchirurgie. Das zimmergroße Gerät ist bisher das einzige in Berlin und Brandenburg. Bundesweit sind solche OP-Roboter der neuesten Generation aber bereits im Einsatz.

Entspannender für den Arzt, schonender für Patienten

Der da-Vinci-Roboter kombiniert eine 3D-HD-Bildqualität mit modernster Telemanipulator-Technologie. Das Operieren mit dem neuen 1,5 Millionen Euro teuren Gerät sei für Ärzte entspannender und für Patienten schonender, teilte die Charité mit.

Entspannender, weil der Arzt sich nicht ständig verrenken müsse, sagt Rückert. Selbst die Ausbildung junger Mediziner sei einfacher. Als "Co-Piloten" können sie die Eingriffe wie am Simulator mitverfolgen und später üben. Schonender für Patienten, weil die Eingriffe minimal-invasiver durchgeführt werden können. Große Schnitte in Bauch oder Brust entfallen. Stattdessen werden die Geräte durch kleine Öffnungen in den Körper eingeführt. Im besten Falle reicht ein kleiner Schnitt im Bauchnabel - später ist die Narbe nicht sichtbar. 

Echte 3D-Sicht für den Operateur

Die Verbesserung gegenüber der traditionellen Schlüsselloch-Chirurgie besteht in der echten 3D-Sicht für den Operateur und der vollständigen Bewegungsfreiheit der Instrumente. Zahlreiche weitere qualitativ neue Elemente sorgen für höchste Präzision und Sicherheit bei der Operation. Besonders für enge Operationsfelder in der Urologie, der Thoraxchirurgie und der Gynäkologie ist es vorteilhaft, dass der Operateur das OP-Besteck wie mit seiner Hand bewegen kann - in alle Richtungen.

Eingesetzt wird das neue Gerät zum Beispiel bei der Entfernung der Prostata oder bei Tumoren im Brustbereich. „Mit dem da-Vinci-Roboter können wir bei den betroffenen Patienten die Prostata besonders präzise und gleichzeitig minimal-invasiv entfernen“, erklärt Prof. Dr. Kurt Miller, Direktor der Klinik für Urologie der Charité. „Auch die gefürchteten Nebenwirkungen einer Prostataoperation - Kontinenz- und Potenzprobleme - sind durch die nervenschonende Operation weitaus besser beherrschbar, da selbst empfindliche Erektionsnervenbündel sehr präzise dargestellt und häufig erhalten werden können.“

Diese Schlüsselloch-Chirurgie ist nicht neu. Doch mit der neuen Robotertechnik wird sie laut Charité noch präziser und feiner - und verletzt weniger Gewebe. Die Infektionsgefahr für Patienten sinke, es gebe oft auch weniger Wundschmerzen. 

Die Kamera kann kein Blut sehen

Die klassischen OP-Techniken inklusive der großen Schnitte am Tisch müssen Chirurgen aber weiterhin lernen. Ein Notfall-Team aus Ärzten und Pflegern steht auch immer bereit, falls bei der Roboter-OP etwas schiefgeht. Denn Blut darf kaum fließen - dann kann die Kamera aus dem Körper keine sauberen Bilder mehr übertragen.

Insgesamt können durch das neue System laut Experten alle üblichen Nachteile einer Operation minimiert werden. Die weitaus größere Mobilität der Instrumente verringere die Schmerzen an den Eintrittsstellen der Bauch- oder Brustwand noch weiter als bisher. Dadurch sinke zusätzlich die operationsbedingte Infektionsgefahr. Durch die schonende OP-Methode erhole sich der Patient rascher und könne schneller in den Alltag zurückkehren.

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