Die Entwicklung des Zahnarztberufs (6)

Die Frauenfrage

Sollen Frauen als Zahnärzte praktizieren? Ist das nicht standesschädigend? Lange wurden die Fragen der Eignung und der Zugehörigkeit zur zahnärztlichen Profession abhängig vom Geschlecht beantwortet. Wie der steigende Anteil der Zahnärztinnen über die Jahrhunderte sukzessive das Berufsbild des Zahnarztes verändert hat.

Die Geschichte des Zahnarztberufes lässt sich bis in das 19. Jahrhundert zurück verfolgen. [M]zm-akg images-Fotolia-SydaProductions

1869 eröffnete Henriette Hirschfeld (sie heiratete 1872) ihre Praxis in der Berliner Behrenstraße 9. Sie war die erste selbstständige, (in den USA) akademisch ausgebildete Zahnärztin in Deutschland. km-zm

Die Zulassung von Studentinnen zu den deutschen Universitäten und die zunehmende Akzeptanz weiblicher Vertreter in den akademischen Heilberufen gelten als zentrale bildungspolitische Neuerungen des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts [Bleker, 1998]. Der Zahnarztberuf konnte von dieser Entwicklung nicht unberührt bleiben. Die Diskussion um die Eignung von Frauen für medizinische Studiengänge lässt sich hierbei bis zu den Anfängen des 19. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Während der Historiker Luden in seinem „Handbuch der Staatsweisheit oder der Politik“ weibliche Ärzte forderte, damit die männlich besetzte Heilkunde ergänzt und „vervollkommnet“ werde, kam der Mediziner Stoll 1811 im „Jahrbuch der Staatsarzneikunde“ zum gegenteiligen Ergebnis: „Welch ein unermeßliches Feld, von bestimmten Kenntnissen, die nur der seltene Geist des Menschen mit Männerstärke zu erfassen vermag! Und dem schwächern Weibe soll dies gelingen? Halbheit taugt nirgend“ [Groß, 1994].

Das Weib ist zu schwach

Tatsächlich war gerade das Berufsbild des Zahnarztes – nicht zuletzt bedingt durch die handwerkliche Ausrichtung der Tätigkeit – traditionell männlich besetzt. Obgleich bereits im 18. und im 19. Jahrhundert vereinzelt Frauen als Zahnbehandlerinnen tätig waren, nahmen sie auf die Entwicklung der zahnärztlichen Profession in Deutschland keinen nennenswerten Einfluss. Sie hatten zum Teil Befähigungsnachweise im Ausland erworben, die in Einzelfällen von deutschen Behörden anerkannt wurden. So erschien etwa 1817 in der „Königlich privilegierten Berlinischen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen“ das Inserat einer gewissen Josephine Serre, die als „approbierte Zahnärztin von der Universität zu Krakau“ auf-trat, „mit dem Rechte der freien Praxis im ganzen Russischen Reiche, und vom Ober-Collegio medico et sanitatis zu Berlin [Proskauer, 1927]“. Die organisierte Zahnärzteschaft empfand die Ausübung der Zahnheilkunde durch Frauen als standesschädigend.

So beklagte sich der Zahnarzt Kranner 1860 in den Mitteilungen des „Central-Vereins deutscher Zahnärzte“ – der Vorgängerorganisation der heutigen DGZMK: „In Folge des leichten Erlangens einer zahnärztlichen Concession befinden sich denn noch bei uns einige Damen als Vertreterinnen des zahnärztlichen Berufes. Diese eine Thatsache ist, glaube ich, hinreichend, um einen Beweis zu geben, wie wenig Werth man unserm Fache beilegte; denn, wenn ich auch von diesen Damen, in der nach ihren Begriffen richtigen Ausführung ihres Berufes, alle Gerechtigkeit widerfahren lassen will, so stellt man doch jetzt nach Verlauf einer ziemlichen Reihe von Jahren, an uns Anforderungen, welchen schwerlich eine Dame entsprechen kann [Kranner, 1860].“

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