Hepatitis E in Deutschland

Die Gefahr lauert im Fleisch

Bis vor wenigen Jahren galt Hepatitis E noch als exotische Erkrankung, die Reisende aus Indien oder Afrika mitbringen. Inzwischen weiß man, dass sich jedes Jahr schätzungsweise 300.000 Menschen in Deutschland mit dem Virus infizieren, am häufigsten vermutlich durch den Verzehr von rohem Schweinefleisch – nur wenige werden jedoch schwer krank.

Übertragungswege bleiben ungenau: Bekannt ist, dass Hepatitis E oft in Schweinen vorkommt. Der Erreger macht die Tiere aber nicht krank. Bauern haben daher wenig Interesse daran, ihre Schweine zu schützen. Der Mensch infiziert sich in erster Linie durch den Verzehr von rohem Schweinefleisch. © fotomaster_fotolia

Die Hepatitis-E-Virusinfektion (HEV) ist seit 1983 bekannt. Dabei handelt es sich um ein RNA-Virus. Zunächst galt die Erkrankung als reine Tropenkrankheit. Erst in den letzten Jahren hat die HEV-Infektion in zunehmendem Maß ihr Image als Reisekrankheit verloren. Es zeigte sich nämlich, dass eine HEV- Infektion heute vorwiegend autochthon, also zu Hause in Deutschland erworben wird, wobei es sich meist um den Genotyp 3 handelt. Generell werden fünf HEV-Genotypen unterschieden. Der Genotyp 3 kommt nicht nur bei Menschen, sondern auch bei Tieren vor, man spricht deshalb von einer Zoonose. Betroffen sind vor allem Haus- und Wildschweine, wobei die Durchseuchungsrate hier 40 bis 50 Prozent betragen soll.

Bei uns erfolgt die Übertragung vor allem beim Verzehr von rohen Schweine- beziehungsweise Wildschweinprodukten, seltener durch den direkten Kontakt mit einem infizierten Tier. Eine englische Studie konnte zeigen, dass aber auch Blutprodukte HEV-RNA enthalten können, allerdings nur in 0,0035 Prozent der Fälle, so dass eine Infektion über Blutprodukte zwar grundsätzlich möglich ist, aber doch sehr selten sein dürfte. Untersuchungen von Klärwasser der Kanalisation in den USA und verschiedenen europäischen Ländern ergaben, dass das HEV relativ häufig in Exkrementen vorkommt, so dass auch bei uns kontaminiertes Trinkwasser ein Hauptübertragungsweg sein dürfte.

Klinischer Verlauf

Der klinische Verlauf der HEV-Infektion ist individuell sehr unterschiedlich, wie das auch für andere Hepatitis-Erreger bekannt ist. Einige Patienten entwickeln typische Symptome mit Müdigkeit, Fieber, Arthralgien, Übelkeit, Erbrechen, Diarrhöen und Ikterus, bei anderen wiederum verläuft die Erkrankung vollkommen asymptomatisch. Aber auch extrahepatische Manifestationen sind möglich. Dazu gehören die Glomerulonephritis und neurologische Symptome. Typischerweise sind die Leberwerte, nämlich die Transaminasen erhöht.

Im Allgemeinen verläuft die Erkrankung selbstlimitierend, und die Leberwerte normalisieren sich innerhalb von sechs Wochen. Sehr selten kann sich ein akutes Leberversagen entwickeln. Davon betroffen sind vorwiegend Schwangere und Patienten mit einer bekannten Lebererkrankung. Entscheidend für den individuellen Verlauf ist die genetische Prädisposition, aber auch hormonelle und immunologische Faktoren dürften eine Rolle spielen. Die Tatsache, dass bei bis zu 20 Prozent aller Menschen entsprechende Antikörper gefunden werden, aber die klinische Diagnose doch sehr selten gestellt wird, spricht für eine hohe Dunkelziffer an übersehenen HEV- Infektionen. Und doch nehmen die Meldungen bezüglich HEV-Infektion zu: 2014 wurden 670 Fälle, 2015 schon 1.246 Fälle an das Robert-Koch-Institut gemeldet. Ob sich hinter diesem Anstieg nur eine gesteigerte Sensibilität für die Erkrankung verbirgt, oder ob die HEV-Infektionen tatsächlich so stark zugenommen haben, weiß man nicht. Bis vor einigen Jahren glaubte man, dass es bei der HEV-Infektion wie bei der Hepatitis A keinen chronischen Verlauf gebe. Dann wurden erstmals chronische HEV-Infektionen bei Organtransplantierten beschrieben. Es zeigte sich, dass eine solche chronische Infektion über eine Leberfibrose zu einer Leberzirrhose führen kann. Solche chronischen Verläufe fanden sich vereinzelt dann auch bei HIV-Patienten. Insgesamt muss bei jedem zweiten HEV-infizierten, immunsupprimierten Patienten mit einer Chronifizierung gerechnet werden.

Serologische Diagnostik

Wie auch bei anderen Virusinfektionen gelingt der Nachweis der Erkrankung mittels Bestimmung der entsprechenden Anti-HEV-Antikörper, wobei der Nachweis von IgM-Antikörpern für eine akute oder kürzlich stattgehabte Infektion, der Nachweis von IgG-Antikörpern nur für eine früher abgelaufene HEV-Infektion, also nicht für eine akute Infektion spricht. Auch kann das Virus im Stuhl mittels PCR (Polymerase Kettenreaktion) nachgewiesen werden, sicherlich der zuverlässigste, das heißt sensitivste Test. Im Allgemeinen erfolgt die serologische Untersuchung bei Patienten mit zunächst unklarer Erhöhung der Leberwerte, so dass immer auch die serologischen Marker der anderen Hepatitiden (Hepatitis A, B und C) bestimmt werden.


Info

In China ist seit 2012 ein Impfstoff gegen Hepatitis E zugelassen, aber noch nicht in Europa. Da der dortige Impfstoff auf einem anderen Typ von Hepatitis-E-Viren basiert (Genotyp 1), ist fraglich, ob er auch gegen den hierzulande verbreiteten Genotyp 3 schützen würde.

In sogenannten Risikogebieten, also auch auf Reisen, sollte Trinkwasser nie aus dem Brunnen getrunken werden, sondern nur aus industriell abgefüllten und noch fest verschlossenen Flaschen. Ungekochte Speisen sind generell zu vermeiden, schreibt die Deutsche Leberhilfe. Das Virus wird bei Temperaturen von etwa 70° inaktiv, daher gilt es, Fleisch und Fleischzubereitungen mindestens über diese Kerntemperatur zu erhitzen. Besonders Schwangere, Transplantierte und HIV-Patienten, also Immunsupprimierte, sollten vermeiden, rohes oder unzureichend gekochtes Fleisch (insbesondere Schweinefleisch wie zum Beispiel Mett oder auch Leberwurst und Wild) zu verzehren.


Eine Therapie der akuten HEV-Infektion gibt es nicht und ist angesichts des günstigen Verlaufs auch nicht erforderlich. Bei Patienten mit einer chronischen HEV-Infektion kann die Erkrankung mit Ribavirin zur Ausheilung gebracht werden. Wichtig ist aber die Primärprophylaxe vor allem für immunsupprimierte Risikopatienten und Schwangere. Sie sollten den Kontakt zu potenziell infizierten Tieren vermeiden und auf den Verzehr von unzureichend gegartem Fleisch verzichten. Es wurde ein Impfstoff entwickelt, der aber nur vor einer Infektion mit dem Genotyp 1 schützt. Dieser wurde in China zugelassen. In Deutschland gibt es noch keinen Impfstoff.

Dr. med. Peter Stiefelhagen, Internist
57627 Hachenburg
pdrstiefel@aol.com

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