Zahnmedizin

Beeinflusst der Speichel das Kariesrisiko?

Dänische Forscher haben festgestellt, dass Assoziationen zwischen dem mikrobiellen Speichelprofil und dem Auftreten von Karies bestehen. Möglicherweise kann man durch das Speichelmikrobiom das individuelle Kariesrisiko einschätzen.

Foto: doc-stock

Der Vergleich des Speichelmikrobioms von Personen mit niedriger und hoher Karieserfahrung ergab, dass bei Gesunden eine signifikant höhere Diversität vorliegt. Zudem treten die Spezies Neisseria, Haemophilus und Fusobacterium zweimal häufiger auf als bei Patienten mit hoher Karieserfahrung. Die Ergebnisse legen nahe, dass Assoziationen zwischen dem mikrobiellen Speichelprofil und dem Auftreten von Karies bestehen. Möglicherweise kann durch das Speichelmikrobiom eine Einschätzung des individuellen Kariesrisikos vorgenommen werden.

Frage: Ist die Karieserfahrung mit mikrobiellen Speichelprofilen assoziiert?

Ob die Karieserfahrung jedoch mit bestimmten mikrobiellen Speichelprofilen assoziiert ist, ist bislang unbekannt. In dieser dänischen Querschnittsstudie (DANHES, Danish Health Examination Survey) wurden in den Jahren 2008 bis 2009 von drei Dentalhygienikern die Karies-Indizes (DMFT, DMFS) von 4.402 Probanden bestimmt. Davon wurden 85 Teilnehmer einer gesunden Gruppe mit niedriger Karieserfahrung zugeordnet und 79 einer Gruppe mit hoher Karieserfahrung.

Von der gesunden Gruppe waren zum Untersuchungszeitpunkt 57 kariesfrei, in der Gruppe mit hoher Karieserfahrung 31. Von ihnen wurden Speichelproben gewonnen, aus denen DNA isoliert wurde: Insgesamt konnten etwa 600 Bakterien-Spezies simultan identifiziert werden. In beiden Gruppen waren die fünf am häufigsten vorkommenden Arten Streptococcus, Prevotella, Rothia, Veillonella und Granulicatella - sie machten etwa 50 Prozent der vorhandenen bakteriellen DNA aus.

Der Vergleich der Diversität mithilfe des Shannon diversity index zeigte, dass in der gesunden Gruppe eine signifikant höhere a-Diversität vorlag (M ± SD = 2,36 ± 0,35) als in der Kariesgruppe (M ± SD = 2,12 ± 0,32; p < 0,0001). Außerdem waren zwölf Bakterienarten mit einer niedrigen und 14 mit einer hohen Karieserfahrung assoziiert waren (p < 0,0001). Sie stellten insgesamt weniger als 0,1 Prozent des Speichelmikrobioms dar.

Wurden nur kariesfreie Probanden untersucht, waren die Unterschiede in der Diversität noch stärker erkennbar (2,39 ± 0,32 vs. 2,00 ± 0,29; p < 0,0001). Hier waren sieben Arten mit einer geringen und vier mit einer hohen Karieserfahrung assoziiert. Bei den kariesfreien gesunden Probanden traten Neisseria (3-fach), Fusobacterium (3-fach), Gamella (2-fach) und Haemophilus (2-fach) signifikant häufiger auf als bei kariesfreien Personen mit hoher Karieserfahrung. Streptokokken wurden hingegen etwas häufiger bei Personen mit hoher Karieserfahrung gefunden.

Antwort: Wer noch nie Karies hatte, dessen Speichelzusammensetzung begünstigt die Remineralisation des Zahnschmelzes

Physikochemische Speicheluntersuchungen ergaben ähnliche Ergebnisse: Personen mit einer geringen Karieserfahrung zeigten eine andere Speichelzusammensetzung, die die Remineralisation des Zahnschmelzes durch höhere Calcium- und Phosphorkonzentrationen begünstigte.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass sich die Eigenschaften des Speichels in Bezug auf die physikochemische und bakterielle Zusammensetzung auf das Kariesrisiko auswirken. Ob dies tatsächlich der Fall ist, bleibt im Rahmen einer Longitudinalstudie zu klären.

D. Belstrøm, P. Holmstrup, N.E. Fiehn, N. Kirkby, A. Kokaras, B.J. Pasterd, A. Bardow: Salivary microbiota in individuals with different levels of caries experience, in Journal of Oral Microbiology, Volume 9, 2017 - Issue 1, DOI: 10.1080/20002297.2016.1270614

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