Die Entwicklung des Zahnarztberufs (7)

Die Etablierung der Schulzahnkliniken

Die zahnmedizinische Versorgung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war mangelhaft, das Wissen über Zahngesundheit auch. Doch wie klärt man das Volk auf? Der Weg: eine bessere Zahnpflege bei Schülern – mithilfe sogenannter Schulzahnkliniken. Über die herausragende Bedeutung der Etablierung der Schulzahnpflege bei der Professionalisierung des Berufsstands.

Die Geschichte des Zahnarztberufes lässt sich bis in das 19. Jahrhundert zurück verfolgen. [M]zm-akg images-Fotolia-Syda Productions

Schulzahnpflege 1914 in Berlin-Neukölln ullstein bild-Süddeutsche Zeitung Photo-Scherl

Bis in die 1870er-Jahre hinein gab es weder seitens der Behörden noch seitens der Zahnärzte Aktivitäten zum Aufbau einer organisierten Schulzahnpflege. Die zahnärztlichen Verbände waren damals vor allem damit beschäftigt, die in großer Zahl aufkommenden nichtapprobierten Zahnbehandler abzuwehren. Erste öffentlichkeitswirksame Initiativen gingen 1879 vom preußischen Hofzahnarzt Carl Zimmer aus. Er führte in jenem Jahr erstmals Reihenuntersuchungen an Kindern durch. Seit 1885 behandelte der Straßburger Zahnarzt Ernst Jessen zudem unentgeltlich bedürftige Volksschulkinder, 1887 gründete Karl Kulius in Hannover privat eine Poliklinik zur Behandlung von Armen [Groß, 1994]. In der Folgezeit nahm das Thema Schulzahnpflege Fahrt auf: 1889 erschien das erste Werk zur Schulzahnhygiene: Eulenberg und Bach betonten in ihrer Arbeit „Schulgesundheitslehre“ erstmals die Bedeutung gesunder Zähne für die körperliche Entwicklung. 1895 erschien ein „Handbuch der Schulhygiene“ von Burgerstein und Netolitzky mit der Forderung nach einer Institutionalisierung der Schulzahnpflege [Groß, 1994].

1894 wurde auf dem „Internationalen Kongreß aller für die Volkshygiene arbeitenden Ärzte und Zahnärzte“ in Kopenhagen eine richtungsweisende Resolution verabschiedet: „Der Kongreß empfiehlt, in allen Ländern Kommissionen zu bilden, welche es sich zur Aufgabe machen, die Zahnverhältnisse der betreffenden Länder statistisch festzuhalten [...] Als geeignete Maßregel zu diesem Zwecke empfiehlt der Kongreß in erster Linie die Aufklärung des Volkes über rationelle Zahnpflege und Zugänglichmachung unentgeltlicher zahnärztlicher Hilfe für die Kinder der unbemittelten Klassen“ [Klein, 1910]. Im gleichen Jahr hielt Paul Ritter in Berlin beim „Verein für innere Medizin“ einen Vortrag über die Bedeutung der Schulzahnhygiene. 1895 wurde in Hamburg eine Stiftung gegründet, die die Behandlung mittelloser Volksschüler sicherstellen sollte. In der Folgezeit erschienen auch im Deutschen Reich aussagekräftige statistische Untersuchungen zur Verbreitung von Karies bei Schulkindern. Insbesondere die Zahnärzte Fenchel, Körner und Röse traten mit derartigen Arbeiten an die Öffentlichkeit [Groß, 1994].

Das preußische Kultusministerium reagierte auf diese Hinweise 1898 mit einem Erlass an die Schulen: „Wir ersuchen [...] die Schulbehörden, dafür Sorge zu tragen, dass bei dem naturkundlichen Unterricht regelmäßig auf die Bedeutung der rationellen Zahn- und Mundpflege, natürlich auch schon in prophylaktischer Beziehung, nachdrücklich hingewiesen und den Schülern die hierfür erforderliche Anleitung gegeben wird“ [Zahn- und Mundhygiene, 1903]. Aus zahnärztlicher Sicht war die Verfügung nicht mehr als ein erster Schritt – die Einführung zahnärztlicher Behandlungsmaßnahmen wurde hier noch nicht angesprochen [Groß, 1994].

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