Der besondere Fall

Synoviale Chondromatose des Kiefergelenks

Patienten mit Kiefergelenksbeschwerden gibt es in der Regelpraxis häufig. Wenn zusätzlich die Mundöffnung eingeschränkt ist und die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, sollte ein umfangreiches diagnostisches Verfahren eingeleitet werden. Denn die Ursachen könnten doch schwerwiegender sein, wie dieser Patientenfall zeigt.

Foto: Mücke

Abbildung 1: Darstellung des coronaren CTs mit multiplen Strukturen im Bereich des rechten Kiefergelenks: Zur weiteren Abklärung wurde hier ein MRT angefertigt. © Rummeny, München
Abbildung 2: In der MRT-Bildgebung zeigen sich multiple chondromatoide Strukturen, die dem Signal des Diskus articularis ähnlich sind. Dieser befindet sich in regelrechter Position innerhalb des Kiefergelenks. Die multiplen Fremdkörper zeigen teilweise einen Kontakt zur Synovialmembran, liegen jedoch im Wesentlichen innerhalb der Gelenkkapsel. © Rummeny, München
Abbildung 3: Darstellung des präaurikulären- temporalen Zugangs mit Exposition des Jochbogens und der Gelenkkapsel zwischen den Langenbeck-Haken © Mücke
Abbildung 4: Nach Inzision der Kapsel des rechten Kiefergelenks zeigte sich unter Mobilisation des Gelenks die Entleerung der freien Gelenkkörper mit leicht trüber Gelenkflüssigkeit. © Mücke
Abbildung 5: Darstellung der freien, chondroiden Gelenkkörper, die über den oberen Gelenkspalt geborgen werden konnten. © Mücke

Eine 53-jährige Patientin wurde im Oktober 2015 in die Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie überwiesen, nachdem sie über zunehmende Beschwerden bei der Mundöffnung geklagt hatte. Insbesondere bei der normalen Öffnungsbewegung und bei einer Laterotrusion nach links komme es im Bereich des rechten Kiefergelenks zu einem knirschenden, reibenden, aber nicht schmerzhaften Geräusch, das innerhalb der vergangenen Monate stark zugenommen hätte. Dieses Geräusch verunsicherte die Patientin so stark, so dass sie eine weiterführende Abklärung wünschte.

Die Patientin berichtete, dass sie die besagten Symptome erstmalig vor zwei Jahren bemerkt, diese jedoch nicht als besonders störend empfunden habe. Schmerzen seien bisher nicht aufgetreten und auch nicht der Grund der Vorstellung oder für den Wunsch nach weiterer Abklärung. Ein Trauma war der Patientin anamnestisch nicht erinnerlich, auch eine Erkrankung des rheumatischen Formenkreises sei bisher weder diagnostiziert worden noch in irgendeiner Form symptomatisch.

Im Rahmen der klinischen Untersuchung zeigte sich eine regelhafte Mundöffnung von vier Zentimetern Schneidekantendistanz, eine normale Öffnungsbewegung mit unauffälliger initialer Rotations- und folgender Translationsbewegung. Bei einer Laterotrusionsbewegung nach links unter maximaler Mundöffnung konnte gut hörbar ein reibendes, knirschendes und leicht quietschendes Geräusch vernommen werden. Ein Prolaps von Gewebe während der Bewegung war zusätzlich gut tastbar.


• Progrediente Kiefergelenkbeschwerden machen eine weitergehende Abklärung mittels bildgebender Verfahren unbedingt erforderlich.
• Bei der Kombination aus präaurikulärer Schwellung, Krepitation und Mundöffnungseinschränkungen oder -beschwerden sollte an eine synoviale Chondromatose gedacht werden.
• Offene Kiefergelenksoperationen können schwere craniomandibuläre Dysfunktionen nach sich ziehen und müssen daher streng geprüft werden. Bei der synovialen Chondromatose ist diese Operation jedoch aus diagnostischer und therapeutischer Sicht indiziert.


In der bildgebenden Diagnostik wurden bereits im Vorfeld durch den niedergelassenen Kollegen zur orientierenden Abklärung eine Panoramaschichtaufnahme und eine Computertomografie (CT) durchgeführt. Während die Panoramaschichtaufnahme im Bereich des rechten Kiefergelenks ein unruhiges, aber insgesamt nicht sehr eindrucksvolles Bild zeigte, waren in den CT-Aufnahmen solide multiple Formationen innerhalb des Gelenkbereichs zu sehen. Diese konnten vor allem im medialen Kompartiment der Kiefergelenkkapsel dargestellt werden, in geringerem Ausmaß auch im lateralen Anteil der Kapsel des Kiefergelenkraums (Abbildung 1).

Zur Abklärung des Ausmaßes und zur Darstellung des Gelenkapparats inklusive des Gelenkdiskus wurde eine Magnetresonanztomografie (MRT) veranlasst. Hier zeigten sich eine regelrechte Position des Discus articularis und multiple rundlich bis ovaläre Strukturen unterschiedlicher Größe (Abbildung 2).

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