Halitosis, Xerostomie und Hyposalivation

Trockener Mund, schlechter Geschmack

„Mundtrockenheit“ und „Geschmacksveränderung“ – diese Begriffe klingen nahezu banal. Doch für die zumeist alten Patienten ist die Konsequenz keine geringere als eine schlechtere Lebensqualität. Die Ursachen sind vielfältig. Deshalb erfordert eine erfolgreiche Therapie eine umfassende Anamnese und Diagnostik.

Abbildung 1: 62-jährige Patientin mit chronischer Graft-versus-Host-Disease (cGVHD) nach allogener Stammzelltransplantation: stumpfe und trockene Gingiva propria, Sekundärkaries im Bereich der Kronenränder Prof. Dr. C. Kolbeck

Abbildung 2: 49-jährige Patientin mit Sjögren-Syndrom und massiver Beeinträchtigung der Mundöffnung: initiale und fortgeschrittene kariöse Läsionen im zervikalen Bereich Hahnel
Abbildung 3: Seniorin mit Medikamenten-assoziierter Mundtrockenheit: initiale kariöse Läsionen sowie vermehrte Retention von Plaque an den cervikalen Anteilen der Incisiven im Unterkiefer, Sekundärkaries an den überkronten Incisiven im Oberkiefer Hahnel
Abbildung 4: Senior mit Medikamenten-assoziierter Mundtrockenheit: keine Bildung eines Speichelsees im Mundbodenbereich Hahnel

Mit Mundtrockenheit und Geschmacksveränderung wird der niedergelassene Zahnarzt regelmäßig und wiederholt konfrontiert. Beide Erscheinungen treten gehäuft bei Senioren auf. Aufgrund der demografischen Entwicklung ist daher damit zu rechnen, dass sie in der zahnärztlichen Praxis zunehmend häufig beobachtet werden. Der vorliegende Übersichtsartikel soll dazu dienen, den Begriff Mundtrockenheit zu definieren, ätiologische Faktoren und klinische Implikationen von Mundtrockenheit und Geschmacksveränderungen darzustellen und eine Anleitung zu therapeutischen Strategien geben.

Der Begriff Mundtrockenheit kann lediglich als Überbegriff verstanden werden. Aus wissenschaftlicher Sicht wird zwischen einer subjektiven und einer objektiven Komponente der Mundtrockenheit differenziert.

1. Mundtrockenheit

• Dabei wird die subjektive Komponente durch den aus dem Griechischen abgeleiteten Begriff Xerostomie beschrieben, der das subjektive Empfinden eines Patienten, an einem trockenen Mund zu leiden, definiert.

• Die objektive Komponente, die mit einer messbaren Verringerung der Speichelsekretion einhergeht, wird dagegen als Hyposalivation bezeichnet.

Diagnostik

Für die zahnärztliche Praxis sind beide Komponenten gleichermaßen relevant. So konnte gezeigt werden, dass die Xerostomie einen deutlich stärkeren Einfluss auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität von Senioren hat als eine Verringerung des Speichelflusses. Mit zunehmend ausgeprägter Xerostomie sinkt die Lebensqualität der Senioren signifikant [Hahnel et al., 2014; Herrmann et al., 2015].

Eine Xerostomie kann leicht durch standardisierte Fragebögen wie den Xerostomia Inventory nach Thomson oder durch einfache Fragen erfasst werden, die in den vorhandenen Anamnesebogen integriert werden (wie „Leiden Sie häufig unter einem trockenen Mund?“) [Thomson et al., 2011]. Die Bestimmung der Speichelfließrate zur Erfassung einer Hyposalivation ist vor dem Hintergrund relevant, dass Patienten im Allgemeinen erst bei einer Verringerung der Speichelsekretion um wenigstens 50 Prozent erste Symptome bemerken [Dawes, 1987].

Die Sialometrie als Verfahren zur Bestimmung der unstimulierten beziehungsweise stimulierten Speichelfließrate kann ebenfalls mit einfachen Mitteln in den zahnärztlichen Praxisablauf integriert werden. Als Grenzwerte für das Vorliegen einer Hyposalivation gelten eine unstimulierte Speichelfließrate von weniger als 0,1 ml/min beziehungsweise eine stimulierte Speichelfließrate von weniger als 0,5 bis 0,7 ml/min [Hahnel, 2012].

Die meisten epidemiologischen Daten zur Mundtrockenheit beziehen sich auf die Erfassung der Xerostomie. Dabei kann man davon ausgehen, dass ihre Prävalenz im Alter erheblich steigt: Beträgt sie bei jungen Menschen zwischen zehn und 20 Prozent, erhöht sie sich bei über 70-Jährigen auf weit über 30 Prozent [Nederfors et al., 1997]. Was in der Vergangenheit noch kontrovers diskutiert wurde, konnte eine kürzlich veröffentlichte Metaanalyse jetzt belegen: Mit zunehmendem Alter kommt es zu einer Verminderung der Speichelfließrate [Affoo et al., 2015].

Allerdings bleibt zu diskutieren, inwieweit sich diese vergleichsweise geringen Veränderungen auf die Prävalenz der Mundtrockenheit und deren subjektive Empfindung auswirken. Entscheidend ist jedoch, dass die Xerostomie in vielen Fällen mit einer gravierenden Verschlechterung der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität der Betroffenen einhergeht. Verschiedene Studien belegen, dass die Xerostomie sogar größeren Einfluss auf die Lebensqualität hat als „harte“ Faktoren, wie die Anzahl vorhandener Zähne und Implantate oder die Qualität eines Zahnersatzes [Hahnel et al., 2014; Herrmann et al., 2015].

Mundgeruch macht einsam. Aber nur in den wenigsten Fällen kommt er aus dem Magen. Am häufigsten sind intraorale Ursachen.

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