Volker Looman

30 Prozent sind 30 Prozent

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Die Kalkulation mit Hochprozentigem ist für viele Menschen selbst in nüchternem Zustand höhere Mathematik. Das halten Sie für üble Nachrede? Dann sollten wir die Probe aufs Exempel machen. Fangen wir bei Ihnen an, meine Damen. Ihr schönes Depot ist im vergangenen Jahr um 50 Prozent eingebrochen. Nun sind Sie guter Hoffnung, dass das Depot wieder den alten Stand erreichen wird. Um wie viel muss der Wert steigen? Ich vertraue darauf, dass Sie nicht auf 50 Prozent tippen, sondern mindestens 100 Prozent fordern. Sonst hülfe in der Tat nur Likör!

Nun zu Ihnen, meine Herren! Sie haben vor zwei Jahren dem Verwalter der Hausbank diskret 200.000 Euro anvertraut. Nach einem Jahr ist der Wert des Depots auf 160.000 Euro gesunken. Darüber waren Sie so verärgert, dass Sie die Hälfte abgezogen haben. Nun hat der Verwalter den Wert der verbliebenen 80.000 Euro auf 120.000 Euro gesteigert, so dass Sie sich fragen, ob der kalte Entzug richtig war. Ich weiß nicht, wie Sie rechnen. Falls Sie der Meinung sind, das Depot habe im ersten Jahr genau 20 Prozent verloren, liegen Sie richtig. Sie haben auch Recht, wenn Sie zu dem Ergebnis kommen, der Wert des Depots sei im zweiten Jahr um 50 Prozent gestiegen. Wenn Sie jetzt aber (minus) 20 Prozent und (plus) 50 Prozent addieren und durch zwei (Jahre) dividieren, sind Sie (leider) auf dem Holzweg. Die jährliche Rendite beträgt 9,54 Prozent pro Jahr, so dass der Verwalter in meinen Augen gute Arbeit geleistet hat.

Heikel wird die Geschichte, wenn sich Paare in die Haare geraten, weil jeder mit anderen Prozenten rechnet. Ich will Ihnen das Problem am Beispiel vermögender Zahnärzte schildern. Der Mann ist 70 Jahre alt, die Frau ist 65 Jahre jung. Sie haben 500.000 Euro auf dem Konto. Der Ehemann bezieht aus dem Versorgungswerk eine monatliche Nettorente von 3.000 Euro. Die Anleihen haben einen Wert von 160.000 Euro. Das Eigenheim ist 450.000 Euro wert, die Ferienwohnung etwa 150.000 Euro. Die Aktien haben einen Kurswert von 200.000 Euro.

Das Ehepaar macht sich Gedanken, wie die halbe Million „besser“ angelegt werden kann. Der Vermögensverwalter der Hausbank fragt nach der Aufteilung. Wie viel Prozent sollen in Anleihen fließen, wie viel sollen in Aktien investiert werden? Die beiden wollen sich nicht festlegen. Irgendwann wird es dem Verwalter zu bunt, er macht den Vorschlag, 70 Prozent in Anleihen und 30 Prozent in Aktien zu stecken. Damit können sich die beiden anfreunden, weil es um Beträge von 350.000 und 150.000 Euro geht, doch was halten Sie, liebe Leser, von diesem Vorschlag?

Ich halte sowohl die Prozentsätze als auch die Anlagebeträge für fragwürdig. Der erste Posten in der Vermögensbilanz ist das Bargeld von 500.000 Euro. Der zweite Posten ist die Rente. Sie hat einen Wert von 3.000 Euro mal 12 Monate mal 15 Jahre. Hinzu kommen die Anleihen von 160.000 Euro. Die Immobilien sind der vierte Posten. Das Eigenheim und die Ferienwohnung sind 600.000 Euro wert. Abgerundet wird die Bilanz durch die Aktien mit ihrem Wert von 200.000 Euro. Das sind unterm Strich rund 2.000.000 Euro.

Sie mögen mich für meschugge halten, wie es im Jiddischen heißt, wenn jemand von der Norm abweicht, doch in meinen Augen geht es nicht um die Frage, wie 500.000 Euro anzulegen sind, sondern es geht um die Überlegung, wie das Gesamtvermögen von 2.000.000 Euro „sinnvoll“ strukturiert wird. Ich plädiere für 5 – 35 – 30 – 30. Das sind nicht Ihre zukünftigen Traummaße, sondern die Prozentwerte, wie das Gesamtvermögen auf vier Gruppen aufgeteilt wird. In Euro heißt das, dass 100.000 Euro als Bargeld in der Kasse liegen bleiben. 700.000 Euro werden in Anleihen investiert. Für die Immobilien sind 600.000 Euro vorgesehen und der restliche Betrag, also weitere 600.000 Euro, fließt in Aktien.

Die Realisierung des Konzepts wird auf großen Widerstand stoßen. Die 500.000 Euro müssen zu einem Fünftel (100.000 Euro) auf ein Geldmarktkonto und zu vier Fünfteln (400.000 Euro) in Aktien angelegt werden! Bei den Anleihen, Renten und Immobilien bleibt alles beim Alten. Hier darf nichts verändert werden, weil die aktuellen Werte und die künftigen Zahlen identisch sind.

Der wunde Punkt ist die Aufstockung der Aktien um 400.000 Euro. Die Anleger sind zwar mit dem Vorschlag einverstanden, 30 Prozent in Aktien anzulegen, aber zwischen 30 Prozent von 500.000 Euro und 30 Prozent von 2.000.000 Euro liegen doch Welten, im vorliegenden Fall 450.000 Euro. Ich weiß aus Erfahrung, dass Anleger in diesem Alter, so wohlhabend sie sein mögen, gewaltige Schwierigkeiten haben, den absoluten Aktienbetrag zu verdreifachen. Die einen sind plötzlich der Meinung, der neue Betrag sei viel zu hoch, die anderen vertreten die Auffassung, bei diesen Kursen sei der Einstieg in Aktien finanzieller Selbstmord. Ich sehe das gelassen(er): 30 Prozent sind 30 Prozent, und 30 Prozent von 2.000.000 Euro sind 600.000 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, diesen Betrag zu 100 Prozent in den Sand zu setzen, ist bei breiter Streuung gering. Sollte der Wert von 3.000 oder 4.000 Unternehmen in 13 Jahren über Nacht auf null Euro fallen, werden wir mit höchster Wahrscheinlichkeit vor anderen Problemen stehen!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


Alle Kolumnen von Volker Looman (2016)

Der letzte Artikel dieses Jahres kann, ich sage es lieber gleich, bei der einen oder oder anderen Zahnärztin zu Schluckbeschwerden führen. Es geht um das Verhältnis von Frauen zu Geld. Das ist ein abendfüllendes Thema und wenn ich jetzt als Mann auch noch zu sagen wage, das Verständnis für Geld und Zahnärztinnen sei für Männer ein Berufsbild mit goldener Zukunft, drohe ich mich um Kopf und Kragen zu schreiben. Trotzdem: Attempto! Ich wage es wie weiland Graf Eberhard im Barte, der Gründer der Universität zu Tübingen.

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In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor.

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Kann ich mit Ihnen heute mal über Risiken bei Geldanlagen sprechen? Mir ist bewusst, dass das Thema heikel ist, weil Risiken für die meisten von Ihnen der Vorhof der Hölle sind. Arbeit, Ehe und Leben enthalten Risiken.

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Ich bin Mitglied in einem Club, der weiland eine feste Burg für Männer war, im Laufe der letzten Jahre aber von Frauen geschleift worden ist. Natürlich werde ich – das ist Ehrensache – den Namen dieses Clubs nicht preisgeben. Ich verrate Ihnen aber aus Gründen der Geldräson, dass ich in dem Mitglieder-Magazin vor einiger Zeit bemerkenswerte „Gedanken über Geldanlagen in Zeiten der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“ gelesen habe.

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Die Zinsen für Hypotheken sind im Keller. Das hat sich herumgesprochen. Niedrige Zinsen und geringe Tilgungen bedeuten mäßige Raten. Das scheint auch bekannt zu sein. Niedrige Raten führen zu langen Laufzeiten. Sogar diese Botschaft scheint nicht mehr neu zu sein. Ich weiß aber nicht, wie viele Akademiker sich mit solcherart Hypotheken an der Nase herumführen lassen.

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Haben Sie gerade 10.000 Euro auf dem Konto? Haben Sie vielleicht 500.000 Euro geerbt? Wissen Sie nicht, was Sie mit dem Geld machen sollen? Dann hätte ich da eine Idee.

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Alter schützt vor Spielsucht nicht. Ich kann Ihnen nicht erklären, warum das so ist. Es geht um einen Anleger, der 66 Jahre alt ist und zwei Millionen Euro auf dem Konto hat.

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Jüngst hat mich ein Abendessen bei Freunden ziemlich mitgenommen. Dort berichtete die Gastgeberin von einer Kollegin, die 38 Jahre jung ist und sich auf ihr zweites Kind freut. Nun ist ihr Mann, ein Jahr älter, beim Joggen tot umgefallen.

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Bestimmt wissen Sie, dass Hamburg das Tor zur Welt und München die Weltstadt mit Herz ist. Da ist es kein Wunder, dass Eigenheime ihren Preis haben. Immobilien in Weltstädten gehen nicht ins kleine, sondern große Geld.

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Vorsicht, im Überschwang ist eine dynamische Kapitalversicherung schnell unterschrieben. Und dann beginnt das lange Leiden. Unser Autor Volker Looman erklärt, warum.

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Geldanlage ist finanzieller Mehrkampf: Inventur des Gesamtvermögens, Festlegung der Ziele, Verteilung auf Anlageklassen, Auswahl der Finanzprodukte und Überwachung des Privatvermögens. Die härtesten Disziplinen sind die Verteilung, die Umsetzung und die Überwachung. Dafür ist Disziplin nötig, wenn dieses Wortspiel erlaubt ist.

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Die private Altersvorsorge ist ein heißes Eisen. Sie ist absolut nötig, doch das ständige Trommeln, regelmäßig Geld auf die hohe Kante zu legen, um im Ruhestand finanziell nicht unter die Räder zu kommen, bewirkt in meinen Augen das Gegenteil: Die einen Anleger können das Trommeln nicht mehr hören, und die anderen Sparer sind wegen des Lärms längst taub.

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77 Prozent aller Deutschen glauben, Geld mache frei. Die Zahl ist allen Unkenrufen zum Trotz keine Schnapszahl, und ich will den Wert auch nicht in Zweifel ziehen, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Leute zu 99 Prozent arme Schlucker sind. Wenn ich mit Anlegern, die wirklich Geld haben, ins Gespräch komme, merke ich schnell, dass diese Leute stolz sind, nicht am Hungertuch nagen zu müssen, doch von „Freiheit“ spüre ich in der Regel nicht viel.

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Die niedrigen Kreditzinsen sind für viele Mieter die größte Gefahr, mit einem Eigenheim auf die Nase zu fallen. Darf ich Ihnen an folgendem Beispiel schildern, wie Mieter zurzeit auf Abwege gelockt werden? Es gibt in Frankfurt eine Bank, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, Leistung aus Leidenschaft zu erbringen.

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Ein Mann sollte – so will es die Tradition – im Leben drei Dinge tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Ich weiß nicht, ob das Haus zum Glück nötig ist, doch wer glaubt, eine Villa bauen zu müssen, dem sei gesagt, dass es um mehr als nur um das Eigenheim geht.

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Darf ich Sie mal was Intimes fragen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie bemerken, jahrelang betrogen worden zu sein? Ich meine jetzt nicht, was Sie wahrscheinlich vermuten, sondern es geht um Geld, das Sie für Leistungen bezahlt haben, die Sie gar nicht erhalten haben. Bitte überlegen Sie gut, was Sie sagen, weil alle Urteile, die Sie nun fällen, auch auf Sie zutreffen könnten.

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Das Thema der heutigen Erbauungsstunde lautet: Die Bedeutung des Ratenkredits für die deutsche Volkswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Medizinern. Sie haben richtig gelesen, liebe Anhänger dieser Kolumne, es geht um das Schuldenmachen im Allgemeinen und um den (zahn)ärztlichen Konsum auf Pump. Bitte glauben Sie bloß nicht, rote Zahlen seien das Privileg niederer Stände.

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Die Geldanlage in vermietete Immobilien wird in meinen Augen von Jahr zu Jahr gefährlicher. Grundlage dieser These ist die Tatsache, dass sich die Kaufpreise in vielen Städten viel schneller entwickelt haben als die Mieten. Darf ich Ihnen das mit einem Beispiel beweisen?

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Knicken! Lochen! Abheften! Ich habe keine Ahnung, wie viele Ärzte sich jedes Jahr über den schweißtreibenden Dreikampf von Beamten und Bürokraten ärgern.

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Es geht um Ihr gutes Geld, liebe Doktores, und ich werde Ihnen ab sofort alle 14 Tage (finanziell) auf den Zahn fühlen. Was hat mich zu diesem Schritt bewogen? Ich bin jetzt 60 Jahre jung, und ich habe in den vergangenen 30 Jahren eine besondere Beziehung zu Zahnärzten aufgebaut.

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