Volker Looman über gemischte Kapitalversicherungen

Lebensver(un)sicherung

Vorsicht, im Überschwang ist eine dynamische Kapitalversicherung schnell unterschrieben. Und dann beginnt das lange Leiden. Unser Autor Volker Looman erklärt, warum.

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Die gemischte Lebensversicherung in jungen Jahren ist grober Unfug. Mir ist bewusst, dass die Aussage hart ist, doch die Unternehmen und ihre Vertreter können mich wahlweise federn, teeren oder vierteilen. Die Mixtur war, ist und bleibt eine Fehlkonstruktion, weil nicht zusammengehört, was nicht zusammenpasst.

Die Rente bei Berufsunfähigkeit, die Versorgung von Hinterbliebenen und der Aufbau von Vermögen sind in meinen Augen nur mithilfe getrennter Verträge lösbar.

Bitte schauen Sie sich in Ruhe an, was bei Privatleuten zwischen dem 25. und dem 45. Geburtstag passiert. In diesen beiden Jahrzehnten geht es in den Beruf, wird ein Auto gekauft, kommen Kinder auf die Welt, wird ab und zu geheiratet, wird ein Haus gebaut, und mit Mitte 40 geht jede zweite Ehe in die Brüche. Können Sie mir bitte sagen, wie in diese Biografie(n) eine gemischte Kapitalversicherung hineinpasst?

Schauen wir uns die Sache im Detail an: Ein Berufsanfänger startet, wenn er Diplom oder Staatsexamen in der Tasche hat, mit einem monatlichen Bruttoeinkommen von 3.500 bis 4.000 Euro. Davon bleiben bei Ledigen nach Abzug von Sozialabgaben und Steuern zwischen 2.100 und 2.300 Euro übrig. Das heißt im Klartext, dass die junge Zahnärztin und der junge Zahnarzt weniger die Rente, sondern eher das Risiko vor Augen haben sollten, durch Arbeitslosigkeit, Invalidität oder Scheidung aus der Bahn geworfen zu werden.

Für das erste und das dritte Risiko fühle ich mich nicht zuständig, und die Überweisung einer Rente von 2.000 Euro bei Berufsunfähigkeit ist mithilfe einer gemischten Kapitalversicherung kaum bezahlbar. Der Grund ist ganz einfach. 2.000 Euro mal zwölf Monate führen zu einer Jahresrente von 24.000 Euro, so dass die Hauptversicherung mindestens 100.000 Euro betragen muss, weil die Zusatzversicherung nicht höher als 24 Prozent sein darf.

Bei dieser Vertragssumme sollten Sie, meine Damen, auf der Hut sein, wenn Ihnen der flotte „Berater“ einschlägiger Verkaufstruppen schöne Augen macht. Ganz bestimmt sind Sie es wert, doch ich vermute, dass der wahre Grund eher die Provision von 6.000 Euro ist, die in dem Vertrag steckt. Ich bin der Meinung, dass die Police, die monatlich 250 Euro kostet, überhaupt nicht zu Ihnen passt. Sie brauchen zwar die Absicherung bei Berufunfähigkeit, doch wer braucht schon Geld, wenn Sie morgen ums Leben kommen, und warum denken Sie mit 25 Lenzen schon an den Ruhestand? Sind da vorher nicht wichtigere Dinge zu erledigen?

Gehen wir zehn Jahre weiter. Sie sind Mitte 30, meine Herren, und Sie haben sich im Beruf die ersten Sporen verdient. Auch zu Hause sieht es nicht schlecht aus. Sie leben im Glauben, die richtige Frau geheiratet zu haben, und der lebende Beweis dieser Überzeugung sind zwei Kinder im Alter von vier und zwei Jahren. Ich bin mir sicher, dass auch Ihre liebe Frau in dem Glauben lebt, in Ihnen den richtigen Mann gefunden zu haben. Sie wäre aber keine Frau, wenn sie sich nicht hin und wieder Gedanken macht, wie es mit den Kindern und ihr weitergehen würde, falls Sie der Schlag trifft.

Lebensversicherungen sind zwar keine Garantie für eheliches Glück, doch sie können dazu beitragen. Das hat freilich (s)einen Preis. Wenn Angehörige über einen Zeitraum von 20 Jahren eine Monatsrente von 2.000 Euro bekommen sollen, die jedes Jahr um zwei Prozent steigt, ist bei einem Anlagezins von zwei Prozent eine Todesfallleistung von 476.000 Euro nötig. Wollen Sie noch wissen, dass die monatliche Prämie dieser Kapitallebensversicherung bei 1.150 Euro liegt? Oder darf ich Ihnen gleich sagen, dass der richtige Vertrag eine Risikolebensversicherung mit fallender Todesfallsumme ist, die im Monat nur 25 Euro kostet.

Der letzte Beweis, warum die gemischte Kapitallebensversicherung, abgeschlossen in jungen Jahren, eine Katastrophe ist, ist das Eigenheim. Dafür ist nicht viel Fantasie nötig. Stellen Sie sich eine Familie vor, die beiden Eltern 38 und 36 Jahre alt, die Kinder sieben und fünf Jahre jung. Es ist zwar Geld da, doch das Geld steht nicht so zur Verfügung, wie es im Moment nötig ist. Hier ist ein Sparbrief, der erst in zwei Jahren fällig wird, da ist ein Bausparvertrag, der noch zuteilungsreif ist, außerdem ist die Frage zu klären, was mit den beiden Riester-Verträgen passieren soll.

Das mit Abstand größte Problem sind freilich Kapitalversicherungen. Ich könnte Ihnen stundenlang Geschichten erzählen, wie sich Ärzte und Zahnmediziner ihre Haare raufen, weil sie vor Jahren im  Überschwang dynamische Kapitalversicherungen abgeschlossen haben.

Das Geld ist zwar nicht weg, doch es steht nur zur Verfügung, wenn die Verträge gekündigt werden. Das ist für viele Anleger ein Offenbarungseid, der in der Regel aber nicht zu verhindern ist, da die Eigenkapitaldecke so kurz ist. Vielleicht verstehen Sie jetzt meinen Unmut über gemischte Kapitalversicherungen in jungen Jahren. Sie passen einfach nicht in die finanzielle Lebensplanung der Menschen. Bier ist Bier und Schnaps ist Schnaps. In diesem Sinne gilt beim Geld die Devise: Risikovorsorge ist Risikovorsorge und Vermögensaufbau ist Vermögensaufbau. Das eine hat mit anderen nichts zu tun, und aus diesem Grund habe ich mit Versicherungen und Vermittlern kein Mitleid. Möge die gemischte Kapitalversicherung endlich in der Versenkung verschwinden und in Form passender Einzelverträge auferstehen!

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


Alle Kolumnen von Volker Looman (2016)

Der letzte Artikel dieses Jahres kann, ich sage es lieber gleich, bei der einen oder oder anderen Zahnärztin zu Schluckbeschwerden führen. Es geht um das Verhältnis von Frauen zu Geld. Das ist ein abendfüllendes Thema und wenn ich jetzt als Mann auch noch zu sagen wage, das Verständnis für Geld und Zahnärztinnen sei für Männer ein Berufsbild mit goldener Zukunft, drohe ich mich um Kopf und Kragen zu schreiben. Trotzdem: Attempto! Ich wage es wie weiland Graf Eberhard im Barte, der Gründer der Universität zu Tübingen.

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In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor.

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Kann ich mit Ihnen heute mal über Risiken bei Geldanlagen sprechen? Mir ist bewusst, dass das Thema heikel ist, weil Risiken für die meisten von Ihnen der Vorhof der Hölle sind. Arbeit, Ehe und Leben enthalten Risiken.

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Ich bin Mitglied in einem Club, der weiland eine feste Burg für Männer war, im Laufe der letzten Jahre aber von Frauen geschleift worden ist. Natürlich werde ich – das ist Ehrensache – den Namen dieses Clubs nicht preisgeben. Ich verrate Ihnen aber aus Gründen der Geldräson, dass ich in dem Mitglieder-Magazin vor einiger Zeit bemerkenswerte „Gedanken über Geldanlagen in Zeiten der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“ gelesen habe.

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Die Zinsen für Hypotheken sind im Keller. Das hat sich herumgesprochen. Niedrige Zinsen und geringe Tilgungen bedeuten mäßige Raten. Das scheint auch bekannt zu sein. Niedrige Raten führen zu langen Laufzeiten. Sogar diese Botschaft scheint nicht mehr neu zu sein. Ich weiß aber nicht, wie viele Akademiker sich mit solcherart Hypotheken an der Nase herumführen lassen.

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Haben Sie gerade 10.000 Euro auf dem Konto? Haben Sie vielleicht 500.000 Euro geerbt? Wissen Sie nicht, was Sie mit dem Geld machen sollen? Dann hätte ich da eine Idee.

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Alter schützt vor Spielsucht nicht. Ich kann Ihnen nicht erklären, warum das so ist. Es geht um einen Anleger, der 66 Jahre alt ist und zwei Millionen Euro auf dem Konto hat.

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Jüngst hat mich ein Abendessen bei Freunden ziemlich mitgenommen. Dort berichtete die Gastgeberin von einer Kollegin, die 38 Jahre jung ist und sich auf ihr zweites Kind freut. Nun ist ihr Mann, ein Jahr älter, beim Joggen tot umgefallen.

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Bestimmt wissen Sie, dass Hamburg das Tor zur Welt und München die Weltstadt mit Herz ist. Da ist es kein Wunder, dass Eigenheime ihren Preis haben. Immobilien in Weltstädten gehen nicht ins kleine, sondern große Geld.

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Geldanlage ist finanzieller Mehrkampf: Inventur des Gesamtvermögens, Festlegung der Ziele, Verteilung auf Anlageklassen, Auswahl der Finanzprodukte und Überwachung des Privatvermögens. Die härtesten Disziplinen sind die Verteilung, die Umsetzung und die Überwachung. Dafür ist Disziplin nötig, wenn dieses Wortspiel erlaubt ist.

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Die private Altersvorsorge ist ein heißes Eisen. Sie ist absolut nötig, doch das ständige Trommeln, regelmäßig Geld auf die hohe Kante zu legen, um im Ruhestand finanziell nicht unter die Räder zu kommen, bewirkt in meinen Augen das Gegenteil: Die einen Anleger können das Trommeln nicht mehr hören, und die anderen Sparer sind wegen des Lärms längst taub.

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77 Prozent aller Deutschen glauben, Geld mache frei. Die Zahl ist allen Unkenrufen zum Trotz keine Schnapszahl, und ich will den Wert auch nicht in Zweifel ziehen, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Leute zu 99 Prozent arme Schlucker sind. Wenn ich mit Anlegern, die wirklich Geld haben, ins Gespräch komme, merke ich schnell, dass diese Leute stolz sind, nicht am Hungertuch nagen zu müssen, doch von „Freiheit“ spüre ich in der Regel nicht viel.

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Die Kalkulation mit Hochprozentigem ist für viele Menschen selbst in nüchternem Zustand höhere Mathematik. Das halten Sie für üble Nachrede? Dann sollten wir die Probe aufs Exempel machen.

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Die niedrigen Kreditzinsen sind für viele Mieter die größte Gefahr, mit einem Eigenheim auf die Nase zu fallen. Darf ich Ihnen an folgendem Beispiel schildern, wie Mieter zurzeit auf Abwege gelockt werden? Es gibt in Frankfurt eine Bank, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, Leistung aus Leidenschaft zu erbringen.

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Ein Mann sollte – so will es die Tradition – im Leben drei Dinge tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Ich weiß nicht, ob das Haus zum Glück nötig ist, doch wer glaubt, eine Villa bauen zu müssen, dem sei gesagt, dass es um mehr als nur um das Eigenheim geht.

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Darf ich Sie mal was Intimes fragen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie bemerken, jahrelang betrogen worden zu sein? Ich meine jetzt nicht, was Sie wahrscheinlich vermuten, sondern es geht um Geld, das Sie für Leistungen bezahlt haben, die Sie gar nicht erhalten haben. Bitte überlegen Sie gut, was Sie sagen, weil alle Urteile, die Sie nun fällen, auch auf Sie zutreffen könnten.

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Das Thema der heutigen Erbauungsstunde lautet: Die Bedeutung des Ratenkredits für die deutsche Volkswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Medizinern. Sie haben richtig gelesen, liebe Anhänger dieser Kolumne, es geht um das Schuldenmachen im Allgemeinen und um den (zahn)ärztlichen Konsum auf Pump. Bitte glauben Sie bloß nicht, rote Zahlen seien das Privileg niederer Stände.

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Die Geldanlage in vermietete Immobilien wird in meinen Augen von Jahr zu Jahr gefährlicher. Grundlage dieser These ist die Tatsache, dass sich die Kaufpreise in vielen Städten viel schneller entwickelt haben als die Mieten. Darf ich Ihnen das mit einem Beispiel beweisen?

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Knicken! Lochen! Abheften! Ich habe keine Ahnung, wie viele Ärzte sich jedes Jahr über den schweißtreibenden Dreikampf von Beamten und Bürokraten ärgern.

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Es geht um Ihr gutes Geld, liebe Doktores, und ich werde Ihnen ab sofort alle 14 Tage (finanziell) auf den Zahn fühlen. Was hat mich zu diesem Schritt bewogen? Ich bin jetzt 60 Jahre jung, und ich habe in den vergangenen 30 Jahren eine besondere Beziehung zu Zahnärzten aufgebaut.

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