Wirtschaftliche Betrachtung der apoBank

So kommen Ärzte, Zahnärzte und Apotheker durch die Krise

Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank) hat nach einem Jahr Corona die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie für Arzt- und Zahnarztpraxen sowie für Apotheken untersucht.

Der direkt auf die Pandemie zurückzuführende Liquiditätsbedarf bei Ärzten, Zahnärzten und Apothekern belief sich insgesamt auf einen dreistelligen Millionenbetrag und betraf insgesamt etwa 2.200 Kunden. Adobe Stock_AD

Die Gesundheitsversorgung ist seit dem Ausbruch der Pandemie spürbaren Veränderungen unterworfen: Präventionsmaßnahmen und elektive Eingriffe wurden abgesagt, zahlreiche Behandlungs- und Beratungstermine fielen aus. Welche Auswirkungen aber hat all das auf die wirtschaftliche Situation von Ärzten, Zahnärzten und Apothekern?

Für Ärzte sind Privatpatienten und Zusatzleistungen entscheidend

GKV-Bereich: Dank konstanter Abschlagszahlungen aus staatlichen Schutzschirmen und der Erstattung pandemiebedingter Zusatzkosten blieben in den Arztpraxen die Auswirkungen im GKV-Bereich bislang moderat. Die Krankenkassen zahlten die Budgets trotz verminderter Leistungsmengen im üblichen Umfang aus.

Für die extrabudgetären Leistungen wurden die Verluste bis zum Ende des vierten Quartals 2020 durch Ausgleichzahlungen begrenzt, sofern sich das Gesamthonorar um mehr als 10 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal verringert hatte.

Perspektivisch könnten sich hier dennoch Umsatz- und Ertragseinbußen ergeben: Zwar hat der Gesetzgeber eine Verlängerung des Rettungsschirms für Ärzte beschlossen - ob und in welchem Umfang die KVen Ausgleichszahlungen aus eigenen Mitteln zahlen können, ist jedoch zurzeit noch unklar.

PKV-Bereich: Sofort spürbar war im ersten Lockdown aufgrund des starken Patientenrückgangs der Ausfall bei PKV-Umsätzen und aus Leistungen für Selbstzahler. Die Honorare für Privatleistungen sanken im April 2020 um durchschnittlich rund 30 Prozent. Bei einigen Facharztgruppen waren die Umsatzeinbußen sogar deutlich höher. Eine Kompensation dieser Honorarverluste fand nicht statt.

Privatleistungen machen aber je nach Fachrichtung und Praxisstandort einen relevanten Anteil der Gesamteinnahmen aus, insbesondere bei den technik-intensiven Fachdisziplinen wie Radiologie und Ophthalmologie. Aber auch Hautärzte, Orthopäden, Urologen und HNO-Ärzte haben in der Regel zwischen 35 und 50 Prozent an Einnahmen durch Privatpatienten und Selbstzahlerleistungen.

Zahnärzte mussten die Versorgung teilweise stark zurückfahren

PKV-Bereich: Die Einnahmen von Zahnärzten und Kieferorthopäden aus Privat- und Selbstzahlerleistungen liegen mit mehr als 50 Prozent noch über den Werten der Facharztgruppen. Als Folge rückläufiger Patientenzahlen hatten die Zahnärzte vor allem zu Beginn der Pandemie große Umsatzeinbußen zu verzeichnen, im April 2020 gingen die Einnahmen bei Privatleistungen um rund 50 Prozent zurück.

Erst mit sinkenden Infektionszahlen und Lockerung der Kontaktbeschränkungen im Mai nahm der Umfang der Leistungen wieder zu und lag im Sommer leicht unter dem Vorjahresniveau. Die Bundesregierung hat zwar sowohl für 2020 als auch für 2021 Liquiditätshilfen für Zahnärzte beschlossen - allerdings handelt es sich hier um reine Darlehen.

GKV-Bereich: Die beteiligten KZVen erhalten zur Ausschüttung an ihre Praxen 90 Prozent der Gesamtvergütung aus 2019. Leistungseinbrüche aus 2020 schlagen sich damit 2021 noch nicht durch, doch müssen mögliche Überzahlungen der Krankenkassen für nicht erbrachte Leistungen in 2022 und 2023 vollständig ausgeglichen werden.

Die Leistungsmenge ist dabei nicht gedeckelt, so dass Nachholeffekte ermöglicht werden. Und sollten kürzlich gegründete oder übernommene Praxen durch den pandemiebedingten Leistungsrückgang in wirtschaftliche Schieflage geraten, können sie durch die KZVen gefördert werden.

Apotheker profilierten sich als Gesundheitsmanager in der Krise

Gleich am Anfang der Corona-Krise im März 2020 verzeichneten viele Apotheken noch Umsatzsteigerungen, doch kurze Zeit später sank die Nachfrage deutlich, und bereits im Mai lag der Arzneimittelabsatz - sowohl der verschreibungspflichtigen als auch der rezeptfreien Medikamente - zwischen 20 und 30 Prozent unter Vorjahresniveau.

Je nach Standort und Leistungsangebot waren die Apotheken unterschiedlich von der Krise betroffen. Vor allem Centerapotheken, aber auch Apotheken in Einkaufsstraßen litten unter der gedrosselten Nachfrage. Positiv wirkten sich die bürokratischen Erleichterungen zur Sicherstellung des Betriebs aus - sei es bei der Herstellung von Desinfektionsmitteln oder bei der finanziellen Förderung des Botendienstes.

Gleichzeitig hat die Pandemie die Bedeutung der Apotheken als Gesundheitsmanager gestärkt. So werden die Apotheker intensiv in die Pandemie-Bewältigungspolitik eingebunden, zum Beispiel bei der Verteilung von Schutzmasken oder bei der Durchführung von Schnelltests.

Liquiditätsbedarf in der Krise

Der explizit auf die Pandemie zurückzuführende Liquiditätsbedarf bei Ärzten, Zahnärzten und Apothekern war bislang unterschiedlich, bilanziert die apoBank. Er belief sich demzufolge in der Summe auf einen dreistelligen Millionenbetrag und betraf insgesamt etwa 2.200 Kunden. Tatsächliche Liquiditätsengpässe erwartet die apoBank aber nur in seltenen Ausnahmen.

Insgesamt bleibe die wirtschaftliche Lage bei Praxen und Apotheken nach einem Jahr Pandemie heterogen und hänge stark vom Standort oder Spezialisierung ab. Zwar hätten die staatlichen Schutzmaßnahmen größere Verwerfungen in der ambulanten Versorgung verhindert, doch dauern die durch die Pandemie veränderten Rahmenbedingungen länger an, werde sich daraus auch ein veränderter Versorgungsbedarf ergeben und die Auswirkungen auf die Praxen und Apotheken müssten neu eingeordnet werden.

Um das Gesundheitssystem nachhaltig zu stabilisieren, seien daher weiterhin finanzielle Unterstützung und strukturelle Förderungsmaßnahmen nötig..

Das neu identifizierte Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht die "Corona virus disease 2019" (Covid-19) und ist Auslöser der COVID-19-Pandemie.

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