Endoprothesen: Antibiotika-Prophylaxe vor Zahn-OP

dg
Zahnmedizin
Macht die prophylaktische Antibiotika-Gabe bei Patienten mit künstlichen Gelenken Sinn, wenn ein zahnärztlicher Eingriff geplant ist? Eine Expertengruppe aus der Schweiz hat praxisnahe Empfehlungen formuliert.

Die Expertengruppe um Privatdozent Dr. med. Parham Sendi vom Universitätsklinik für Infektiologie in Bern empfiehlt vor der Implantation einer Gelenkprothese eine zahnärztliche Begutachtung. Dadurch könnten potenzielle Infektionsherde frühzeitig entdeckt und behandelt werden. Zudem sollten Zahnärzte den Zahnstatus regelmäßig beurteilen und Patienten auf die tägliche Mundhygiene hinweisen. Bei Patienten mit schlechter Mundgesundheit und suboptimaler Mundhygiene sei es ratsam, eine zahnmedizinische Untersuchung und allenfalls eine Fokussanierung durchzuführen

Antibiotische Therapie einer apikalen Parodontitis

Falls sich ein Patient mit künstlichem Gelenk einem zahnmedizinischen Eingriff wegen einer Infektion wie einer apikalen Parodontitis oder einem etablierten Abszess unterziehen muss, sollte eine antibiotische Therapie mit Amoxicillin/ Clavulansäure oder Clindamycin für jeweils drei bis fünf Tage erfolgen. Die Therapie könne 60 Minuten vor dem zahnmedizinischen Eingriff beginnen. Liegt keine identifizierte Infektion vor, sei eine systemische antibiotische Therapie nicht indiziert. Die Experten raten, dass Patienten den Mund mit 0,2 prozentigem Chlorhexidin spülen.

Bei Bakteriämien sieht es anders aus. Zwar kommen sie nach einer zahnärztlichen Behandlung häufig vor. Nach einer  Zahnextraktion liegt die Bakteriämieinzidenz den Forschern zufolge bei ungefähr 60 Prozent und dauert 15 bis 20 Minuten. Mit antibiotischer Prophylaxe sind es etwa 33 Prozent. Selbst nach dem Zähneputzen, Kaugummikauen, beim Benutzen von Zahnseide können Bakteriämien auftreten.

Infektionen von endoprothetisch versorgten Gelenken durch eine Bakteriämie nach zahnärztlichen Eingriffen sind aber selten und rechtfertigen keine Antibiotika-Prophylaxe. Denn um eine Infektion zu verhindern müssten mehrere Tausend Patienten antibiotisch behandelt werden. Bei diesem Verhältnis übersteige das Risiko von unerwünschten Wirkungen den Nutzen der antibiotischen Prophylaxe, heißt es in den Empfehlungen.

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 Das vollständige Konsensus-Dokument der Expertengruppe Infektionen der Swiss Orthopaedics finden Siehier.

Nach Angaben von Dr. Silke Auras, Leitlinienbeauftragte der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK), existieren in Deutschland bisher keine Empfehlungen beziehungsweise Leitlinien zur Prophylaxe von Endoprotheseninfektionen und sind auch nicht in Arbeit.

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