Leitartikel

DH ... das sind die Fakten

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich, Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer BZÄK - Axentis.de

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

das Für und Wider um das Thema Fortbildung, DH und Delegation hat in den vergangenen Wochen – wieder einmal – für gehörige Aufregung gesorgt. Es werden Halbwahrheiten kolportiert, bei denen genaues Hinsehen und kritisches Kommentieren angebracht sind.

Immer wieder steht der Vorwurf im Raum, es gebe in Deutschland zu wenig qualifiziertes Assistenzpersonal. Ergo müssten mehr Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker (DH) auf den Markt. Fakt ist, dass wir bei dem, was wir in Deutschland an Prophylaxeleistungen anbieten, nicht ausschließlich auf das Berufsbild DH angewiesen sind. Unsere ZFA-Aus- und Fortbildung bietet ein solides Fundament, das den Bedarf in den Praxen gut abdeckt. Und die präventionsorientierte Versorgung der Bevölkerung kann in der geforderten Qualität mit dem gegenwärtig zur Verfügung stehenden Prophylaxe-Fachpersonal (15.000 ZMP und ZMF) sichergestellt werden.

Bestimmte Anbieter locken derzeit mit der DH-Akademisierung und dem Bachelorexamen – verbunden mit dem Hinweis auf europäische Entwicklungen und inklusive Versprechungen hinter vorgehaltener Hand auf Selbstständigkeit und eine deutlich erweiterte Delegation für die Studiengänge Bachelor-DH. Diese Aussagen decken sich weder mit den derzeitigen Bestimmungen des Zahnheilkundegesetzes noch werden sie durch europäische Entwicklungen gestützt. Sie führen lediglich zu Frust bei den Fortgebildeten – und der richtet sich gegen die Kammern. Ein Wort noch zu Europa: Die in einigen europäischen Ländern erfolgte Aufwertung des Berufsbilds DH, etwa in den Niederlanden oder im Vereinigten Königreich hat dort nicht die erhofften versorgungspolitischen Lösungen gebracht. Vielmehr steht man dort jetzt vor völlig neuen Fragestellungen an der Schnittstelle von Delegation und Substitution – inklusive der Diskussion um den „Zahnarzt light.“

Bei der Frage der Delegation bedarf es klarer Grenzziehungen im Sinne des Patientenschutzes. Das zeigt sich vor allem bei der Versorgung von immobilen und pflegebedürftigen Menschen. Wegen der hohen Verantwortung des Zahnarztes für diese Hochrisikogruppen ist es notwendig, dass Delegationsmaßnahmen besonders kritisch geprüft werden. Forderungen nach einer großzügigen Handhabung der Delegation erhöhen die Risiken für den Zahnarzt wie für den Patienten. Und auch in der Alterszahnmedizin gibt es keine hinreichend validen Daten, um die Forderung nach zusätzlichem Fachkräftebedarf an DHs zu rechtfertigen.

Die BZÄK hat zur beruflichen Aus- und Fortbildung der ZFA sowie zur Delegation zahnärztlicher Leistungen am 29.2. ein Positionspapier veröffentlicht. Es fasst als Ergebnis der zuständigen Ausschüsse die derzeitige Situation zusammen. Und es dient als Grundlage für eine intensive Auseinandersetzung des BZÄK-Vorstands mit dem Thema auf seiner Klausurtagung im Sommer. Zunehmend werden in der dentalen Fachpresse zu diesem Thema irreführende Aussagen getätigt. Unter anderem wird eine erneute Anpassung der Musterfortbildung gefordert. Außerdem stehen Vorwürfe im Raum, die BZÄK zeige wenig Bereitschaft zur Bewegung und halte am Status quo fest.

Solche Behauptungen führen in die Irre und vernachlässigen die derzeitige Faktenlage. Tatsache ist, dass die BZÄK-Musterfortbildungsordnung erst vor Kurzem, nämlich 2014, novelliert wurde. Wichtig ist auch, sich erneut

vor Augen zu führen, dass die BZÄK bereits im Jahr 2005 die Voraussetzungen für eine verkürzte Aus- und Fortbildung DH für besonders qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber geschaffen hat. Auf diese Möglichkeit ist auf der Bundesversammlung in Hamburg noch einmal dezidiert hingewiesen worden. Insofern begrüßen wir jede Initiative, die die verkürzte DH-Fortbildung – wie jetzt in den Kammern Baden-Württemberg und Nordrhein geschehen – praktisch umsetzt. Die Entscheidung, ob zum Beispiel Wartezeiten bei der Stufenausbildung abgeschafft werden sollen, wird sowohl den Vorstand der BZÄK als auch die kommende Koordinierungskonferenz der Kammerreferentinnen und -referenten für die Aus- und Fortbildung ZFA beschäftigen. Unsere Konzepte sind gründlich, zielen auf breitesten Konsens und werden zukunftsweisende Lösungen aufzeigen. Daran arbeiten wir, immer unter der Prämisse: Delegation – Ja, Substitution – Nein!

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. Dietmar Oesterreich
Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer

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