Zahnmedizin

Empfehlungen bei radiogener oraler Mucositis

Die S3-Leitlinie zur supportiven Therapie bei onkologischen Patienten gibt auch Behandlungsempfehlungen für Patienten mit radiogener oraler Mucositis.

Patient mit oraler Mukositis unter zytostatischer Chemotherapie [aus dem Beitrag: "Aspekte der zahnärztlichen Behandlung von Patienten mit Malignomen", zm 22/2007]. Folwaczny

Ab Seite 150 widmet sich die S3-Leitlinie zur supportiven Therapie bei onkologischen Patienten der "Oralen Mucositis durch systemische Tumortherapie". Zu den therapiebezogenen Risikofaktoren, die Inzidenz und Ausprägung der oralen Mucositis (OM) erhöhen, zählen Art und Dosierung der Chemotherapie - demnach die Hochdosis-Chemotherapie sowie die Allogene Knochenmarktransplantation. Zu den patientenbezogenen Risikofaktoren zählen: schlechte Mundgesundheit und -hygiene, reduzierter Speichelfluss, genetische Faktoren, eingeschränkte Nieren/Leberfunktion und eine vorausgegangene Tumortherapie (z.B. Kopf-Hals-Tumoren).

Standardisierte Mundpflege zur Prophylaxe oraler Mucositis für Risikopatienten

Eine standardisierte Mundpflege zur Prophylaxe oraler Mucositis soll demnach in allen Altersgruppen und bei allen Krebsbehandlungsarten mit einem Risiko für OM erfolgen. Sie besteht aus risikoadaptierten vorbeugenden Maßnahmen durch den Zahnarzt, engmaschiger klinischer Kontrolle und der Pflege durch den Patienten mittels:

  • Mundspülung (=regelmäßige Mundbefeuchtung)
  • Pflege der Zähne mit einer weichen Zahnbürste
  • Reinigung der Zahnzwischenräume mit Zahnseide und/oder Interdentalbürsten
  • Vermeidung von Noxen (Alkohol- oder zuckerhaltige Lösungen, Tabak, scharfe und heiße Speisen, säurehaltige Lebensmittel)
  • fortlaufende Kontrolle auf Läsionen und Schmerzen

Als evidenzbasierte Empfehlung sollten darüber hinaus alle Patienten mit einem Risiko für OM regelmäßige Mundspülungen prophylaktisch durchführen. Dies kann mit Wasser oder NaCl 0,9 Prozent erfolgen. Der Nutzen anderer Inhaltsstoffe ist nicht belegt, eine Empfehlung kann demnach nicht erfolgen.

Eine weitere evidenzbasierte Empfehlung lautet: 30 Minuten orale Kryotherapie (Lutschen von Eiswürfeln) soll zur Prophylaxe oraler Mucositis bei Patienten angewendet werden, die Bolus 5-Fluorouracil Chemotherapie erhalten. Für die Anwendung von Low-Level-Lasertherapie zur Prophylaxe von oraler Mucositis bei Chemotherapie liegt demnach keine ausreichende Evidenz vor, um eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz zu rechtfertigen. Evidenzbasiert wird empfohlen, Sucralfat nicht zur Prophylaxe einer oralen Mucositis bei Patienten mit Chemotherapie einzusetzen.

Evidenzbasiert empfohlen wird auch: Die orale Kryotherapie durch Lutschen von Eiswürfeln kann zur Prophylaxe der oralen Mucositis bei Patienten mit HSZT mit Hochdosis-Melphalan (mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung) angewendet werden.

Für folgende Substanzen (topisch oder systemisch) liegt keine ausreichende Evidenz vor, um eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz zu rechtfertigen: Allopurinol, Capsaicin, Glutamin iv oder oral, Honig, Kamille, Kamillosan, Kaugummi, Kefir, Methadon, Nystatin, Pentoxyphillin, Povidon-Jod, Rhodiola algida, Tetrachlorodecaoxid (TCDO), Vitamin A, Vitamin E, Kombinationen von Vitaminen.

Keine ausreichende Evidenz für oder gegen Laserbehandlung

Keine ausreichende Evidenz gibt es für oder gegen die Laserbehandlung zur Prophylaxe von oraler Mucositis bei Patienten, die für eine HSZT konditionierende Hochdosischemotherapie erhalten. Das schließt Patienten mit und ohne Ganzkörperbestrahlung ein. Ebenfalls besteht keine Möglichkeit zur Differenzierung zwischen autologer oder allogener HSZT.

Intravenöse Verabreichung von Glutamin soll nicht zur Prophylaxe der oralen Mucositis bei Patienten mit HSZT (mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung) angewendet werden, lautet eine weitere evidenzbasierte Empfehlung. Gleiches gilt für Pentoxifyllin per os, das nicht zur Prophylaxe der oralen Mucositis bei Patienten mit hämatopoetischer Stammzelltransplantation (mit oder ohne Gesamtkörperbestrahlung) erfolgen sollte. Zudem sollte Pilocarpin in Tablettenform nicht zur Prophylaxe der oralen Mucositis bei diesen Patienten gegeben werden.

Aufgrund widersprüchlicher Daten ist für oder gegen die Anwendung des rekombinanten humanen Keratinozytenwachstumsfaktor-1 (KGF-1/Palifermin) zur Prophylaxe der oralen Mucositis bei Hochdosichemotherapie keine Empfehlung möglich.

Für folgende Substanzen liegt bei Hochdosis-Chemotherapie keine ausreichende Evidenz vor, um eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz zur Prophylaxe bei oraler Mucositis zu rechtfertigen: Aciclovir, chinesische Kräuter, Clarithromycin, Colchizin, Glutamin oral oder in Kombination von oral mit iv, Immunglobuline, Misoprostol, Nystatin, Povidon-Jod, Propanthelin, Traumeel S®, Vitamin A.

Orale Mundpflegeprotokolle sollten begleitend zur Therapie der oralen Mucositis fortgeführt werden. Ein spezieller Zusatz wird nicht empfohlen. Bei Bedarf sollten Opioide in der systemischen Schmerztherapie bei oraler Mucositis durch Chemotherapie eingesetzt werden. Und Analgesie mit Opioiden soll bei Bedarf zur Therapie der oralen Mucositis bei Patienten mit hämatopoetischer Stammzelltransplantation (mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung) eingesetzt werden.

Die Sucralfat Mundspülung soll nicht zur Therapie der oralen Mucositis bei Patienten mit hämatopoetischer Stammzelltransplantation (mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung) angewendet werden. Und für folgende Substanzen liegt keine ausreichende Evidenz vor, um eine Empfehlung für oder gegen den Einsatz zur Therapie der oralen Mucosistis bei Patienten mit hämatopoetischer Stammzelltransplantation (mit oder ohne Ganzkörperbestrahlung) zu rechtfertigen: Benzydamin, Diphenhydramin, Mesalazin, Prostaglandin E2.

Die S3-Leitlinie zur supportiven Therapie bei onkologischen Patienten entstand unter der Federführung der Deutschen Krebsgesellschaft (Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie, Rehabilitation und Sozialmedizin [ASORS]), der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie (DGHO) sowie der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) und wurde innerhalb des Leitlinienprogramms Onkologie durch die Deutsche Krebshilfe (DKH) gefördert.

Die Leitlinie im Original finden Sie hier.

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