Zahnärztlicher Auslandsaufenthalt in Sambia

Der Affenbehandler

In die Praxis investieren oder den Horizont erweitern? Nach 27 Jahren Berufstätigkeit hängte der Berliner Zahnarzt Dr. Mathias Gnauert den Job temporär an den Nagel – und reiste in den Busch nach Sambia, um das „Chimfunshi-Projekt“ zu unterstützen. Nach der Behandlung gab es für viele Dorfbewohner die erste Zahnbürste. Die Krönung seines Aufenthalts: die Behandlungen von Schimpansen, die er persönlich schildert.

Raus aus der Praxis am Berliner Potsdamer Platz und rein in den Busch: Der Zahnarzt Dr. Mathias Gnauert (2.v.l.) reiste zunächst allein und dann noch einmal mit der Familie (mittig im Bild) nach Sambia, um die Dorfbevölkerung und die Schimpansen zu behandeln. Eine bewegende Erfahrung. © S. Louis

Gnauert demonstrierte in der Dorfschule, wie Zähne aufgebaut sind und wie man sie richtig putzt. © S. Louis
© S. Louis
Ein Kollege stellte Gnauert über die KZV Berlin eine mobile Einheit zur Verfügung. Die Behandlungen fanden auf einem Campingstuhl im Education Center statt. © S. Louis
Nach dem Sreening gab es Geschenke ... © S. Louis
auch blinkende Bürsten waren dabei © S. Louis
Gnauert: „Schimpansen haben exakt die gleichen Zähne wie Menschen. Sie sind bloß ein wenig größer. Außerdem sind die Eckzähne sehr groß.“ © S. Louis
© S. Louis
Gnauert: „Die Unterlippe von Schimpansen ist so groß, dass wir sie während der Behandlung einfach um den Unterkiefer klappen konnten.“ © S. Louis
Eine Fistel an Georges Unterkiefer war die Ursache, weshalb der Zahn extrahiert werden musste. © S. Louis
Danach war der Affe schmerzfrei. © S. Louis

Im vergangenen Jahr habe ich meine Zahnarztpraxis veräußert und wurde von vielen langjährigen Patienten nach meinen Plänen für die Zukunft gefragt – unter anderen vom Hamburger Unternehmer Sebastian Louis. Er bat mich, ihn nach Chimfunshi zu begleiten. Louis ist Vorstandsvorsitzender des „Chimfunshi Wildlife Orphanage Trust“ in Sambia und von „Chimfunshi e. V.“ in Deutschland, die das mit 4.200 Hektar weltweit größte Schimpansenwaisenhaus mit rund 130 Schimpansen unterhalten. Ich äußerte den Wunsch, während meines Aufenthalts nicht nur unsere nächsten Verwandten – die Schimpansen –, sondern vor allem die dortige Dorfbevölkerung, bestehend aus ungefähr 70 Familien mit annähernd 150 Kindern, zahnmedizinisch zu versorgen.

Nur fünf Prozent der Kinder hatten eine Zahnbürste

Im Oktober 2015 ging ich gemeinsam mit Louis und diversen zahnmedizinischen Geräten im Gepäck auf die Reise nach Chimfunshi, dem sogenannten Copperbelt, einem großen Gebiet am Kafue River im Norden Sambias an der Grenze zum Kongo. Den ersten Tag begannen wir mit einem kleinen Workshop in der dortigen Schule. Die Lehrer übersetzten vom Englischen ins Bemba, der dort vorherrschenden Sprache. Auf die Frage, wer eine Zahnbürste besitzt, meldeten sich sechs von 130 Kindern. Dann wurde über den richtigen Umgang mit Zahnbürste und Zahnpasta gesprochen. Die anschließende Befundaufnahme fand unter freiem Himmel auf dem Schulhof statt. Nach drei Tagen hatten wir alle Kindermünder begutachtet und zum Großteil auch deren Zähne gesäubert. Zum Dank gaben wir leuchtende Zahnbürsten aus.


Das Chimfunshi-Projekt

Auf dem Gelände von Chimfunshi befindet sich eine Auffangstation mit fünf großen Freigehegen für die Schimpansen sowie fünf Dörfer, in denen die Chimfunshi-Mitarbeiter mit ihren Familien leben – darüber hinaus eine Schule, eine Krankenstation und das Education Center, Treffpunkt für Forscher, Studenten, Schulklassen und Touristen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Auffangstationen kommen Schimpansen in Chimfunshi nur für Fütterungen und ärztliche Untersuchungen in die Käfige und leben ansonsten wie wild lebende Artgenossen in freier Natur, wo sie in Nestern in Bäumen schlafen.

So bietet die Auffangstation die einzigartige Möglichkeit, das komplexe Sozialverhalten von Schimpansen in ihrem nahezu natürlichen Lebensraum und in intakten Familiengruppen zu beobachten und gilt deshalb als international anerkanntes Bildungs- und Forschungszentrum, primär für Primatenforscher aus aller Welt.


Mit großer Freude stellten wir fest, dass durch den fehlenden Zuckerkonsum und die gesunde Ernährung kaum Zahnschäden vorhanden waren. Nachdem die Behandlung der Kinder abgeschlossen war, standen schon die Erwachsenen vor der Tür. Auch sie wollten in den Besitz von Zahnbürste und Zahnpasta gelangen, hatten aber auch Schmerzen und massiven Behandlungsbedarf, so dass ich in fünf Tagen circa 50 Zähne extrahieren musste.

68517256842621684262468426256844137 6844138 6842628
preload image 1preload image 2preload image 3preload image 4preload image 5preload image 6preload image 7preload image 8preload image 9preload image 10preload image 11preload image 12preload image 13preload image 14preload image 15preload image 16preload image 17preload image 18preload image 19preload image 20preload image 21preload image 22preload image 23preload image 24preload image 25preload image 26preload image 27preload image 28preload image 29preload image 30preload image 31preload image 32preload image 33preload image 34preload image 35preload image 36preload image 37preload image 38preload image 39preload image 40preload image 41preload image 42preload image 43preload image 44preload image 45preload image 46preload image 47preload image 48preload image 49preload image 50preload image 51preload image 52preload image 53preload image 54preload image 55preload image 56preload image 57preload image 58preload image 59preload image 60preload image 61preload image 62preload Themeimage 0preload Themeimage 1preload Themeimage 2preload Themeimage 3preload Themeimage 4preload Themeimage 5preload Themeimage 6preload Themeimage 7preload Themeimage 8preload Themeimage 9preload Themeimage 10preload Themeimage 11preload Themeimage 12preload Themeimage 13preload Themeimage 14preload Themeimage 15preload Themeimage 16preload Themeimage 17preload Themeimage 18preload Themeimage 19preload Themeimage 20preload Themeimage 21preload Themeimage 22preload Themeimage 23preload Themeimage 24preload Themeimage 25preload Themeimage 26preload Themeimage 27preload Themeimage 28
Bitte bestätigen Sie
Nein
Ja
Information
Ok
loginform
Kommentarvorschau
Kommentarvorschau schliessen
Antwort abbrechen
Ihr Kommentar ist eine Antwort auf den folgenden Kommentar

Keine Kommentare




Weitere Bilder
Bilder schließen