Eine Praxis, drei Generationen

„In der Mitte unserer Wohnung lag das Wartezimmer!“

Früher war alles anders – oder? Wie sich die Abläufe in einer Praxis ändern, beschreiben die Zahnärztinnen Ricarda Schönfelder und ihre Mutter Dr. Rita Prüfer, deren Familie seit 90 Jahren niedergelassen ist.

Dr. Rita Prüfer, 69 Jahre, und ihre Tochter Ricarda Schönfelder, 41 Jahre, betreiben seit 2006 eine Praxis in Berlin-Wilhelmsruh. Die lange Tradition der Familie wird damit fortgesetzt: Rita Prüfers Vater, Dr. Martin Wege, gründete 1926 in Treptow seine Praxis, die seine Tochter 1984 übernahm. Ihr Vater war damals 85 Jahre alt. In den 1990ern verlegte sie den Standort nach Wilhelmsruh. „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man die Gesamtverantwortung teilt!“ Mutter und Tochter in einer Praxis: Ricarda Schönfelder Rita Prüfer. © Susanne Theisen

Dr. Prüfer, Ihr Vater hat seine Zahnarztpraxis im Jahr 1926 gegründet. Worin unterscheiden sich die Abläufe Ihres heutigen Arbeitsalltags am stärksten von seinen?

Dr. Rita Prüfer: Da fällt mir zunächst die fehlende örtliche Trennung zwischen Privatleben und Beruf ein. Die Praxis meines Vaters war in unserer Wohnung meiner Eltern untergebracht. Das war früher immer so, egal, ob im Osten oder im Westen. Der Zahnarzt wohnte in seiner Praxis beziehungsweise die Patienten kamen zu ihm nach Hause. In der Mitte unserer Wohnung lag das Wartezimmer. Alle anderen Räume gingen davon ab.

Was war noch anders?

Prüfer: Mein Vater hatte einen geteilten Arbeitstag. Er arbeitete von neun bis 12 Uhr und dann abends von 15 bis 19 Uhr. Was für die heutige Zeit fast unvorstellbar ist: Er hatte kein Bestellsystem. Das heißt, es konnten auch noch um 18:59 Uhr Patienten kommen und die wurden dann noch alle behandelt . selbst wenn es bis abends um zehn Uhr dauerte. Und wenn was mit der Prothetik nicht klappte, hat meine Mutter den Patienten Stullen geschmiert.

Haben Sie das Terminsystem verändert, als Sie die Praxis 1986 übernommen haben?

Prüfer: Ja, soweit es ging, habe ich ein Bestellsystem eingeführt. Da in der DDR aber kaum jemand ein Telefon hatte, lief das so, dass die Termine mündlich in der Praxis vereinbart wurden. Aufgrund des unheimlich hohen Patientenaufkommens war das jedoch nicht gut einzuhalten und es kam trotzdem zu durchschnittlichen Wartezeiten von circa drei Stunden – und zu langen Arbeitstagen für mich.

Frau Schönfelder, Sie sind seit zehn Jahren mit Ihrer Mutter in einer gemeinsamen Praxis niedergelassen. Was hat Ihren Workflow in dieser Zeit besonders verändert?

Ricarda Schönfelder: Der digitale Wandel, insbesondere das Internet, beeinflusst unsere Arbeit sehr und macht unter anderem eine andere Außendarstellung der Praxis notwendig. Heute ist es unerlässlich, eine Website zu haben. Zu den Aufgaben eines Praxisinhabers gehört es deshalb, darauf zu achten, dass der Internetauftritt ordentlich funktioniert und bei Bedarf auch verändert werden kann. Manche unserer Patienten verlangen beispielsweise die Möglichkeit, Termine online statt am Telefon zu vereinbaren. Solche Dinge muss man in die Arbeitsabläufe und die Routinen der Helferinnen integrieren, sonst geht man irgendwann als kleine Praxis unter.

Prüfer: Ich muss zugeben, dass ich mich seit 1991 nicht mehr selbst um die Abrechnung gekümmert habe. Das hat eine ältere Helferin übernommen. Meiner Tochter habe ich dann aber eingebläut, dass sie sich auch selbst zurechtfinden können muss. Es kann ja immer sein, dass die Mitarbeiterin die Praxis aus dem einen oder anderen Grund für längere Zeit oder für immer verlässt. Am besten auch selbst Ahnung haben

Ist es gut für Ihren Workflow, dass Sie zu zweit sind?

Schönfelder: Auf jeden Fall. Natürlich hat jeder seinen eigenen Stil und es gibt auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber es ist sehr entlastend, sich mit einem anderen Zahnarzt austauschen zu können. Dabei ist es natürlich von Vorteil, wenn man sich in seinen Fähigkeiten und Vorlieben bei den zahnmedizinischen Behandlungen ergänzt. Meine Mutter übernimmt beispielsweise den Großteil der chirurgischen Arbeiten, während ich besser im Bereich Wurzelfüllung bin. Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass man die Gesamtverantwortung teilt – und dass jemand übernehmen kann, wenn man selbst ausfällt.

Prüfer: Dabei macht es meiner Meinung nach allerdings einen Unterschied, ob der Partner aus der Familie stammt, wie bei uns, oder nicht.

Schönfelder: Das stimmt. Wenn man mit jemandem, der kein Familienmitglied ist, zusammenarbeitet, muss man sehr genau dokumentieren, wer wessen Patient ist und was gemacht wurde – wegen der Abrechnung. Ich kenne Fälle aus meinem Bekanntenkreis, wo Gemeinschaftspraxen wegen finanzieller Streitereien zerbrochen sind.

Das – hier gekürzte – Interview führte Susanne Theisen. Den ganzen Text finden Sie hier.

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