Volker Looman über Geld ausgeben im Alter

Fleißig gespart und trotzdem ein Seniorenkredit?

Der Autor ist freiberuflicher Finanzanalytiker in Stuttgart. Jede Woche veröffentlicht er in der BILD und in der FAZ einen Aufsatz über Geldanlagen. Außerdem unterstützt er Zahnärzte auf Honorarbasis bei der Gestaltung des Privatvermögens. privat

Alter schützt vor Spielsucht nicht. Ich kann Ihnen nicht erklären, warum das so ist. Es geht um einen Anleger, der 66 Jahre alt ist und zwei Millionen Euro auf dem Konto hat. Der Freiberufler hat hart gearbeitet und nun will er endlich leben. Das kann ich gut verstehen und im Grunde genommen ist die Sache einfach. Der Gentleman hat, wie ein Blick in die Sterbetafeln der deutschen Aktuare zeigt, noch 17 Jahre vor sich. Folglich kann der Mann ohne Zins und Zinseszins jährlich 117.647 Euro ausgeben. Das sind pro Monat exakt 9.803 Euro und 92 Cent, so dass das Risiko, unter der Brücke zu landen, vernachlässigt werden kann. Vorsichtshalber würde ich die Rente, skeptisch wie ich bin, auf volle Tausender abrunden. Dadurch werden am 83. Geburtstag noch 164.000 Euro übrig bleiben, die entweder für einen ordentlichen Leichenschmaus oder 36 zusätzliche Lebensmonate auf halber Ration verwendet werden können. Das sind doch bodenständige und solide Vorschläge, oder wie sehen Sie das?

Nun frage ich mich allerdings, was diesen Herrn bewegt, im Ruhestand alles auf eine Karte zu setzen. Er will einen Kredit über 4,5 Millionen Euro aufnehmen und insgesamt 6,5 Millionen Euro in ein Mehrfamilienhaus stecken. Das Objekt kostet sechs Millionen Euro und wirft jedes Jahr rund 300.000 Euro ab. Davon stehen nach Abzug der Kosten ungefähr 270.000 Euro zur Verfügung. Der Kredit möge pro Jahr ungefähr zwei Prozent kosten. Hinzu kommt die Rückzahlung von 1,5 Prozent, so dass die aufgerundete Jahresrate für Zins und Tilgung bei 158.000 Euro liegt. Das führt zu einem Überschuss von 112.000 Euro pro Jahr, so dass die gewünschten 9.000 Euro darstellbar sind.

Ich kann mir den Reiz dieses Vorhabens nur damit erklären, dass bestimmte Risiken unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden. Der vollständige Verzehr des Vermögens scheint der Alptraum in Vollendung zu sein und es ist völlig egal, ob 50.000 oder 500.000 oder 5.000.000 Euro zur Diskussion stehen. Die Vorstellung, am Ende des Lebens mit „leeren Händen“ dazustehen, ist für viele Menschen nicht zu ertragen. Interessant ist freilich, dass viele Anleger kein Problem haben, von einem Extrem ins andere zu fallen. Die Verzehr des Geldes schmeckt wie ein Wackelpudding, doch der Kauf einer Immobilie auf Pump gilt als nahrhaftes Gericht. Ist das nicht merkwürdig?

Was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen den Vorschlag machte, für Ihr schönes Geld, sagen wir 500.000 Euro, ausschließlich Aktien von Apple oder Google zu kaufen? Da würden Sie mich doch für meschugge halten. Und was würden Sie mit mir machen, wenn ich Ihnen vorschlüge, einen Kredit von 1,5 Millionen Euro aufzunehmen und zwei Millionen Euro nur in Airbus oder Daimler zu investieren? Würden Sie beim Gesundheitsamt in Stuttgart einen Antrag auf JPU – die journalistisch-psychologische Untersuchung – meiner Zurechnungsfähigkeit stellen? Oder würden Sie ersatzweise lieber den Chefredakteur dieser Zeitschrift bitten, mich wegen „Spinnerei“ aus dem Verkehr zu ziehen?

Bitte unterstellen Sie mir im Umkehrschluss nicht, dass ich Sie für einen Spinner halte, wenn Sie drei, vier oder fünf Millionen Euro in eine Immobilie stecken. Wir leben in einem freien Land, und Sie haben das Recht, Ihr gutes Geld nach freiem Ermessen zu versenken. Ich will nur den Glauben, die Bündelung weniger Groschen und hoher Fremdmittel in einer Geldanlage sei eine feste Burg, wenigstens ein bisschen erschüttern, weil dieser Glaube in meinen Augen fragwürdig ist.

Ich würde im Alter von 65 Jahren auf die Aufnahme von Krediten verzichten, weil es in diesem Lebensabschnitt schönere Dinge gibt als die Tilgung von Hypotheken. Wenn bei Ihnen zwei Millionen Euro auf dem Konto liegen, sollten Sie sich erst einmal nicht schämen, so viel Geld zu haben und zweitens eine Flasche aufmachen, überhaupt so viel Geld auf die Seite gebracht zu haben. Dann sollten wir festlegen, wie viel Geld an Ihrem 85. Geburtstag noch in der Kasse liegen soll. Ich verstehe ja, dass ein Restbetrag von 164.000 Euro etwas dürftig ist. Wie wäre es denn mit 500.000 Euro? Oder soll es doch eine Million Euro sein, weil Sie als „anständiger und großzügiger“ Erblasser in die Familienchronik eingehen wollen? Ich schlage 750.000 Euro vor und über den monatlichen Konsum von 9.000 Euro verlieren wir kein Wort. Viel wichtiger ist die Information, dass bei diesen Vorgaben ein jährlicher Zinssatz von 3,4 Prozent vor Steuern nötig ist, um das Ziel zu erreichen. Das ist kein Pappenstiel und wird nur mit Hilfe von Anleihen und Aktien erreichbar sein. Ja, da haben Sie haben richtig gelesen! Die eine Hälfte besteht aus Anleihen, die 1 bis 2 Prozent pro Jahr abwerfen, und die andere Hälfte besteht aus Aktien, die pro Jahr mindestens 4 bis 5 Prozent bringen müssen. Damit sind wir wieder an dem Punkt angelangt, wie Risiken bewertet und verarbeitet werden. Was meinen Sie? Ist eine Immobilie auf Pump oder das Wertpapierdepot ohne Kredit mit 1.111 Titeln das größere Risiko? Ich halte die zweite Lösung – allen Unkenrufen zum Trotz – für die bessere Geldanlage. Oder brauchen Sie im Alter doch das Gefühl, wie in der Spielbank endlich mal „alles“ auf die 13 setzen zu dürfen?

Kolumnen entsprechen nicht immer der Ansicht der Herausgeber.


Alle Kolumnen von Volker Looman (2016)

Der letzte Artikel dieses Jahres kann, ich sage es lieber gleich, bei der einen oder oder anderen Zahnärztin zu Schluckbeschwerden führen. Es geht um das Verhältnis von Frauen zu Geld. Das ist ein abendfüllendes Thema und wenn ich jetzt als Mann auch noch zu sagen wage, das Verständnis für Geld und Zahnärztinnen sei für Männer ein Berufsbild mit goldener Zukunft, drohe ich mich um Kopf und Kragen zu schreiben. Trotzdem: Attempto! Ich wage es wie weiland Graf Eberhard im Barte, der Gründer der Universität zu Tübingen.

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In wenigen Wochen ist wieder Weihnachten. Folglich wird es höchste Zeit, sich Gedanken zu machen, wen Sie in Kürze womit beglücken werden. Darf ich Sie bitten, in diesem Jahr auch mal an Ihre liebe Hausbank zu denken? Mir schweben freilich keine gehäkelten Topflappen aus heimischer Produktion vor.

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Kann ich mit Ihnen heute mal über Risiken bei Geldanlagen sprechen? Mir ist bewusst, dass das Thema heikel ist, weil Risiken für die meisten von Ihnen der Vorhof der Hölle sind. Arbeit, Ehe und Leben enthalten Risiken.

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Ich bin Mitglied in einem Club, der weiland eine feste Burg für Männer war, im Laufe der letzten Jahre aber von Frauen geschleift worden ist. Natürlich werde ich – das ist Ehrensache – den Namen dieses Clubs nicht preisgeben. Ich verrate Ihnen aber aus Gründen der Geldräson, dass ich in dem Mitglieder-Magazin vor einiger Zeit bemerkenswerte „Gedanken über Geldanlagen in Zeiten der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“ gelesen habe.

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Die Zinsen für Hypotheken sind im Keller. Das hat sich herumgesprochen. Niedrige Zinsen und geringe Tilgungen bedeuten mäßige Raten. Das scheint auch bekannt zu sein. Niedrige Raten führen zu langen Laufzeiten. Sogar diese Botschaft scheint nicht mehr neu zu sein. Ich weiß aber nicht, wie viele Akademiker sich mit solcherart Hypotheken an der Nase herumführen lassen.

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Haben Sie gerade 10.000 Euro auf dem Konto? Haben Sie vielleicht 500.000 Euro geerbt? Wissen Sie nicht, was Sie mit dem Geld machen sollen? Dann hätte ich da eine Idee.

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Alter schützt vor Spielsucht nicht. Ich kann Ihnen nicht erklären, warum das so ist. Es geht um einen Anleger, der 66 Jahre alt ist und zwei Millionen Euro auf dem Konto hat.

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Jüngst hat mich ein Abendessen bei Freunden ziemlich mitgenommen. Dort berichtete die Gastgeberin von einer Kollegin, die 38 Jahre jung ist und sich auf ihr zweites Kind freut. Nun ist ihr Mann, ein Jahr älter, beim Joggen tot umgefallen.

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Bestimmt wissen Sie, dass Hamburg das Tor zur Welt und München die Weltstadt mit Herz ist. Da ist es kein Wunder, dass Eigenheime ihren Preis haben. Immobilien in Weltstädten gehen nicht ins kleine, sondern große Geld.

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Vorsicht, im Überschwang ist eine dynamische Kapitalversicherung schnell unterschrieben. Und dann beginnt das lange Leiden. Unser Autor Volker Looman erklärt, warum.

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Geldanlage ist finanzieller Mehrkampf: Inventur des Gesamtvermögens, Festlegung der Ziele, Verteilung auf Anlageklassen, Auswahl der Finanzprodukte und Überwachung des Privatvermögens. Die härtesten Disziplinen sind die Verteilung, die Umsetzung und die Überwachung. Dafür ist Disziplin nötig, wenn dieses Wortspiel erlaubt ist.

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Die private Altersvorsorge ist ein heißes Eisen. Sie ist absolut nötig, doch das ständige Trommeln, regelmäßig Geld auf die hohe Kante zu legen, um im Ruhestand finanziell nicht unter die Räder zu kommen, bewirkt in meinen Augen das Gegenteil: Die einen Anleger können das Trommeln nicht mehr hören, und die anderen Sparer sind wegen des Lärms längst taub.

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77 Prozent aller Deutschen glauben, Geld mache frei. Die Zahl ist allen Unkenrufen zum Trotz keine Schnapszahl, und ich will den Wert auch nicht in Zweifel ziehen, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass diese Leute zu 99 Prozent arme Schlucker sind. Wenn ich mit Anlegern, die wirklich Geld haben, ins Gespräch komme, merke ich schnell, dass diese Leute stolz sind, nicht am Hungertuch nagen zu müssen, doch von „Freiheit“ spüre ich in der Regel nicht viel.

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Die Kalkulation mit Hochprozentigem ist für viele Menschen selbst in nüchternem Zustand höhere Mathematik. Das halten Sie für üble Nachrede? Dann sollten wir die Probe aufs Exempel machen.

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Die niedrigen Kreditzinsen sind für viele Mieter die größte Gefahr, mit einem Eigenheim auf die Nase zu fallen. Darf ich Ihnen an folgendem Beispiel schildern, wie Mieter zurzeit auf Abwege gelockt werden? Es gibt in Frankfurt eine Bank, die sich auf ihre Fahnen geschrieben hat, Leistung aus Leidenschaft zu erbringen.

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Ein Mann sollte – so will es die Tradition – im Leben drei Dinge tun: ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Ich weiß nicht, ob das Haus zum Glück nötig ist, doch wer glaubt, eine Villa bauen zu müssen, dem sei gesagt, dass es um mehr als nur um das Eigenheim geht.

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Darf ich Sie mal was Intimes fragen? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie bemerken, jahrelang betrogen worden zu sein? Ich meine jetzt nicht, was Sie wahrscheinlich vermuten, sondern es geht um Geld, das Sie für Leistungen bezahlt haben, die Sie gar nicht erhalten haben. Bitte überlegen Sie gut, was Sie sagen, weil alle Urteile, die Sie nun fällen, auch auf Sie zutreffen könnten.

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Das Thema der heutigen Erbauungsstunde lautet: Die Bedeutung des Ratenkredits für die deutsche Volkswirtschaft unter besonderer Berücksichtigung von Medizinern. Sie haben richtig gelesen, liebe Anhänger dieser Kolumne, es geht um das Schuldenmachen im Allgemeinen und um den (zahn)ärztlichen Konsum auf Pump. Bitte glauben Sie bloß nicht, rote Zahlen seien das Privileg niederer Stände.

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Die Geldanlage in vermietete Immobilien wird in meinen Augen von Jahr zu Jahr gefährlicher. Grundlage dieser These ist die Tatsache, dass sich die Kaufpreise in vielen Städten viel schneller entwickelt haben als die Mieten. Darf ich Ihnen das mit einem Beispiel beweisen?

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Knicken! Lochen! Abheften! Ich habe keine Ahnung, wie viele Ärzte sich jedes Jahr über den schweißtreibenden Dreikampf von Beamten und Bürokraten ärgern.

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Es geht um Ihr gutes Geld, liebe Doktores, und ich werde Ihnen ab sofort alle 14 Tage (finanziell) auf den Zahn fühlen. Was hat mich zu diesem Schritt bewogen? Ich bin jetzt 60 Jahre jung, und ich habe in den vergangenen 30 Jahren eine besondere Beziehung zu Zahnärzten aufgebaut.

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