Zahnmedizin

Best Practice der Adhäsivsysteme - Teil 2

Dentale Adhäsivsysteme können je nach Anwendungsverfahren in zwei Gruppen unterteilt werden: Etch&Rinse- und selbstätzende Systeme. Gerd Göstemeyer, Aline Reiner und Uwe Blunck zeigen die Best Practice in unserer vierteiligen Bilderstrecke. Teil 2: Ein-Flaschen-Etch&Rinse-Systeme.

Abbildung 1: Präparation mit zirkulärer Anschrägung von 0,5 Millimeter. Die Anschrägung dient zur Vergrößerung der Haftfläche. Gerd Göstemeyer

Abbildung 2: Applikation von 37-prozentiger Phosphorsäure auf die Schmelzanteile der Kavität. Gerd Göstemeyer
Abbildung 3: Nachdem die Phosphorsäure für mindestens 15 Sekunden auf den Schmelz einwirken konnte, wird die gesamte Kavität mit Säure aufgefüllt und weitere 15 bis 20 Sekunden gewartet. Die angestrebten Ätzzeiten betragen mindestens 30 Sekunden für Schmelz und 15 bis 20 Sekunden für Dentin. Ein Unterschreiten der Ätzzeit kann zu einer Verschlechterung des Haftverbundes führen. Im Dentin führt auch das Überschreiten der Ätz-Zeit zu einem schlechteren Verbund. Sollte die Säure länger als beabsichtigt auf die Dentin-Oberfläche eingewirkt haben, ist es empfehlenswert, die Primer-Applikation ebenfalls entsprechend zu verlängern. Gerd Göstemeyer
Abbildung 4: Absprühen der Säure mit hohem Sprühdruck für mindestens 15 s. Neben der Säure sollen vor allem Präzipitate entfernt werden, die während der Ätzung entstehen. Gerd Göstemeyer
Abbildung 5: Nach dem Trocknen der Kavität soll ein Ätzmuster im Schmelz sichtbar sein. Gerd Göstemeyer
Abbildung 6: Wiederbefeuchten des Dentins (Rewetting) mit 2-prozentiger Chlorhexidinlösung. Durch diesen Arbeitsschritt wird kollabiertes Kollagen wiederaufgerichtet. Zudem deaktiviert das Chlorhexidin körpereigene Enzyme (sog. Matrix-Metallo-Proteinasen), die eine Degradation der Adhäsivschicht bewirken können. Die Einwirkzeit der Chlorhexidinlösung sollte eine Minute betragen. Gerd Göstemeyer
Abbildung 7: Feuchte Dentin-Oberfläche nach dem Rewetting. Nach dem Rewetting soll das Dentin leicht glänzen, es sollten aber keine Pfützen sichtbar sein. Gerd Göstemeyer
Abbildung 8: Das Primer-Adhäsiv-Gemisch wird in der gesamten Kavität verteilt und für 30 s auf dem Dentin aktiv appliziert. Dabei wird das Kollagengeflecht, welches beim Ätzvorgang freigelegt worden ist, mit Monomeren durchsetzt und es bildet sich die so genannte Hybridschicht. Gerd Göstemeyer
Abbildung 9: Verblasen des Primer-Adhäsiv-Gemisches. Der Luftstrom bewirkt das Verdunsten des Lösungsmittels. Die Kavität sollte leicht glänzend aber die aufgetragene Flüssigkeit nicht mehr im Luftstrom zu bewegen sein. Gerd Göstemeyer
Abbildung 10: Lichthärten der Kavität für mindestens 10 Sekunden. Dabei muss darauf geachtet werden, dass das Licht alle Bereiche der Kavität erreicht. Gerd Göstemeyer
Abbildung 11: Vorbereitete Kavität für die Versorgung mit einer Komposit-Füllung. Gerd Göstemeyer

Dentale Adhäsivsysteme können nach Anwendungsverfahren in zwei Gruppen unterteilt werden: Etch&Rinse- und selbstätzende Systeme. Vor der Applikation eines Etch&Rinse-Systems ist es notwendig, die Kavität mit Phosphorsäure zu konditionieren. Dabei wird die Säure meistens in Form eines Gels auf die Zahnoberfläche aufgetragen (Etch) und nach einer gewissen Einwirkzeit abgespült (Rinse). Auf die so konditionierte Zahnoberfläche wird das Adhäsivsystem aufgetragen, das aus einer (Ein-Flaschen-Etch&Rinse-System) oder mehreren Komponenten (Mehr-Flaschen-Etch&Rinse-System) bestehen kann.

Bei den selbstätzenden Adhäsivsystemen ist eine separate Ätzung nicht zwingend erforderlich. Die Konditionierung geschieht hier mithilfe von sauren Monomer-Lösungen, die bereits im Adhäsivsystem enthalten sind. Es ist jedoch empfehlenswert, vor dem Auftragen eines selbstätzenden Adhäsivs die Schmelzanteile der Kavität mit Phosphorsäure zu konditionieren.

Diese Vorgehensweise trägt zu einer Verbesserung des Haftverbundes zum Schmelz bei. Bei den selbstätzenden Adhäsivsystemen können Primer und Adhäsiv getrennt (selbstätzende Adhäsive mit Zwei-Schritt-Applikation) oder als Gemisch vorliegen (All-in-one-Adhäsive). Eine Neuentwicklung auf dem Gebiet der Adhäsivsysteme stellen die Universal-Adhäsive dar. Diese lassen sich sowohl in der Etch&Rinse-Technik als auch als selbstätzendes Adhäsiv einsetzen.

Ein-Flaschen-Etch&Rinse-Systeme  

Bei den Ein-Flaschen-Etch&Rinse-Systemen liegen Primer und Adhäsiv als Gemisch in einer Flasche vor. Als Lösungsmittel enthalten sie oft Alkohol oder Aceton. Diese Lösungsmittel sind nicht in der Lage, ein kollabiertes Kollagennetzwerk, wie es zum Beispiel beim Trocknen der Kavität entsteht, wieder aufzurichten. Das Rewetting stellt daher einen entscheidenden Arbeitsschritt dar. Ein-Flaschen-Etch&Rinse-Systeme werden entweder ein- oder zweimal in die Kavität appliziert.

Dr. Gerd Göstemeyer und Dr. Uwe Blunck
Charité - Universitätsmedizin Berlin
CharitéCentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde
Abteilung für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin
Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin-Wilmersdorf
Gerd.Goestemeyer@charite.de
ublunck@charite.de

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