Zahnmedizin

Strategien zur Vorbeugung einer Wurzelkaries

In einem Laborversuch wurde der Einfluss von Natriumfluorid, Chlorhexidin und Silberdiaminfluorid in unterschiedlichen Applikationsformen auf die Prävention von Wurzelkaries untersucht - preiswürdig! Für ihre Studie erhielten die Autoren den 2. Platz beim Wrigley-Prophylaxe-Preis.

Abbildung 1: Wurzelkaries in verschiedenen Stadien an unterschiedlichen Bereichen der freiliegenden Wurzeloberfläche. Die Wurzeloberfläche stellt eine Kariesprädilektionsstelle bei Senioren dar. Falk Schwendicke

Abbildung 2: Bissflügelaufnahme mit Wurzelkaries in unterschiedlichen Stadien bei einem 75-jährigen, pflegebedürftigen Patienten. Einige ansonsten kariesfreie Zähne weisen ausgeprägte Wurzelkariesläsionen im Approximalbereich auf. Falk Schwendicke
Abbildung 3: Design der Proben für den Versuch. Quaderförmige Proben wurden aus Rinderzahnwurzeln gewonnen. Ein Teilbereich der Proben wurde als Referenz mit Nagellack abgedeckt. Gerd Göstemeyer
Abbildung 4: Mineralverluste in den unterschiedlichen Versuchsgruppen als Parameter für den kariesprotektiven Effekt. Je geringer der Mineralverlust, desto besser ist der kariesprotektive Effekt. (Abkürzungen: SDF: Silberdiaminfluorid, CHX: Chlorhexidin, NaF: Natriumfluorid) Die hellblauen Diagrammsäulen stellen die Messwerte für die an den Lack angrenzenden Flächen dar. Gerd Göstemeyer

"Die Studie liefert Untersuchungsergebnisse, die speziell für die alternde Klientel von großem Nutzen werden können", begründete die Jury ihre Entscheidung und verlieh der Arbeitsgruppe aus der Zahnklinik der Charité in Berlin den zweiten Platz im Bereich Wissenschaft des Wrigley-Prophylaxe-Preises, der anlässlich der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung verliehen wurde.

Die Autoren stellen ihre Ergebnisse hier vor:

Durch Fortschritte in der zahnärztlichen Prävention und Therapie können Senioren heute ihre eigenen Zähne bis in ein hohes Alter behalten. Aufgrund altersbedingter Veränderungen, wie zum Beispiel der Rückbildung des Zahnhalteapparates, besteht für die erhaltenen Zähne jedoch ein hohes Risiko für die Entwicklung von Wurzelkaries (Abbildung 1).

In der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) konnte gezeigt werden, dass insbesondere Zähne von pflegebedürftigen Senioren häufig Wurzelkaries aufweisen. Da Wurzelkariesläsionen in unzugänglichen Bereichen wie Approximalräumen schwer zu therapieren sind (Abbildung 2) und die Therapieoptionen bei pflegebedürftigen Patienten meist eingeschränkt sind, ist es von großer Bedeutung, der Entstehung von Wurzelkaries bei Senioren vorzubeugen. Daher war es das Ziel unserer Untersuchung, den Effekt von unterschiedlichen kariesprophylaktischen Substanzen in verschiedenen Darreichungsformen (als Lack oder Spülung) auf die Entstehung von Wurzelkaries in einem kariogenen Biofilmmodell zu untersuchen.

Durchführung der Untersuchung

Hierzu wurden 140 Dentinproben aus den Wurzeln von Rinderzähnen gewonnen (Abbildung 3) und randomisiert einer von sieben Gruppen mit je 20 Proben zugeteilt. In vier Gruppen wurden jeweils Lacke appliziert: 38-prozentigen Silberdiaminfluorid; 35-prozentigen Chlorhexidinlack; 22,600 ppm Natriumfluoridlack; Plazebolack (Lack ohne kariesprotektive Substanz);

In zwei Gruppen wurden Spüllösungen appliziert: 500 ppm Natriumfluoridspülung; 0,1-prozentige Chlorhexidinspülung; Eine Gruppe wurde nicht kariespräventiv behandelt und diente als Kontrolle. Die Lacke wurden einmalig vor Versuchsbeginn aufgetragen und die Spüllösungen einmal täglich während des Versuchs appliziert. Die kariogenen Bedingungen wurden in einem kariogenen Biofilmmodell durch Kultivierung von Lactobazillus rhamnosus Bakterien erzeugt. Die Bakterienkulturen wurden dabei mehrmals täglich im Wechsel mit Substrat (Saccharose-haltige Spülung) und mit künstlichem Speichel umspült.

Nach zwölf Tagen wurde, als Maß für den kariesprotektiven Effekt, der Mineralverlust in den Proben unterhalb der behandelten Flächen mittels Transversaler Mikroradiografie ermittelt. Bei den Proben aus den Lackgruppen wurde zusätzlich der Mineralverlust unterhalb der dem Lack angrenzenden Flächen untersucht. Um die antibakteriellen Eigenschaften der getesteten Substanzen zu untersuchen, wurde zudem die Bakterienzahl des die Proben bedeckenden Biofilms bestimmt.

Ergebnisse

Die tägliche Spülung mit Natriumfluorid hatte den stärksten kariesprotektiven Effekt (Abbildung 4). Der Effekt von Silberdiaminfluorid- und Plazebolack war zwar geringer als der von Natriumfluoridspülung, jedoch signifikant besser als der karisesprotektive Effekt von Chlorhexidinlack oder -spülung. Keine der Behandlungen hatte einen signifikanten Effekt auf die Bakterienzahl und keiner der Lacke hatte einen kariesprotektiven Effekt auf die angrenzende, nicht von Lack bedeckte Dentinoberfläche.

Fazit

Aufgrund der Ergebnisse der Studie kann angenommen werden, dass die regelmäßige Applikation remineralisierender Substanzen in Form von Spüllösungen wirksamer ist als die einmalige Applikation in Form von Lacken. Die antibakteriell wirkende Substanz Chlorhexidin hatte unabhängig von der Applikationsform keinen Effekt auf die Kariesprogression im Mundmodell. Da es sich bei der vorliegenden Studie jedoch um eine Laboruntersuchung handelt, sollten zunächst weitere Untersuchungen unter klinischen Bedingungen durchgeführt werden, um klare Empfehlungen für die Praxis ableiten zu können.

Dr. Gerd Göstemeyer
Anna Kohls
Prof. Dr. Sebastian Paris
PD Dr. Falk Schwendicke
Charité Centrum für ZMK-Heilkunde
Abteilung für Zahnerhaltungskunde und Präventivzahnmedizin
Aßmannshauser Str. 4-6, 14197 Berlin
gerd.goestemeyer@charite.de

16915311690193169016716901681691532 1691533 1690169
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen